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Stützwaage auf dem Mini-Barren: Valentin Zapf aus Aschheim kann derzeit daheim nur Krafttraining machen und Joggingrunden drehen. 

Zwei nackte Füße hinter der Hecke

Turner Valentin Zapf hält sich im heimischen Garten fit

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Was sich wohl die Nachbarn denken, wenn sie dieser Tage hinter der Hecke zwei nackte Füße in der Luft schweben sehen?

Unterföhring/Aschheim – Und erst danach, bei genauerem Hinschauen, den zugehörigen Körper entdecken, der kerzengerade und kopfüber wie festgefroren scheint, die Arme nur auf zwei dünne Holzbalken gestemmt?

 Nun gut, die Nachbarn hier in Aschheim werden wahrscheinlich schon wissen, wer dort hinter der Hecke wohnt und zu derlei atemberaubenden Verrenkungen fähig ist. Nämlich Valentin Zapf, Turner vom TSV Unterföhring, eines der hoffnungsvollsten Talente im Land und amtierender Deutscher Jugendmeister im Mehrkampf.

Normalerweise wäre der 17-Jährige dieser Tage auf einem Kaderlehrgang, um sich auf die Junioren-Europameisterschaft in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku im Mai vorzubereiten. Normalerweise würde er zweimal am Tag je drei Stunden trainieren, sagt er. Und normalerweise müsste Valentin Zapf, der am Kirchheimer Gymnasium die 11. Klasse besucht, all das auch noch mit seinem Schulalltag unter einen Hut bringen. Doch was ist schon normal in diesen Zeiten?

„Das Coronavirus hat auch bei uns alles durcheinandergewirbelt“, sagt Valentin Zapf. So wurde die Junioren-EM – sie wäre für den Unterföhringer der sportliche Höhepunkt in diesem Jahr gewesen – zunächst abgesagt; ob es einen Ersatztermin geben wird, ist noch ungewiss. Dazu sind bis auf unbestimmte Zeit sämtliche Sportstätten und damit auch alle Turnhallen gesperrt, was einen wiederum in den Zapfschen Garten nach Aschheim bringt. Denn dort versucht sich der Ausnahmeturner derzeit fit zu halten, „so gut es halt geht“, wie er sagt. Gemeinsam mit seinem Trainer Zoltan Csuka hat er ein Programm erarbeitet, das unter anderem aus einer täglichen Joggingrunde besteht, die ihn meist zum Heimstettner See führt. Dabei, sagt Valentin Zapf, sei er eigentlich „gar kein Läufer. Deshalb kostet mich das schon Überwindung“. Darüber hinaus trainiert der 17-Jährige mit seinen Handstandklötzen – entweder drinnen oder bei gutem Wetter draußen im Garten. „Das ist reines Krafttraining“, sagt Valentin Zapf über die Übungen an den Holzbalken. „Etwas anderes kann ich zurzeit leider nicht machen.“

Was vor allem an dem Turner nagt, ist die Ungewissheit, wie es weiter gehen wird. „Im Moment kann ja keiner sagen, wie lange das noch dauert“, sagt Valentin Zapf. „Ich kann einfach nur versuchen, mich einigermaßen fit zu halten – und abzuwarten.“ Von daher sollten seine Nachbarn in Aschheim nicht allzu verwundert sein, wenn auch weiterhin gelegentlich nackte Zehenspitzen hinter der Hecke auftauchen.

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