„Hexenmeister“ wirbeln die Tropics auseinander

  • vonHarald Hettich
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Basketballer des TSV Oberhaching unterliegen Arvato Wizards Karlsruhe 81:97.

Oberhaching – Den Mann am Mikrophon hätten die Basketballer des TSV Oberhaching beim Heimspiel gegen die Arvato Wizards Karlsruhe sicher auf dem Feld noch besser gebrauchen können. Ex-Tropics-Spielmacher John Boyer glänzte zwar zusammen mit Kommentator Thomas Nibler beim Livestream-Kommentar aus der Deisenhofner Sporthalle. Auf dem Parkett freilich fehlte bei der 81:97 (41:48) Niederlage gegen den Aufsteiger aus Baden seine geniale Inspiration.

Dabei boten die Gelbhemden über weite Strecken der Partie gegen den Playoff-Antwärter eine durchaus ansprechende Leistung. In der ersten Halbzeit wusste gerade auch Philipp Bode als Boyers potenzieller Nachfolger auf der Spielmacher-Position mit klugen Anspielen und gutem Spielverständnis zu überzeugen. Doch schwache Schlussminuten in Abschnitt zwei sowie ein fast schon regelmäßig schlechtes drittes Viertel kosteten den Oberbayern ein besseres Ergebnis.

Am Ende rückten die vom überragenden Ex-Nationalspieler Rouven Rössler (29 Punkte) fulminant angeführten Karlsruher „Hexenmeister“ (dt. für Wizards) mit dem neunten Sieg der Saison den Meister-Playoffs erneut ein großes Stück näher. Die seit sechs Spielen sieglosen Hausherren dagegen taumeln mit nur vier Siegen aus 18 Partien dem Saisonende auf dem vorletzten Tabellenplatz entgegen. Seit der Klassenverbleib vonseiten der Liga am Grünen Tisch aufgrund von Corona für alle Teams gesichert wurde), ist aber wenigstens der Abstieg kein Thema mehr.

„Karlsruhe hat heute besonders in der Offense und dabei von der Dreipunktelinie ein Feuerwerk gezündet, dem wir letztlich nicht Paroli bieten konnten“, befand Tropics-Coach Mario Matic. Dennoch will er sich mit seinem Team noch mit guten Leistungen aus dieser ganz speziellen Saison verabschieden. Die nächste Gelegenheit bietet sich dabei bereits am heutigen Dienstag. Um 19 Uhr gastieren die Tropics zum Derby beim Talente-Team des FC Bayern II im Audidome (livestream über die Internetseite des TSV unter www.tropics-basketball.de) und wollen nach dem ersten Sieg im vierten Pro-B-Duell gegen die Roten greifen.

Gegen Karlsruhe schien anfangs eine Überraschung möglich. Nach ausgeglichener Auftaktphase erarbeitete sich ein zunächst entschlossen und harmonisch agierendes TSV-Team trotz des verletzungsbedingten Ausfalls des zuletzt überzeugenden Youngsters Benjamin Schröder im Verlauf des ersten Viertels ein spielerisches Übergewicht.

Weil auch Kapitän Janosch Kögler wie gewohnt heiß lief und der französische Power-Shooter Joris Ortega dynamisch agierte, stand am Ende des ersten Abschnitts beim 26:19 folgerichtig eine Sieben-Punkte-Führung für das Matic-Team zu Buche. Auch im zweiten Abschnitt hatte Oberhaching starke Momente. Mitte des Quarters stand beim 36:30 infolge eines gefühlvollen Ortega-Distanztreffers weiterhin eine klare Führung zu Buche. Doch im weiteren Verlauf steigerte sich der Gast vom Rheinhafen in dem Maße, in dem die Platzherren nachließen. Während der TSV aus dem Feld minutenlang nicht mehr traf und die anfangs wirbelnden Jungspunde erkennbar kräftemäßig nachließen, besann sich der Gast seiner Stärken. Das vom 40-jährigen Altinternationalen und früheren Erstliga-Powershoote Rouven Roessler angetriebene Team hatte in Eyke Prahst (23 Zähler) und Sean Flood weitere Power-Hitter in seinen Reihen. Mit einer vor allem in Halbzeit zwei forcierten 60-Prozent-Score von jeseits der Dreierlinie zogen die Hexenmeister den Tropics den Zahn.

Am Ende des dritten Viertels spätestens war die Partie bei 14 Punkten Unterschied (57:71) zugunsten Karlsruhes entschieden. Hoch anzurechnen ist dem wohl ungewöhnlichsten, weil mit kleinstem Etat der Liga agierenden TSV-Team, dass es sich zu keiner Phase der Partie hängen ließ. So war der letzte Abschnitt trotz Vorentscheidung geprägt von beiderseits sehenswerten Spielzügen. Am Ende hatte Ex-Go-to-Guy John Boyer zwar nur am Mikrophon sprachlich gewirbelt, aber sein Kommen nicht bereut. „Diese Mannschaft hat Charakter“, lautete sein Fazit. HARALD HETTICH

Topscorer TSV Oberhaching: Leuchten ( 18 Punkte / 4 Rebounds / 3 Assists), Ortega (17/-/4), Benke (16/9/1), Kögler (16/5/2), Bode (9/4/5).

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