Der Handball ruht: Der BHV bezeichnet den Saisonabbruch als alternativlos. Foto: BHV
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Der Handball ruht: Der BHV bezeichnet den Saisonabbruch als alternativlos.

Der BHV bricht die Saison ab und setzt alles zurück auf Null – keine Absteiger, keine Aufsteiger

„Alles andere wäre unverantwortlich gewesen“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Die Ismaninger Handballer haben die Nachricht mit Humor genommen – genauer gesagt: mit Galgenhumor. Denn nachdem Trainer Christoph Ilg am Mittwochmorgen die Mitteilung des Bayerischen Handball-Verbands (BHV) über den vorzeitigen Saisonabbruch in der Whatsapp-Gruppe des Landesligisten geteilt hatte, seien die Spieler schnell übereingekommen, dass man im Sommer dennoch auf Abschlussfahrt gehen solle, erzählt Co-Trainer Florian Nortz. „Die Jungs haben argumentiert, dass wir ja zwei Saisonspiele absolviert haben. Also ist auch eine Abschlussfahrt drin.“

Landkreis Nach jenen zwei Partien im Oktober war freilich Schluss - wegen der Corona-Pandemie. Und da eine Rückkehr der Amateurhandballer in die Hallen bis heute nicht absehbar ist, hat der BHV nun einen Schlussstrich unter die laufende Spielzeit gezogen. „Durch die politischen Vorgaben, die Ungewissheit einer möglichen Wiederaufnahme des Handballsports und die zeitlich begrenzte Möglichkeit, eine Saison noch sportlich fair abzuschließen, ist dem Bayerischen Handball-Verband keine andere Vorgehensweise möglich“, heißt es in einem Rundschreiben an die Vereine. Demnach hätten sich das Präsidium und die Bezirksvorsitzenden darauf verständigt, die Saison für alle Spielklassen auf BHV- und Bezirksebene zu beenden. Eine Wertung erfolgt nicht; weder gibt es Auf- noch Absteiger. Vielmehr wird die nächste Saison 2021/22 in der Zusammensetzung und in den Spielklasseneinteilungen nach dem Stand vom 18. September 2020 gespielt.

„Das Handballerherz will immer spielen“, sagt Florian Nortz. „Aber wenn man sich die Situation mit Vernunft anschaut, dann war es die richtige Entscheidung. Wir sind auch ein Stück weit erleichtert, weil man jetzt Sicherheit hat und für nächste Saison planen kann.“ Zustimmung für die Entscheidung des BHV kommt auch von Bernd Dreckmann, Trainer der Ismaninger Bayernliga-Frauen. „Die Entscheidung ist richtig. Alles andere wäre auch unverantwortlich gewesen.“ Dass es nach einer so langen Pause eine ausreichende Vorbereitung vor der Rückkehr in den Spielbetrieb brauche, sei das eine, sagt der Coach. Noch entscheidender sei aber etwas anderes: „Wenn ich in einen Wettbewerb gehe, dann muss ich die Anwesenheit meiner Mannschaft erwarten. Aber im Moment kann ich von niemand verlangen, dass er ins Training kommt.“ Dreckmann verweist beispielhaft auf Spielerinnen, die ihre Großeltern treffen wollten, eine Vorerkrankung hätten oder berufsbedingt vorsichtig sein müssten. Im Amateurbereich würde wohl kaum ein Team vollzählig bleiben, schätzt Dreckmann. „Deshalb ist es das Beste, man schneidet diese Saison einfach raus, und dann haben wir halt ein Jahr verloren.“

Verständnis für den Saisonabbruch zeigt auch Andreas Hofferek. „Es hätte keinen Sinn gemacht, noch länger mit einer Entscheidung zu warten“, sagt der Abteilungsleiter des TSV Haar. „Es wird ja noch einige Zeit dauern, bis wir überhaupt wieder in die Halle dürfen. Und dann wäre eine Fortsetzung der Saison allein zeitlich nicht mehr vorstellbar.“ Für die Vereine werde es nun darauf ankommen, sobald wie möglich wieder ein Training anzubieten – auch um den drohenden Mitgliederschwund in Grenzen zu halten. „Im Jugendbereich wird sich das massiv auswirken“, fürchtet Hofferek. Genau davor warnt auch Alexander Brandeis vom TSV Schleißheim. „Das Hauptziel von jedem Verein muss es jetzt sein, jedes Kind beim Handball zu halten.“ In Schleißheim habe man sich hierzu bereits zahlreiche alternative Angebote einfallen lassen - vom Onlinetraining über gemeinsame Laufeinheiten bis hin zur Taktikschulung im Internet.

Mit Blick auf seine TSV-Handballerinnen, die nach zwei Siegen zum Start an der Tabellenspitze der Bezirksoberliga standen, sagt Brandeis über den Saisonabbruch: „Wir hatten mit anderen Lösungen geliebäugelt, weil wir uns in Richtung Landesliga bewegen wollen. Aber jetzt müssen wir eben aufs Neue beginnen.“ Schließlich bezeichnet auch Brandeis die Entscheidung des BHV als „alternativlos“. Der Coach blickt also nach vorne: „Wir konzentrieren uns ab jetzt darauf, im Oktober eine fitte Mannschaft an den Start zu bringen.“

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