Schnelltest: Ärztin Michaela Henry hilft bei den erforderlichen Abstrichen vor den Spielen. Nachdem es anfangs noch lange gedauert habe, „schaffen wir mittlerweile die ganze Mannschaft in einer Dreiviertelstunde“.	Foto: Dieter Michalek/Archiv
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Schnelltest: Ärztin Michaela Henry hilft bei den erforderlichen Abstrichen vor den Spielen. Nachdem es anfangs noch lange gedauert habe, „schaffen wir mittlerweile die ganze Mannschaft in einer Dreiviertelstunde“.

Die Lohhofer Beacherin und Ärztin Michaela Henry bilanziert ein Jahr Corona-Pandemie

„Den Hallenvolleyball hat es härter getroffen“

  • vonSilke Andersson
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Lohhof – Seit Jahren ist Michaela Henry die erfolgreichste Beach-Volleyballerin des SV Lohhof. Nach einer erfolgreichen Hallenkarriere und vielen Jahren auf der Deutschen Beachtour und sogar einigen Abstechern ins internationale Beachgeschäft behauptet sie sich in der bayerischen Spitze – trotz ihrer 40 Jahre und der Doppelbelastung als Mutter eines elfjährigen Sohnes und Ärztin an der Asklepios Klinik in Bad Tölz.

Seit die Volleyball-Bundesliga Corona-Schnelltests vor jeder Partie verpflichtend gemacht hat, hat Henry noch einen zusätzlichen Job: Sie testet gemeinsam mit der Hygienebeauftragten der Lohhofer Volleyballer, Petra John, vor jeder Partie Mannschaft und Betreuer.

Frau Henry, Anfang des vergangenen Jahres haben Sie mit ihrer langjährigen Partnerin auf der deutschen Tour, Tatjana Zautys, die Tomato Open in Kirchweidach gewonnen, ein Turnier, dem allein wegen seines hochkarätigen Teilnehmerfeldes eine große Zukunft vorausgesagt worden ist.

Ach ja stimmt, da war ja noch alles normal! (lacht) Na, die sind leider auch ganz schön ausgebremst worden, dieses Jahr hat’s nicht stattgefunden.

Dafür hat aber die Beachsaison in Bayern vergleichsweise normal stattfinden können. Sogar mit Bayerischen Meisterschaften, die Sie Ende August mit Tiana Nicolaus an der Münchner ZHS gewonnen haben.

Bayerische Meisterin: Michaela Henry (SV Lohhof, links) gewinnt mit Tiana Nicolaus (DJK Augsburg-Hochzoll) die Landesmeisterschaften.

Als nach dem Lockdown wieder Sport in Fünfergruppen erlaubt war, waren wir in unserer Trainingsgruppe sofort wieder regelmäßig am Ball, man konnte ja auch sonst nix machen. So gut wie dieses Jahr war meine Trainingsfrequenz selten (lacht)! Von den Turnieren habe ich am Anfang gar nichts mitbekommen, bis mich Tiana für das erste Turnier in Dachau gefragt hat. Das und die anderen Turniere haben wir dann einfach mitgenommen, hat schon Spaß gemacht! Beim Beachen waren die Einschränkungen auch nicht so dramatisch. Sogar ein paar Zuschauer gab es, spielfreie Teams oder Spaziergänger, die einfach mal stehengeblieben sind.

Dafür ist der Spielbetrieb in der Halle nach ein paar Spielen wieder eingestellt worden. Nur die Bundesligen spielen unter strengem Hygienekonzept ohne Zuschauer weiter – wie empfinden Sie als langjährige Hallenspielerin diese Geisterspiele?

Den Hallenvolleyball hat es viel härter getroffen, das ist ganz deutlich. Komplett ohne Zuschauer zu spielen, ist ein krasser Einschnitt. Ein paar Sätze habe ich mir angeschaut, durch die Tests war ich ja in der Halle. Das ist schon eine eigenartige Atmosphäre, denn Volleyballschauen war ja auch immer ein Meet and Greet, ein Ratschen hier und da.

Als Ärztin, aktuell sogar auf der Covid-Station in Bad Tölz, waren sie für den SV Lohhof eine Art Hauptgewinn, als die Tests im Oktober verpflichtend geworden sind.

Für viele Vereine ist es schwer, jemanden zu finden, der weiß, wie man das macht. Für mich war sofort klar, dass ich da helfe. Es ist ja ein Geben und Nehmen und wir ziehen da alle an einem Strang. Und dieses Hygienekonzept der Liga ist gut, sicherer geht’s kaum. Ich habe auch nicht verstanden, warum die Zweite Liga dann doch pausieren musste.

Die Tests dürfen bei Spielbeginn nicht älter als 24 Stunden sein, die Gastmannschaften testen selbst zuhause. Aber wie läuft so ein Test ab?

Beim ersten Mal hat’s echt noch lang gedauert, denn nach dem Abstrich muss der in eine Lösung in einem Reagenzglas, bevor diese Lösung auf den eigentlichen Test, der aussieht wie ein Schwangerschaftstest, aufgetragen wird. Dann dauert‘s noch mal 15 Minuten. Mittlerweile schaffen wir aber die ganze Mannschaft in einer Dreiviertelstunde: Alle Röhrchen und Tests werden mit den Trikotnummern beschriftet, die Spielerinnen und Betreuer werden abgestrichen, timen ihr Handy auf zwei Minuten, kommen mit Maske wieder rein, der Test wird bestrichen, der Timer neu gestellt. So ist es inzwischen richtig Fließbandarbeit, auch dank der Hilfe von Petra John. Alleine schafft man das nicht!

Klingt nach Routine, auch für die Spielerinnen scheinen die Tests schon ganz normal dazuzugehören.

Ja, brutal! Es hat sich nicht eine beschwert, dass es wehtut oder sie das nicht will. Die sagen alle: Klar machen wir das, wir wollen spielen!

Teammanagerin Martina Banse sagt, ihr Puls ist jedes Mal auf 180, bis wirklich alle negativen Ergebnisse da sind. Denn wäre einer positiv, sind alle raus. Wie geht es Ihnen?

Es ist schon jedes Mal wieder spannend, vor allem, wenn sich eine Spielerin etwas kränklich fühlt. Aber es gibt ja auch noch was Anderes als Corona, also streicht man da besonders intensiv ab. Und bisher war ja auch alles o.k. und bleibt es hoffentlich auch!

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