„Ich merke schon, dass es mir immer schwerer fällt. Die alten Knochen machen sich bemerkbar.“ Götz Hollain im Tor des VfR Garching. 	Foto: Gerald Förtsch
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„Ich merke schon, dass es mir immer schwerer fällt. Die alten Knochen machen sich bemerkbar.“ Götz Hollain im Tor des VfR Garching.

Götz Hollain vom VfR Garching kann‘s nicht lassen – wenn er nicht gerade Containerschiffe steuert

Mit 59 noch im Handball-Tor

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Götz Hollain gehört bei den Handballern des VfR Garching zu den Gründungsmitgliedern des Männer-Teams. Im Alter von 59 Jahren steht der Torhüter heute noch bei Ligaspielen zwischen den Pfosten – wenn er nicht gerade als Kapitän riesige Containerschiffe durch die Weltmeere steuert. Im Interview spricht Hollain über seine Liebe zur See – und zum Sport.

Herr Hollain, Sie sind Kapitän und leben dennoch fernab des Meeres in München. Zugleich stehen Sie mit Ihren 59 Jahren als Keeper bei den Garchinger Handballern im Tor. Schwer zu sagen, was von diesen beiden Dingen außergewöhnlicher ist…

Kurz vor dem Auslaufen: Götz Hollain (r.) mit Clement Julienne dem Lotsen von Port Victoria/Seychellen.

Als Kapitän brauchst du heutzutage keinen Hafen mehr in der Nähe, sondern bloß noch einen Flughafen – und den gibt es hier. Ich habe früher schon in München gelebt, ehe ich wegen meiner Ausbildung nach Hamburg gezogen bin. Nach circa 20 Jahren bin ich dann 1999 zurückgekehrt – weil das Wetter in München besser ist, die Stadt schöner ist und die Umgebung sowieso.

Wie sieht das konkret aus, wenn Sie zur See fahren?

Ich bin meistens knapp vier Monate auf See, danach habe ich dann zwei Monate frei. Ich fahre Containerschiffe und das weltweit – vor allem in Südostasien und Ostafrika. Eine Tour geht dann beispielsweise von Singapur über Sri Lanka und die Malediven nach Tansania. Das dauert circa sechs Wochen, und das mache ich dann zwei- bis dreimal hintereinander.

Klingt strapaziös…

Du musst diesen Job lieben, sonst wird es nichts. Mir sagt man nach, dass ich schon als Fünfjähriger zur See fahren wollte – und das, obwohl ich familiär nicht vorbelastet bin. Aber ich hatte immer schon Fernweh, und da hat sich die Seefahrt angeboten. Wobei man heutzutage nicht mehr allzu von den Ländern sieht, in die man reist…

Wieso das?

Weil wir höchstens zwölf Stunden im Hafen sind, bevor es wieder weitergeht. Früher war das noch anders, da hatte man manchmal mehrere Tage an einem Ort. Aber durch die Containerisierung hat sich die Seefahrt gewaltig gewandelt.

Und dennoch ist der Beruf für Sie immer noch Berufung?

Ich mag die Selbstständigkeit, die man als Kapitän hat – und die Verantwortung. Natürlich hat man eine Reederei im Rücken, aber draußen auf dem Meer hilft dir das wenig. Man ist Wind und Wetter ausgesetzt und muss selbst entscheiden, wie man dort zurechtkommt. Auf See ist kein Tag wie der andere, und langweilig wird es nie.

Weshalb an Bord wohl wenig Zeit für Sport bleibt?

Auf dem Schiff gibt es ein Fitnessstudio, aber da bin ich nicht so der Typ für. Umso anstrengender sind für mich dann die ersten Trainings in Garching, wenn ich wieder zu Hause bin. Da habe ich hinterher immer Muskelkater und ein paar blaue Flecken.

Und dennoch können Sie nicht vom Handball lassen, sondern stehen mit Ihren 59 Jahren auch bei Ligaspielen noch auf der Platte – und Spielern gegenüber, die Ihre Enkel sein könnten. Wieso tun Sie sich das an?

Mir macht es einfach Spaß. Ich spiele Handball, seit ich acht Jahre alt bin. Und immer, wenn ich berufsbedingt die Chance dazu hatte, habe ich mir einen Verein gesucht – auch wenn das als Seemann nicht leicht ist, weil man ja monatelang nicht ins Training kommt.

Wie sind Sie zum VfR Garching gekommen?

Meine Schwester hat dort gespielt, und sie hat mich vor zwanzig Jahren mitgenommen. Damals gab‘s noch keine Männer-Mannschaft in Garching, also habe ich anfangs bei den Frauen mittrainiert. Später habe ich dann zu den Gründungsmitgliedern des Männer-Teams gehört, und seither bin ich dabei geblieben. Und weil wir eigentlich nie genügend Torhüter hatten, durfte ich auch in der Liga immer mitspielen – inzwischen in der Zweiten Mannschaft.

Und dort werden Sie auch noch mit 60 zwischen den Pfosten stehen?

Ich merke schon, dass es mir immer schwerer fällt. Die alten Knochen machen sich bemerkbar. Aber solange es gesundheitlich geht, will ich weitermachen. Für mich geht es ja nicht nur um den Sport und die Bewegung, sondern auch um die Gemeinschaft und das Zusammensein mit den Jungs. Das ist in Garching wirklich toll, da fühle ich mich sehr wohl.

Im Jahr 2020 konnte Ihr Team wegen der Coronakrise kaum trainieren und bloß ein einziges Ligaspiel bestreiten. Inwiefern wirkt sich die Pandemie auch auf Ihr Berufsleben als Kapitän aus?

Das spüren wir sehr stark. Viele Häfen haben zurzeit Angst vor dem Coronavirus und lassen Seeleute nicht mehr an Land. Außerdem ist es schwieriger geworden, die passenden Flüge zu finden. Auch bei mir gab es zuletzt Probleme mit meiner Ablöse, weshalb ich sechs Monate am Stück an Bord war. Dafür habe ich jetzt länger Urlaub – voraussichtlich bis Februar.

Und dann geht‘s wieder auf See?

Ja, wenn die Corona-Situation es zulässt. Leider werde ich dann wohl auch die Handballsaison verpassen, denn die fällt vermutlich genau in diesen Zeitraum.

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