Geballte Ladung Energie: Neuzugang Maybritt Pieper steht bei den bislang zwei einzigen Punktspielen gleich für die Bayernliga-Handballerinnen des TSV Ismaning auf dem Feld. 	Foto: Barbara Dreyer/TSV Ismaning
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Geballte Ladung Energie: Neuzugang Maybritt Pieper steht bei den bislang zwei einzigen Punktspielen gleich auf dem Feld.

Der Neuzugang über den TSV Ismaning, die Bundeswehr, Turnen und Läufe mit Ute Becker

Maybritt Pieper: „Die Zielstrebigkeit der Mannschaft gefällt mir“

  • vonGuido Verstegen
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Maybritt Pieper ist erst im Herbst von der HSG Mönkeberg/Schönkirchen zum Handball-Bayernligisten TSV Ismaning gekommen. Wie die 21-Jährige das Corona-Jahr erlebt hat, wie sie bei ihrem neuen Klub gestartet ist und was sie von 2021 erwartet, erzählt sie im Interview.

Ismaning – Mit dieser jungen Frau bekommt der TSV Ismaning eine geballte Ladung Energie, kaum zu bremsender Mitteilungsfreude und großer Disziplin: Maybritt Pieper stammt aus einer Handball-verrückten Familie, Vater Frank (57), Mutter Maike (49), Schwester Mette (18) und Bruder Mats (23) waren bzw. sind aktiv dabei, ihre Eltern lernten sich quasi in der Halle kennen – damals trainierte Frank Pieper seine spätere Ehefrau.

Die Disziplin hat sie in erster Linie wohl von ihrem Vater, der als Brigadegeneral respektive „Chief Digital Officer” Heer/Landbasierte Operationen im Kommando Heer in Strausberg stationiert ist und seiner Tochter stets ein großes Vorbild war. „Er hatte so ein bisschen Angst, dass er mich da reingedrängt hat, aber dem ist nicht so. Ich kann mir nichts anderes vorstellen“, sagt Maybritt Pieper über ihre Bundeswehr-Laufbahn – für 13 Jahre hat sie sich verpflichtet.

Die 21-Jährige betont allerdings: „Klar, wir machen alle viel Sport und achten auf unsere Ernährung. Aber trotzdem haben wir auch mal unsere Cheat-Days, dann gönnen wir uns natürlich was. Im Grunde genommen sind wir eine sehr entspannte Familie.“ Seit September lebt Maybritt Pieper nun am Campus in Neubiberg, wo sie an der Bundeswehr-Universität Sportwissenschaften studiert. Mit dem TSV Ismaning hat sie Großes vor und vom Start weg ein gutes Gefühl: „Ich war sofort drin in der Mannschaft.“

Frau Pieper, wie sind Sie auf den TSV Ismaning gestoßen?

Das war ein sehr großer Zufall! Ole Jäger, einer der Trainer bei der HSG Mönkeberg/Schönkirchen kannte Ismanings Coach Bernd Dreckmann (zwischen 2001 und 2006 betreute Dreckmann die Männer des TSV Milbertshofen, und Jäger war einer seiner Spieler, d. Red.). Ole wusste ja, dass ich unten in München studieren werde und auf der Suche bin nach einer Mannschaft. Ich hatte den TSV Ismaning auch schon im Blick zu dem Zeitpunkt, und so hat sich das alles gefügt. Bernd und ich haben mehrmals miteinander telefoniert, ich habe mir ein Trainingsspiel angeschaut, ein paar Spielerinnen kennengelernt und dann kam auch schon das Probetraining. Ich muss sagen, das Ganze lief sehr flüssig und unkompliziert ab.

Sie standen in den ersten beiden Saisonspielen – mehr gab es ja bis dato gar nicht – gleich auf dem Feld.

