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So sehen Sieger aus: Die U9 des ERSCO ist beispielhaft für die tolle Saisonleistung des gesamten ERSCO-Nachwuchses in Jubelstimmung vereint.

Die Eishockey-Familie vom Haidgraben

Eishockey beim ERSC Ottobrunn, das ist seit vielen Jahren ein echtes Erfolgsmodell.

OttobrunnEishockey beim ERSC Ottobrunn, das ist seit vielen Jahren ein echtes Erfolgsmodell. Rund 300 Aktive von den Kleinsten der U7 bis zur Ersten Herrenmannschaft jagen im Eisstadion am Haidgraben mit immer noch wachsender Begeisterung den Pucks hinterher. Fast 200 Kinder und Jugendliche schnüren die Schlittschuhe im Nachwuchsbereich. Allein in den Jahrgängen 2008 und jünger tummeln sich etwa 100 ins Eishockey vernarrte Kinder. „Wir können uns vor Anfragen und Neuaufnahmeanträgen kaum retten“, bestätigen die beiden Abteilungsleiter Martin Mayer und Sven Rumswinkel.

Insgesamt 20 zu großen Teilen lizenzierte Trainer und 40 Betreuer stehen den Teams zur Seite und schultern eine Vielzahl von Aufgaben in den Mannschaften und im Umfeld. Eine intensive Fürsorge, die sich in den tollen Leistungen der Abteilung immer deutlicher widerspiegelt. Dieser Tage endet eine sehr erfolgreiche Spielzeit in den unterschiedlichen Altersklassen.

„Der hat mich total gefoult!“ Ein kleiner Crack aus der U11 des ERSCO sitzt auf der Mannschaftsbank hinter der Bande zur Eisfläche und schimpft, während er mit den Tränen kämpft und von einer wahren Heerschar aus Freunden, Müttern, Trainern und Betreuern getröstet wird. An diesem Trainingstag auf dem Ottobrunner Eis gehören solche Szenen zum Alltag. Nur Minuten später mampft der vorher noch so niedergeschlagen wirkende, kleine Puckjäger schon wieder mit viel Genuss einen Hotdog. „Das ist bei uns der große Renner“, sagt Abteilungsleiter Martin Mayer. „Nach dem Training wird gespachtelt – von der Ersten Mannschaft bis zu den Kleinsten.“ Die laut Mayer „gute Kiosk-Fee“ Sabrina kommt mit dem Brutzeln der Leckereien kaum hinterher. „Auch Gummischlangen gehen bei den Kleinen gut“, weiß die erfahrene Standl-Frau.

Der ERSCO ist eine echte Eishockeyfamilie. Das wird dem Betrachter schnell klar. Beim Blick aufs Eis konturiert sich das Erfolgsmodell ERSCO. Gerade endet die Trainingseinheit der Jüngeren. „Bei der U11 und jünger nehmen die Teams an Turnieren teil, da gibt es noch keinen festen Ligenbetrieb“, erklären Mayer und Rumswinkel. Sehr erfolgreich versteht sich.

Als einziger Nicht-Profiverein weit und breit meldete der ERSCO im Bereich der U9 und U11 sogar zwei Teams pro Jahrgang. Während Mayer und Rumswinkel informieren, haben sich die Youngster-Teams am Rande der Eisfläche aufgestellt und lauschen mehr oder weniger aufmerksam den abschließenden Worten ihrer Coaches.

Bei den Kleinen schwingen mit Jakub Jansa und Milos Holas auch zwei Trainer aus dem Eishockey-Traditionsland Tschechien fachkundig und mit viel Herz für die Leidenschaften und Nöte der aufstrebenden Talente das Zepter. „Es macht sehr viel Spaß, aber verlangt einem auch alles ab“, versichern die beiden, die durch gute ERSCO-Kontakte am Haidgraben gelandet sind.

Sie legen Grundlagen, die in den älteren Jugendteams weiter ausgebaut werden. Mit viel Erfolg. Denn von der U13 bis zur U17 spielen alle ERSCO-Teams erfolgreich in der Landesliga – und damit in der höchstzulässigen Klasse für einen Verein, der eben nicht über ein Dach oder eine Halle, sondern „nur“ über eine Freieisfläche verfügt.

Aushängeschild ist besonders die U15. Die Jungspunde dominieren ihre Klasse mit vielen Traditionsvereinen und streben unaufhaltsam der Meisterschaft entgegen. Absteigen muss keines der Teams. Erfolge, die auch auf Tradition und Weitergabe des Talents vom Vater auf den Sohn basieren. Bei der U7 umkurvt ein Sturm-Block Schneidawind, Gerber, Lindner die gegnerischen Verteidigungsreihen ähnlich schwungvoll wie eine namentlich gleichlautende „Kombo“ viele Jahre früher.

Die Väter-Generation hatte 1990/91 mit dem Deutschen Vizemeistertitel im Schülerbereich den größten ERSCO-Eishockeyerfolg eingefahren. Die Söhne ziehen die einst erfolgreich gezogenen Eisspuren ihrer Väter nun nach – in der U7.

Doch das Leistungsprinzip ist nur ein Baustein im Ottobrunner Nachwuchs-Eishockey. „Wir verstehen uns als Kompromiss und Bindeglied zwischen Leistung, Spaß- und Breitensport“, erklären Mayer und Rumswinkel. Kooperationen mit dem EHC München oder den Erdinger Puckjägern federn diese Ausrichtung ab. „Hoch begabte geben wir natürlich auch gerade an die Münchner ab. Dafür bieten wir denen Eiszeit und Teamgeist bei uns, die beim EHC keine Spielpraxis bekämen“, erklären die beiden Macher. Das Modell funktioniert – trotz erschwerter Bedingungen. „Natürlich fehlt uns ein Dach über dem Kopf“, sagt Mayer mit Blick auf den freien Himmel über der Eisfläche.

Trainingszeiten müsse man gerade in der Saisonvorbereitung teuer anderswo buchen. Dazu geht es für die Teams zu Trainingslagern bis nach Südtirol. „Das wäre ohne das tolle Engagement gerade auch der Eltern nicht zu stemmen“, weiß man beim ERSCO. Da werden Fahrdienste geleistet, Kuchen gebacken, Semmeln gestrichen, Trainings-Trikotsätze gekauft, zusätzliche Umkleidecontainer organisiert und liebevoll innen eingerichtet sowie Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien integriert. Prinzip Eishockey-Familie eben. Der Erfolg stellt sich da fast zwangsläufig ein. Vielleicht lässt sich irgendwann einmal auch noch das mit dem Dach über dem Kopf regeln.

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