Hilferufe von der Eisfläche

  • vonHarald Hettich
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„Bitte nehmt uns wahr! Sport im Freien ist gesund und wichtig! Nehmt uns das nicht!“ Eindringlich geriet dieser Tage der intensive Appell des Nachwuchs aus dem Eishockey und Eiskunstlauf beim ERSC Ottobrunn. Mit ihrer Botschaft und großen Plakatlettern haben sie sich großflächig auf der Freieisfläche im offenen Stadion am Haidgraben versammelt und im Verbund mit den Vereinsverantwortlichen ihr Unverständnis über das derzeitige und wohl mindestens den gesamten November andauernde Trainingsverbot ausgedrückt.

Ottobrunn– „Den Trainingsbetrieb gerade im Außenbereich, nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Sportarten komplett zu verbieten, ist für uns kein zielführendes Mittel“, stellt sich die ERSCO-Führungsriege um Vorstand Michael Guggenhuber komplett hinter die Forderung des eigenen Sportnachwuchses. „Viele Vereine wie wir haben in den vergangenen Monaten wahnsinnig viel Zeit in Hygienekonzepte investiert und es hat sich gezeigt, dass diese auch greifen“, betonte Guggenhuber auf Nachfrage unserer Zeitung. „Dass der Spiel- und Wettkampfbetrieb für eine gewisse Zeit ausfallen muss, weil sich hier viele unterschiedliche Gruppen treffen, ist ein sicher sinnvolles Mittel. „Wir hätten uns aber gewünscht, dass hier differenzierter vorgegangen worden wäre“, sparte der ERSCO-Chef nicht mit Kritik. Es habe im Verein „bisher keinen einzigen Fall gegeben“.

Es sei immer mal wieder vorgekommen, „dass sich Kinder aufgrund vereinsfremder Kontakte“ in Quarantäne begeben mussten. Daran hätten sich beim ERSCO alle gehalten. „Da gab es auch schon sehr schmerzliche Szenen“, betonte Guggenhuber. „Wenn etwa der Kapitän unserer U13-Eishockeymannschaft nicht aufs Teamfoto darf, weil jemand in seiner Schulklasse positiv getestet wurde, dann war das für den Jungen schon sehr bitter“.

Zur persönlichen Verzweiflung des Nachwuchs-Puckjägers gesellen sich die generellen Nöte eines Vorzeigevereins in Sachen Jugendarbeit. Allein beim Eiskunstlauf bietet der ERSCO derzeit 40 Kinder im Leistungssportbereich auf. „Für diese Kinder aus dem Wettkampfbetrieb, die zum Teil bereits an Bayerischen und sogar Deutschen Meisterschaften teilnehmen, ist es besonders bitter“, unterstreicht Guggenhuber. Zumal man vor der Sperre den Trainingsbetrieb erst seit zehn Tagen am Haidgraben habe vollziehen können. „Zuvor nur auf fremdem Eis und sehr kostenintensiv.“ Wenn die Kids zudem nicht durchgängig trainieren könnten, lahme der Leistungssport. Aber auch die 120 Kinder im Breitensport trifft es hart, derzeit ihre Figuren nicht auf das Eisrondell zaubern zu können.

Als eklatant erweist sich die Situation beim Eishockey. Zehn Nachwuchsmannschaften sind derzeit im Spielbetrieb gemeldet, dazu gesellt sich die rasant wachsende und stark nachgefragte Eishockeyschule. „Das betrifft insgesamt 210 Kinder und Jugendliche“, erklärt Guggenhuber.

Kein Wunder, dass beim ERSCO schnell und verzweifelt die Aufrufschilder gepinselt wurden und der hoffnungsfrohe Nachwuchs wenigstens zum Fototermin wieder in vollen Monturen aufs Eis durfte. Die Kinder hätten ohnehin den Anstoß zum Protest gegeben. „Das ist doch Quatsch, alle halten sich hier an die geltenden Regeln und Sport ist doch gesund“, sagt einer der jungen Spieler. Und Guggenberger betont: „Natürlich sind wir auch bereit, unser Hygienekonzept noch weiter anzupassen und die Kontakte noch weiter herunterzufahren.“ So könne der Innenbereich komplett geschlossen werden. „Die Sportler könnten bereits in Sportklamotten umgezogen zum Training kommen und über die Freieingänge aufs Eis kommen“. Eine Logik, die offenbar greift. „So wie es momentan aussieht, können wir bald wieder aufs Eis“, berichtet Guggenhuber von Gesprächen mit dem Landratsamt. Rechtliche Schritte habe man nicht geplant. Zumal auch der Bayerische Eissport Verband den Spielbetrieb im Dezember wieder aufnehmen.

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