Ich bin am 21. September hergezogen, bin aber erst eine Woche später ins Training eingestiegen, weil mir kurz vorher meine Weisheitszähne gezogen worden waren. Und weil dann aus verschiedenen Gründen Personalmangel herrschte, war ich beim Saisonstart gleich dabei. Und das hat auch gleich alles super gepasst.

Wie war das beim Abschied aus Mönkeberg? Wann kam da der erste Lockdown?

Mitte März wurde dort die Saison zunächst unterbrochen und später komplett beendet. Wir waren Tabellenführer und hatten die 3. Liga fest im Blick. Es war dann allerdings auch ein bisschen Glück dabei, weil bei der Auf- und Abstiegsregelung alles gepasst hat – am Ende reichte Platz zwei hinter der Reserve der HL Buchholz 08-Rosengarten zum Aufstieg.

Sie kommen als Drittliga-Aufsteigerin zum TSV Ismaning. Dort will man mittelfristig auch aufsteigen.

Genau diese Zielstrebigkeit der Mannschaft und vor allem auch von Bernd gefällt mir. In Dänemark hatte ich auch das Pech, dass ich nach einem Aufstieg dann nicht höherklassig spielen konnte. Ich war ja zwei Jahre auf dem Handballinternat in Viborg – 2019 ging’s dann zurück nach Deutschland, eben zur HSG. Jetzt hoffe ich, dass wir das in Ismaning packen, und ich auch mal einen Aufstieg so richtig genießen kann. Es wäre schön, wenn das schon in dieser Saison klappt – wenn Corona das zulässt.

Die Saisonvorbereitung haben Sie aber komplett verpasst, weil Sie sich zum einen auf Ihren Dienst bei der Bundeswehr konzentrieren mussten und zum anderen ja erst im Herbst nach Neubiberg gezogen sind.

Na ja, Handball war schon während der Grundausbildung in Munster bzw. Dresden schwierig – da bin ich überall durch die Gegend gependelt, war freitagsabends in Mönkeberg beim Training dabei und habe am Wochenende gespielt. Bei der Bundeswehr ist es aber einfach, sich fitzuhalten, weil das dort eben sehr wichtig ist. Mit Bernd habe ich dann genau abgesprochen, dass ich viel Stabi mache, damit ich auch ohne Verletzung wieder einsteigen kann. Ich wäre für ein paar Einheiten tatsächlich auch nach Ismaning gekommen, aber da hat uns auch Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wie sahen denn Ihre Tage in diesem Sommer so aus?

Ich wurde nicht wie die meisten anderen ins Homeoffice geschickt, sondern wir haben unter strengen Corona-Auflagen unseren Dienst verrichtet – an der Offiziersschule des Heeres in Dresden haben wir in kleineren Gruppen beispielsweise Taktik gelernt, wie man wo welche Kräfte einsetzt. Wir brauchten dann eben mehr Soldaten, die uns dann unterrichtet haben, aber das war machbar.

Wie geht es für Sie weiter bei der Bundeswehr?

Ich bin jetzt erst einmal für vier Jahre hier. Wenn ich mein Studium abgeschlossen habe, werde ich dann meiner Truppengattung – ich bin bei der Panzertruppe – entsprechend eingeteilt und komme nach weiteren Prüfungen in meine erste offizielle Verwendung als Zugführer oder mache an der Offiziersschule weiter. Ich habe mich für 13 Jahre verpflichtet, kann danach aber auch Berufssoldat werden, wenn ich die entsprechenden Voraussetzungen erfülle.

Der Anteil der Soldatinnen hat sich zwischen 2015 und 2018 von 10,5 Prozent auf 12,1 Prozent erhöht. Trotzdem ist es ein ungewöhnlicher Berufsweg für eine Frau. Sind Sie in irgendeiner Form familiär vorbelastet, gibt es Vorbilder?

Mein Vater ist Berufssoldat – und ich habe schon als kleines Kind immer zu ihm aufgeschaut. Ich fand das toll, wenn er in Uniform nach Hause kam. Seit ich denken kann, spreche ich davon, dass ich zur Bundeswehr will. Ich hatte keine Lust, irgendwo im Büro zu versauern – ich wollte immer schon helfen und auch zu Einsätzen raus. Auch wenn ich selbst auch Angst hatte, wenn mein Vater in Afghanistan oder im Kosovo war.

Es gab für Sie also nie eine andere Option?

Nein. In Dänemark habe ich zwar auch beim dänischen Topklub Viborg HK mittrainiert und hatte die Chance, in Richtung professionellen Handball zu gehen. Aber auch wenn ich diesen Sport liebe, muss ich auch an meine Zukunft denken. Und habe ich tatsächlich noch Spaß am Handball, wenn ich immer Leistung bringen muss? Wie sicher ist das alles? Gerade Corona hat doch gezeigt, dass viele Sportler jetzt finanzielle Einbußen haben.

Dann also lieber Ismaning, mit viel Spaß – und den entsprechenden Zielen. Aus dem Team, das die bis dato letzte Drittliga-Saison 2012/2013 gespielt hat, steht niemand mehr im Kader.

Moment, Ute Becker ist noch dabei. Sie ist zwar nur Torwarttrainerin, aber mit eine der wichtigsten Stützen in der Mannschaft. Ich habe mich schon viel mit ihr unterhalten. Als wir noch Lauftraining machen konnten, hat sie uns dauerhaft nach vorne gepusht. Wenn wir gesagt haben, wir können nicht mehr, meinte sie nur: „Doch, Ihr könnt noch!“

Sie kommen in ein junges Team, Fernanda Roveta ist mit ihren 32 Jahren die älteste Spielerin im Kader.

Ja, aber Fernanda ist auch noch wie ein junger Hüpfer und auch noch komplett verrückt im Kopf. (lacht) Es fühlte sich schon in den ersten Tagen tatsächlich so an, als sei ich schon immer ein Teil der Mannschaft gewesen. Natürlich muss das Spielverständnis füreinander noch kommen, und ich muss halt auch meine Position noch finden. Ich bin Links- und Rechtshänderin und kann überall eingesetzt werden. Bisher habe ich am Kreis gespielt – und als wir dann im Training begonnen haben, die Spielzüge mit mir im Rückraum durchzugehen, da kam die Corona-Zwangspause.

Dem Team bleibt jetzt nur das wöchentliche Online-Training. So geht der Kontakt der Spielerinnen untereinander nicht ganz verloren.

Es ist schön, dass da auch immer alle mit dabei sind, dranbleiben und sich reinhängen. Und man kommt ja dann auch mal ein bisschen ins Schnacken.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Wir alle müssen einfach immer das Beste aus der Situation machen – wir wissen ja nicht, was da noch alles auf uns zukommt. Für mich ist jetzt einfach das Ziel, in Ismaning in den Verein reinzukommen, baldmöglichst wieder zu trainieren und dann auch Erfolg zu haben. An der Uni stehen im nächsten Trimester einige wichtige Präsentationen für mich an – und ich will meine persönliche Sport-Range erweitern, im Turnen oder auch im Crosstrail besser werden. Ich stehe fast jeden Morgen zwischen drei und vier Uhr auf, laufe meine Runde, mache drei, vier Stunden am Tag Sport, will weiter an Stabilität und Flexibilität arbeiten.

Im Großen und Ganzen war es für Sie trotz der Corona-Pandemie offensichtlich ein sehr gutes Jahr.

Auf jeden Fall! Sportlich der Aufstieg in die 3. Liga, dann habe ich trotz der Einschränkungen auch dienstlich viel erlebt. Mit dem Umzug auf den Uni-Campus ist auch viel auf mich eingeprasselt, aber das hat alles so perfekt geklappt – besser hätte es für mich persönlich gar nicht laufen können.

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