War 35 Jahre für seinen Herzensverein aktiv: Winni Schäffer (†).
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War 35 Jahre für seinen Herzensverein aktiv: Winni Schäffer (†).

Er war 35 Jahre unermüdlicher Arbeiter für seinen Herzensverein ERSCO

Winni Schäffer, Urgestein des Ottobrunner Eishockeys, ist gestorben

  • vonHarald Hettich
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Ottobrunn – Eishockey ohne Winfried „Winni“ Schäffer beim ERSC Ottobrunn? Für seine Familie, seine Jahrzehnte langen Wegbegleiter und all jene, die den rührigen Geist vor und hinter den Kulissen am Haidgraben kannten, kaum vorstellbar. Am Karfreitag ist das Urgestein des Ottobrunner Eishockeys im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion mit wochenlang schwerem Verlauf gestorben.

Winni Schäffer stand beim ERSCO für ehrliche, hemdsärmelige, unermüdliche und zukunftsweisende Arbeit vor und hinter den Kulissen. In den verschiedensten Funktionen war der gebürtige Schrobenhausener in den vergangenen 35 Jahren für seinen Herzensverein stark engagiert und mit seiner bekannt anpackenden Art immer zur Stelle. Der Mensch und umsichtige Gestalter Winni Schäffer hinterlässt eine große Lücke, ein schwarzes Loch auf und neben der Eisfläche.

„Ja mei, dann machs hoid I!“ Will man den Vollblut-Bajuwaren Winni Schäffer mit einem seiner typischen Aussprüche beschreiben, dann mit solch einer klaren Botschaft, der schnell konstruktive Taten folgten. Schäffer fuhr „nebenbei“ den Jugendbus durchs Schneegestöber im Oberland, fungierte als akribischer Materialwart und Schlittschuhe-Schleifer, eloquenter Stadionsprecher, pointen- und Bonmot starker Presseansprechpartner, stimmstarker Motivator an der Bande und Eltern-Beruhiger, wenn der Sprössling die ein oder andere Schramme abbekam.

Ganz nebenbei, wie gesagt. Denn seine offiziellen Funktionen hätten einen herkömmlichen Vereins-Funktionär bereits ausreichend beschäftigt. Als Jugendtrainer hat Schäffer in allen Altersklassen große Ab- und Eindrücke hinterlassen und einer Vielzahl von Talenten einen Feinschliff verpasst, der diese auch für Karrieren in höheren Ligen qualifizierte. „Er war ein väterlicher Weisungstyp“, bekennt etwa Michael Guggenhuber schmunzelnd. Als Kapitän unter Winni Schäffer in Nachwuchs und Erster Mannschaft hatte er eine enge Verbindung zum auch gestrengen Freund. „Wenn der Winni mal auf den Tisch gehauen hat, dann war auch Ruhe“, ergänzt Abteilungsleiter Sven Rumswinkel. „Ich red’ halt und dann denk ich“, zitiert Rumswinkel den alten Fahrensmann. „Er hat mal gewütet und dann war wieder alles gut“.

Nachtragend war Schäffer nie. Vielmehr entschieden vorausschauend. „Wo sollen denn die 600 Kinder hin – auf die Straße?“, wetterte der ausgewiesene Nachwuchsförderer, vierfache Vater, zweifache Opa und Urgroßvater bei einer jener denkwürdigen Vereinsversammlungen, „als seinerzeit sogar die Stilllegung des Eisstadions drohte“, blickt Ex-Vorsitzender und Schäffer-Freund Rainer Osterwalder zurück. Es wurde dann nichts stillgelegt. Vielmehr zog Schäffer seine Bahnen. Neben dem Eis ab 1998 vor allem als Sportlicher Leiter und umsichtiger Steuermann der Eishockey-Abteilung.

Der Boom beim Nachwuchs, eine eigene, zeitweise in der Bundesliga aktive Frauenmannschaft „Twisters“, ein Ausbau des ERSCO-Schiedsrichterwesens und insgesamt eine grundsolide Ausrichtung trugen seine Handschrift. „Jetzt mog i selber no amoi aufs Eis und ins Tor“, sagte Schäffer, der früher als Goalie selbst beim Münchner EV, später bei der AH und den Ottobrunner Eagles viele Pucks parierte, verdutzten Umstehenden einst nach arbeitsreichen Vereinsarbeitstagen. „Winni, Du bist doch jetzt 75“, erinnert sich Rumswinkel an sein Erstaunen über die neuerlichen Ambitionen des Älteren. „Richtig, aber ich bin ein spontaner Mensch“, gab der zurück. „Ausgred“ war dann.

„Spontan“ trifft es. Wie bei jener Anekdote mit Deutschlands Eishockey-Legende Erich Kühnhackl. Den kannte Schäffer als langjähriger Vertriebsleiter des Eishockey-Ausrüsters „Ewald“. „Schau mal auf unsere Homepage beim ERSCO, Erich – wir machen viel“, warb er beim deutschen Star-Center, Erfolgscoach und Freund kurz und schmerzlos um Aufmerksamkeit.

Es wirkte. Kühnhackl weilte später als ausgewiesener Freund des Vereins bei diversen Zusammenkünften. Kühnhackls Kinder spielten zeitweise beim ERSCO. Kühnhackl war einst den Verteidigern davongelaufen und hatte Tor um Tor erzielt – dem Winni dagegen spielte er den Puck freundschaftlich auf und neben dem Eis in die Fanghand.

Man konnte und wollte sich Winnis Anziehungskraft nicht entziehen. Zuletzt war er in seine alte Heimat nach Schrobenhausen zurückgekehrt. Dort wird er an diesem Freitag auch pandemiebedingt im engsten Kreis beigesetzt.

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