+
Vier Feldkirchner starten für Deutschland: Louisa Herrmann, Lena Brobeil, Oliver Niesz und Hannah Bittl (v.l.) fliegen zur WM nach Orlando.

Cheerleading 

Feldkirchner Quartett fliegt zur WM

  • schließen

Vier Teenager aus Feldkirchen und Dornach reisen am Mittwoch zur Cheerleading-WM in die USA. Weil das Quartett die rund 10 000 Euro für Flug, Unterkunft und Co. selbst aufbringen muss, sucht es via Crowdfunding nach Spendern.

Feldkirchen/Dornach – Der Traum von Hannah Bittl, dessentwegen sie sogar schon die Flugpreise nach Amerika gecheckt hat, ist der Folgende gewesen: „Wenn ich mit der Schule fertig und achtzehn bin, fliege in die USA zur Weltmeisterschaft im Cheerleading.“ Als Zuschauerin, versteht sich, das erwähnt die 16-Jährige aus Feldkirchen gar nicht, weil es so selbstverständlich erscheint. Oder genauer gesagt: weil es so selbstverständlich erschien.

Denn am morgigen Mittwoch werden Hannah Bittl und ihre Kollegen vom Verein Cheer Base Feldkirchen, Louisa Herrmann, Lena Brobeil und Oliver Niesz, in die USA fliegen. Nach Orlando, zur Weltmeisterschaft der International Cheer Union (ICU). Aber nicht etwa als Zuschauer, sondern als Teil der Deutschen Nationalmannschaft. „Für uns alle geht damit ein Traum in Erfüllung“, sagt Louisa Herrmann (13) aus Dornach, die jüngste aus dem Quartett – die anderen drei sind 16 und wohnen in Feldkirchen.

Volle Konzentration: Bei Flugeinlagen braucht es Körpergefühl, Gleichgewicht – und Mut. Louisa Herrmann (oben) wird von Lena Brobeil, Oliver Niesz und Hannah Bittl (unten von links) erwartet.

Alle vier sind seit mehreren Jahren dem Cheerleading verfallen, das entgegen eines landläufigen Irrglaubens weit mehr ist als nur ein bisschen Tanzen und Pompons-Wedeln. Vielmehr vereint Cheerleading als Wettkampfsport Elemente aus Tanz, Bodenturnen oder Akrobatik; gerade bei Flugeinlagen und Pyramiden braucht es zudem Körpergefühl, Gleichgewicht – und Mut. Nach einem festen Regelwerk müssen die Cheerleading-Gruppen, die aus rund 25 Mitgliedern bestehen, in einer zwei- bis dreiminütigen Routine bestimmte Übungen vorführen, die von Punktrichtern nach ihrer Schwierigkeit und ihrer Ausführung bewertet werden.

Hannah, Louisa, Lena und Oliver haben mit ihrem Heimatklub schon bei diversen Wettkämpfen teilgenommen. Aber das Nationalteam? Gar eine Weltmeisterschaft? Daran verschwendete keiner von ihnen einen Gedanken – bis sie in den vergangenen Sommerferien eine Mail von ihrer Trainerin Alina Scholz erhielten. Die wies sie auf einen Aufruf des Deutschen Cheerleading Verbands hin, wonach dieser Verstärkung für sein Junior-Nationalteam suche. Demnach könnten sich Zwölf- bis 16-Jährige mit einem Video bewerben.

In einer Nacht- und Nebel-Aktion traf sich das Quartett mit ihren Trainerinnen Alina Scholz und Melis Yücesan zu zwei sechsstündigen Einheiten in der Halle und ließ dabei die Kamera laufen. Nachdem sich Hannah und Melis Yücesan die Nacht vor dem Bewerbungsschluss um die Ohren geschlagen hatten, um das Video zu schneiden, schickten die vier ihren Film soeben noch rechtzeitig ab – „ganz ohne Erwartungen“, sagt Oliver Niesz. Umso überraschter waren sie, als sie zwei Wochen später eine Einladung zum Auswahltraining in Limburg erhielten. Dort wusste das Quartett aus Feldkirchen offenbar zu überzeugen, sodass es in den Herbstferien an einem viertägigen Trainingslager in Krefeld teilnehmen durfte, wo die Trainer ihnen eröffneten: Sie werden im April für Deutschland an der WM in Amerika teilnehmen.

Inzwischen liegen rund ein halbes Dutzend mehrtägige Trainingslager hinter Hannah, Louisa, Lena und Oliver, die hierfür stets mit einem Elternteil durch die halbe Republik gefahren sind – stundenlang zu fünft im Auto. „Aber für uns war das kein Problem“, sagt Oliver, „denn wir verstehen uns super“. Überdies gehen er, Hannah und Lena alle in die elfte Klasse des Gymnasiums Kirchheim. Und so konnte das Trio die Zeit im Auto zum Lernen nutzen – zumindest ab und an, wie Hannah lachend erzählt. „Wir haben uns immer vorgenommen, auf den Fahrten mindestens eine Stunde zu lernen.“

Die Kosten für Benzin und Unterkunft mussten die vier Teenager stets selbst tragen – respektive ihre Eltern, die nun auch die Teilnahme an der WM finanzieren. Gut 10 000 Euro werde das summa summarum kosten, schätzen die Mütter, die im Vorfeld bei zig Firmen vorstellig wurden und um Unterstützung baten – jedoch vergeblich. Lediglich ihr Schulzweckverband sowie ein Fitnessstudio hätten zusammen rund 350 Euro zugeschossen. Darüber hinaus haben die vier Cheerleader in etwa noch einmal diese Summe im Internet per Crowdfunding eingesammelt: Auf der Plattform leetchi.com werben sie unter dem Motto „Louisa, Hannah, Lena und Oliver – Go for it!“ weiter um Spenden.

Bleibt nur noch die Frage, was sich das Quartett bei der WM ausrechnet? „Das lässt sich nur schwer einschätzen“, sagt Oliver vorsichtig, bevor er berichtet, wie die deutschen Teams in den vergangenen Jahren abgeschnitten haben – zumeist unter den Top Fünf. „Wenn wir eine Medaille holen würden, wäre das toll“, murmelt derweil Hannah leise. Noch so ein Traum von ihr.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare