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Zwei Tennisgrößen, die den Padelsport bereits verinnerlicht haben: Florian Mayer (re.) und Tobias Summerer beim Taufkirchner Eröffnungs-Showmatch.

Padel-Tennis erobert den Landkreis

  • vonHarald Hettich
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Beim SV-DJK Taufkirchen: Padel-Tennis erobert den Landkreis.

VON HARALD HETTICH

TaufkirchenTobias Summerer lässt einen gerade Geschoss artig über das Netz gewuchteten Vorhandschlag seines Gegners Christian Radeke erst einmal an der Glasscheibe hinter sich abtropfen und wuchtet das Spielgerät nun von der Grundlinie mit der Vorhand zurück in die andere Spielhälfte. Von dort kommt ein scharfer, als Rückhand-Longline getimter, aber etwas hoch geratener Return von Radekes Partner Daniel Kurz wieder zurück. Summerers heutiger Doppel-Partner Florian Mayer hat damit gerechnet. Er ist bereits ans Netz vorgerückt und „smasht“ den etwas missglückten Return mit einem Überkopf-Volley unerreichbar ins Halbfeld der Gegner. Der Ball springt über die mit Glas und Gitter auf rund drei Metern rund um den Court eingefasste Balustrade bis hinüber auf die benachbarten Tennisplätze.

Die Szene verdeutlicht die Dynamik von „Padel“. Der Racket-Trendsport erobert, aus seinen Herkunfts-Destinationen Spanien und Südamerika kommend, immer mehr auch die heimische Sport-Szenerie. „Wenn Squash und Tennis sich treffen, wird Padel gespielt“, fasst Michael Schaub die Szenerie zusammen. Der Mann muss es wissen. Während die vier Racket-Profis und danach viele der Gäste auf der schmucken Tennis-Anlage des SV-DJK-Taufkirchen den neuen, mit reichlich bruchsicherem Glas und Draht eingehausten Freiluftsport selbst ausprobieren, hat der Präsidiums-Vorsitzende des über 3000 Mitglieder starken Traditionsvereins bei der Eröffnungsveranstaltung drum herum genug zu tun.

Die Sonne strahlt und man ist stolz auf das im Verein Geleistete. Während die Gemeinde Taufkirchen das Grundstück für den neuen Court mit dem weithin schimmernden, tiefblauen Kunstrasenbelag direkt neben dem Tennisgelände des SV-DJK an der Birkenstraße 169 zur Verfügung stellte, stemmte der Verein das rund 100 000 Euro teure Projekt Padel-Court ansonsten ganz alleine. „Trotz einiger Verzögerungen und Probleme“, wie Schaub verrät. Die Baubehörden hätten es den Planern nicht leicht gemacht. Entstanden ist die vierte Padel-Anlage in der Region. „Wir sind aber die erste vereinsgeführte Padel-Einrichtung in München und Umgebung“, berichtet Schaub. Weitere Anlagen finden sich in München-Nord, Starnberg und Geretsried.

Zum Eröffnungstag ist die Taufkirchener Anlage noch nicht ganz fertig. Bis Ende des Jahres soll der Padel-Court endgültig überdacht und damit wetterfest sein. Auch Duschen und Sanitäreinrichtungen sollen noch nachgerüstet werden.

„Tolle Sache und eine Klasseleistung des Vereins“, lobt Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander in seiner kurzen Grußansprache. Selbst in Sportkleidung erschienen, brennt auch der Ratschef spürbar auf seinen nahenden Einsatz im „Glaskasten“. Viele der über 100 jungen und etwas älteren Gäste auf der Anlage nehmen die Schnupperchance im Anschluss noch wahr . „Toll“ grinst ein kleiner Junge nach einigen ersten Versuchen mit dem Leih-Racket seinem Vater entgegen. „Sehr schwungvoll und rasant, das Ganze“, lobt eine ins Schwitzen geratene ältere Dame nach einigen Probeschlägen.

Die Einordnung passt. „Schwungvoll und rasant“ ist Padel in jedem Fall. Mit dem 20 mal zehn Meter großen Court ist ein Padel-Platz deutlich kürzer als ein Tennisrechteck. Die „Action“ diesseits und jenseist des den rechteckigen Platz teilenden Netzes ist komprimierter - auch weil die umgebenden Glaswände als Abprallflächen in das Spiel mit einbezogen werden. Dieser das Spiel weiter beschleunigende Faktor dokumentiert die Nähe zum Squash. Die Regeln sind denen beim Tennis nahezu identisch. Es wird aufgrund des hohen Tempos immer im Doppel gespielt. „Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß“, bekennt Florian Mayer nach seinem Match. Der im nahen Oberhaching lebende Ex-Tennis-Profi mit unter anderem zwei Wimbledon-Viertelfinalteilnahmen hat derzeit viel Zeit für seinen neuen „Lieblings-Freizeitsport“. Die Tennis-Bundesliga, wo er für den nahen TC Großhesselohe antreten sollte, wurde Corona bedingt abgesagt. „Dann eben Padel“ sagt Mayer und lacht. „Der Platz ist klein und kurz, es gibt einfach schnelle Ballwechsel und viele Chancen zum Schmettern, das kommt mir entgegen“. Leistungssportliche Ambitionen hat Mayer nicht. „Es ist die ideale Ergänzung zum Tennis und eine mit viel Spaß verbundene Trainingsgelegenheit.“ Mayer und sein früherer Tennis-Profitrainer Summerer scharen jetzt reichlich Interessenten um sich. Die Padel-Experten vermitteln einer stetig wachsenden Zahl an Zaungästen Tipps, Tricks und Anleitungen. Und macht Mut. „Jeder kann Padel spielen“. Der Ball ist druckreduziert, der Schläger leichter und besser zu kontrollieren als ein Tennisracket. Das stellen auch die Herren Schaub und Sander bei ihren ersten Gehversuchen auf dem Court fest. „Die Lernphase ist kürzer als beim Tennis“, bekennen beide hinterher im Schweiße ihres Angesichts. „Es macht riesigen Spaß“. Das bestätigt auch finale Blick auf den Court. Das Gewusel ist immens. Padel ist in Taufkirchen spätestens an diesem sonnigen Sommertag angekommen.

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