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Eltern am Spielfeldrand beim Merkur CUP

Deisenhofens Jugendleiter Dennis Petersen spricht über die Rolle der Eltern im Nachwuchsbereich.

Die Rolle der Eltern im Jugendfußball: Kinder verlieren mit zu viel Druck die Lust am Fußball

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Überehrgeizige Eltern werden im Jugendfußball oft zum Problem. Der Traum der Eltern vom Fußballprofi kommt den Kindern nur selten zu Gute.

  • Eltern können sich gerne unterstützend im Verein einbringen.
  • Leider gibt es auch überehrgeizige Eltern.
  • Kommunikation mit den Eltern ist sehr wichtig.

Deisenhofen – Dennis Petersen (35) ist Jugendleiter beim FC Deisenhofen. Der Verein bringt dank seiner nachhaltigen und hochwertigen Nachwuchsarbeit seit Jahren zahlreiche Talente fürs eigene, mittlerweile in der Bayernliga spielende Herrenteam, aber auch für manch höherklassigen Klub heraus. 

Welche Rolle spielen die Eltern im Jugendfußball aus Ihrer Sicht im Idealfall?

Gerne positiv, das heißt unterstützend im Verein und anfeuernd im Spiel.

Einige Eltern träumen noch von der Fußball-Profikarriere der Kinder

Erleben Sie auch überehrgeizige Eltern?

Leider ja, das gibt es immer wieder. In den Leistungsbereichen, in denen wir uns bewegen, denken manche Eltern schon noch daran, dass ihre Kinder eine Profikarriere machen, da kommt das vielleicht etwas häufiger vor.

Liegt das eher an der erfolgreichen Jugendarbeit oder am Erfolg der ersten Mannschaft?

Wer von unseren Jugendlichen in die erste Mannschaft kommt, hat die Profiträume normalerweise abgehakt. Da denkt der eine oder andere vielleicht noch daran, ein bisschen höherklassig zu spielen. Aber bei den Spielern in der A-Jugend-Bayernliga ist die Hoffnung auf eine Profilaufbahn noch oft da.

Wie kann man die Emotionen in die richtigen Bahnen lenken? Gibt es da beispielsweise Elterngespräche?

Bei uns durchlaufen viele Spieler ja alle Mannschaften von klein auf. Da gibt es dann zu Beginn einen Elternabend von der Jugendleitung, wie wir uns das Vereinsleben vorstellen. Und das heißt nicht, dass man die Kinder einfach abgibt, sondern, dass man auch zu Spielen fährt, Kuchen backt oder auch mal ein Haus streicht. Was halt so anfällt. In der Regel gibt es auch vor jeder Saison einen Elternabend mit den Trainern, in dem wir klären, dass man die Jungs Jungs und die Mädels Mädels sein lassen soll und die Kinder einfach Spaß am Fußball haben sollen.

Der Druck der Eltern ist teilweise enorm

Ist es schon passiert, dass ein Talent aufgehört hat, weil der Druck durch die Eltern zu groß geworden ist?

Das gibt es schon manchmal, dass Eltern zu viel Druck machen und Buben die Lust am Fußball verlieren.

Wie bewähren sich eigentlich Väter als Trainer? Ist das nicht eine problematische Doppelrolle?

Das ist tatsächlich manchmal schwierig, wobei wir gar nicht so viele Väter als Trainer haben, sondern zum Großteil ausgebildete Trainer. Auf die Väter, die bei uns trainieren, sind wir sogar bewusst zugegangen, weil wir uns schon gedacht haben, dass das funktioniert. Und das zeigen auch die Beispiele von Alex Bauer und Wolfgang Stiller im Breitensport und von Helmut Lucksch im Leistungsbereich, der ja zwar auch Vater, aber vor allem Trainer mit A-Lizenz ist.

Ändert sich die Rolle der Eltern mit dem Alter der Nachwuchskicker?

Anfangs sind die Eltern natürlich enger dabei. Je älter die Spieler werden, desto selbständiger sollen sie auch sein. Es gibt schon mal Helikopter-Eltern, die, wenn es einmal tröpfelt, anrufen, ob das Training stattfindet. Insgesamt sind wir in Deisenhofen aber sehr zufrieden mit unseren Eltern. Übrigens: Wegen Corona sind Zuschauer im Training derzeit ja nicht erlaubt und es hat sich gezeigt, dass die Trainer da schon sehr in Ruhe mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten können. Deshalb überlegen wir, das auch nach Corona beizubehalten. Das ist aber noch in der Schwebe.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

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