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Als als erstes wird den Fußballern geholfen werden, die ja schon jammern, dass sie Milliardenverluste haben.

Volleyball

„Der Sport wird ein Jahr darnieder liegen“

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Alpenvolleys-Boss Hannes Kronthaler im Interview: „Der Sport wird ein Jahr darnieder liegen.“

Unterhaching/InnsbruckDie Probezeit der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching ist vorbei: 2017 stieg der österreichische Volleyball-Rekordmeister aus Innsbruck in Kooperation mit dem Zweitligisten und vierfachen deutschen Pokalsieger TSV Unterhaching in die Volleyball-Bundesliga (VBL) ein. Das Projekt war zunächst auf drei Jahre angelegt, nach denen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit befunden werden sollte. Die Stunde der Entscheidung rückt also näher, allerdings wegen der Corona-Krise in einer denkbar ungünstigen Situation: Die Saison wurde kurz vor den Playoffs abgebrochen, eine sinnvolle Planung ist derzeit kaum möglich. Über die schwierige Lage sprach der Innsbrucker Alpenvolleys-Manager Hannes Kronthaler (54), zugleich Geschäftsführer eines großen Bauunternehmens, mit unserer Zeitung.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Danke mir geht es gut und ich bin nicht in Quarantäne.

Wie ist derzeit die Situation in Innsbruck?

Bis Ostermontag ist erst einmal fast alles zu, auch unsere Baumärkte. Ich habe die halbe Firma auf Betriebsurlaub geschickt, die Produktion läuft aber. Wir rechnen hier, dass es bis Ende April so sein wird. Danach bleiben Dir die Leute nicht mehr daheim.

Hat die Corona-Situation Einfluss auf die Entscheidung, ob es mit den Alpenvolleys weitergeht?

Das kann natürlich sein, denn man hat jetzt keine Zeit über Sponsoring zu reden.

Die Volleyball-Bundesliga hat immerhin die Fristen für die Lizenzanträge nach hinten verschoben. Hilft das?

Das hilft schon, aber es wird nicht leicht. Ich glaube, dass der Sport ein Jahr darnieder liegen wird. Und als erstes wird den Fußballern geholfen werden, die ja schon jammern, dass sie Milliardenverluste haben. Dann erst werden die Randsportarten kommen. Es werden jedenfalls alle abspecken müssen.

Reicht dann den Alpenvolleys eventuell sogar ein kleineres Budget?

Das könnte sein. Aber es ist so: Meine Zukunft liegt in Bayern. Denn in Tirol habe ich Sponsoren, aber nicht die große Akzeptanz. In Bayern habe ich eine große Akzeptanz, aber wenige Sponsoren. Deshalb ist es wichtig, dass wir noch einen Monat Zeit haben. Und trotzdem ist klar: Es wird für die Alpenvolleys nicht leicht, so wie für den Sport insgesamt eben auch nicht.

Sind Ihre Spieler eigentlich noch in Innsbruck?

Ungefähr die Hälfte ist abgereist, teilweise fluchtartig. Shavrak, Richards, Stalekar, Siirilä, Gelinski, Clère, Cross sind in ihren Heimatländern. Die anderen sind noch hier, trainieren dürfen sie aber nicht. Die hocken alle daheim. Die Grundgehälter der Spieler bezahle ich weiter, Prämien nicht, die hätte es nur beim Erreichen des Endspiels gegeben.

Da sind wir beim sportlichen Aspekt der abgebrochenen Saison: Dieses Finale um die Deutsche Meisterschaft war das erklärte Ziel. Sie schienen zwischenzeitlich fest auf Kurs Richtung Platz zwei nach der Hauptrunde, sind dann aber nach drei Niederlagen, unter anderem gegen die direkten Konkurrenten Friedrichshafen und Frankfurt, auf Rang vier abgerutscht. Damit hätte Titelverteidiger Berlin im Halbfinale der Play offs als Gegner gedroht. Wäre das Endspiel überhaupt noch erreichbar gewesen?

Ich glaube nicht, dass wir im Halbfinale eine Chance gegen Berlin gehabt hätten. Leid tut es mir aber um das mögliche Viertelfinale gegen Herrsching. Es wäre lässig gewesen, im Audi Dome zu spielen. Da hätte man sich anschauen können, wie es dort ist. Sportlich wäre das auch nicht einfach gewesen, aber wir hätten das Halbfinale, glaube ich, schon erreicht.

Wie erklären Sie sich, dass das Team nach einem tollen Lauf seit Anfang Dezember plötzlich diesen Durchhänger hatte?

Man darf nicht vergessen, dass sich Paulo da Silva (bis dahin Top-Scorer der Liga - d. Red.) verletzt hat. Aber wir sind damit falsch umgegangen. Dass gegen Friedrichshafen, kurz nach der Verletzung, der Schock noch spürbar war, ist verständlich. Dann haben wir im Europacup gegen Sankt Petersburg ohne Paulo ein Riesenspiel gemacht und gesehen, dass es mit seinem Ersatzmann Jerome Cross auch funktioniert. Aber statt danach gegen Frankfurt entsprechend aufzutreten, schien jeder angefressen und sich zu fragen, warum sich Paulo ausgerechnet jetzt verletzen musste. Das hätten wir anders machen müssen, das war enttäuschend.

Im CEV-Cup gibt es nach dem durchaus ehrenvollen Viertelfinal-Aus gegen den Top-Favoriten St. Petersburg wohl nichts zu beanstanden.

Wir hatten beim 2:3 gegen Sankt Petersburg in Unterhaching einen tollen Volleyball-Abend. Trotzdem: Wenn wir weitermachen, werden wir wahrscheinlich nicht mehr im Europacup spielen. Champions League musst du immer spielen, aber im CEV-Cup lohnt es sich nicht. In der vergangenen Saison habe ich da 25 000 Euro draufgezahlt, in dieser sogar 65 000 Euro, weil wir so ungünstige Auswärtsreisen hatten. Und ich habe durch unsere Situation mit der Kooperation sowieso zwei Drittel Auswärtsspiele in der Saison. Denn, wenn wir in Unterhaching Bundesliga spielen, muss ich auch jedes Mal ein Hotel bezahlen. Das kostet mich 100 000 Euro im Jahr.

Wie stehen denn nun die Chancen, dass es mit den Alpenvolleys weitergeht?

Ich habe 25 Sponsoren und mit unserem Hauptsponsor hatte ich auch schon Kontakt. Die anderen haben im Moment alle keine Zeit, genauso wie ich auch. Ich werde mir über die Osterfeiertage Gedanken machen und dann entscheiden. Immerhin waren wir über die drei Jahre gesehen die klare Nummer drei der Bundesliga. Das Problem ist: In Deutschland, wo wir neue Sponsoren bräuchten, passiert alles (gemeint ist rund um die Corona-Krise - d. Red.) zwei Wochen später als bei uns in Österreich. Ich glaube nicht, dass jemand mich oder den Mihai (Paduretu, der Alpenvolleys-Sportdirektor aus Unterhaching - d. Red.) dann zu Gesprächen über Volleyball empfängt.

Kingt alles sehr kompliziert.

Das ist genau das richtige Wort.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

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