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Ein starkes Team: Die U17 des ERSC Ottobrunn um Trainer Martin Mayer steht kurz vor der Meisterschaft in der Bayerischen Landesliga.

Eishockey

Zum perfekten Glück fehlt nur ein Dach

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Zum perfekten Glück fehlt dem ERSC Ottobrunn nur ein Dach über dem Eisstadion am Haidgraben

VON HARALD HETTICH

OttobrunnGoalie David Bode hat den Schlagschuss der Riesserseer, der ohne seine blitzschnell nach oben gerissene Fanghand unweigerlich im Torwinkel eingeschlagen hätte, nur kurz in seiner Hand begraben und entschärft. Um ein Bully im Abwehrdrittel der Ottobrunner U17 zu verhindern, entlässt er die schwarze Hartgummischeibe seiner Torhüter-Kelle zu Kapitän Leon Fertl ebenso schnell wieder in die eigene Verteidigung. Kurzer Aufbaupass zu Fertls Defense-Partner Moritz Mayer, dann schickt dieser den Puck auf Sturm-Spielmacher Maxi Zirngibl. Kluger Pass nach innen und Michi Wonneberger vollstreckt eiskalt zu einem seiner fast 50 Saisontore.

Jubel am Haidgraben. Der ERSCO hat die vorsaisonal großen Favoriten der Spielgemeinschaft Peissenberg /Riessersee nach mitreißendem Kampf mit 3:2 besiegt und seine Tabellenführung in der Jugend-Landesliga untermauert.

Die Szene aus dem so wichtigen Spitzenspiel des Ersten gegen den Liga-Zweiten steht sinnbildlich für die formidable Saison der U17 und der Nachwuchsteams insgesamt beim kräftig boomenden ERSC Ottobrunn. Drei Spieltage vor Saisonschluss steht der älteste Ottobrunner Nachwuchs vor der Meisterschaft. Bei aktuell vier Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz vom Rießersee könnte nach einem erfolgreichen Auswärtsmatch beim starken Tabellenvierten in Miesbach demnächst im Heimspiel gegen den Neunten SG Bad Wörishofen/Germering bereits die Meisterfeier auf eigenem Eis anstehen (Freitag, 6. März, 20.15 Uhr, Haidgraben).

Damit nicht genug: Auch die U15 hat noch gute Chancen, Meisterehren einzufahren. Die U9 und die U11 spielen ebenfalls erfolgreich in den höchsten Altersklassenligen. Aufgrund eines wahren „Run“ auf die Eisfläche am Haidgraben wurden sogar zweite Mannschaften gebildet. Lediglich die noch sehr junge U13 ringt körperlich etwas unterlegen derzeit in ihrer Liga als Schlusslicht noch um Anschluss.

Aber auch hier blicken die Verantwortlichen perspektivisch drauf. Spaß am Eissport und Teambuilding stehen beim ERSCO über allem anderen. Eishockey, das verinnerlicht schon aufgrund der gelebten Vereinsagenda ein erfolgreiches Nachwuchsteam wie die U17 des ERSC Ottobrunn, ist gelebter Teamgeist. „Der Star ist bei uns immer die Mannschaft“, erklärt Martin Mayer, der als Coach der U17 zusammen mit Stefan Krumbiegel die jungen Cracks auf die Erfolgsspur gesetzt hat.

„Allerdings konnte ein jetzt anvisierter Meistertitel vor der Saison nicht erwartet werden, wenn man auf die bärenstarke Konkurrenz in der bayerischen Jugend-Kreisliga mit traditionsreichen Clubs und Spielgemeinschaften wie Rießersee, Schweinfurt, Pfronten oder Selb blickt“. Doch beim erfolgreichen Ottobrunner Nachwuchs geht der Teamgeist weit über die Saisonspiele hinaus. „Schon während des bei Eishockeyspielern ungeliebten Konditionsbolzens im Sommer waren die Jungs mit Feuereifer dabei und haben sich die Grundlagen dafür geholt, einige schwierige Partien mit toller Physis und Moral im Schlussdrittel zu drehen. Wichtiger Aspekt dabei: Die Jungs sind nicht „nur“ Mannschaft. „Hier sind Freundschaften über den Sport hinaus gewachsen. Ein Team, zu dem neben den Spielern und Coaches auch Organisationsleiterin Barbara Wallek und „Betreuer-Legende“ Mario Fertl gehören. Eingebunden ist die U17 als echte Nachwuchsschmiede auch in das Konzept des laut Mayer „sehr nachwuchsfreundlichen Chef-Trainers Michael Schneidawind (der allerdings aufhört/wir berichteten). Bei dessen Erster Mannschaft dürfen die jungen Wilden ergänzend zum eigenen festen Trainingsturnus mit drei Einheiten pro Woche ergänzend mitmachen. Eine wichtige Rolle spielen freilich auch die Eltern als Sponsorenpool für die jeweils rund 1500 Euro teuren Ausrüstungen, bei Fahrten, Trainingslagern und notwendigen Eiszeiten in der Ferne.

Apropos Eiszeiten. Hier drückt der Schuh beim Erfolgsverein seit Jahren am heftigsten. „Ohne Dach über dem Kopf geht leider kein Bayernliga-Eishockey“, formuliert Coach Mayer drastisch, dass die U17 auf Ottobrunner Freieis trotz Meisterschaft nicht aufsteigen darf. „Die Saison dort beginnt sechs Wochen früher, ehe in Ottobrunn überhaupt Eis zur Verfügung steht. Das ist nicht zu bewerkstelligen.“ Eishockey-Abteilungsleiter Sven Rumswinkel wird deutlich. „Wir sind über die Regionsgrenzen hinaus für unsere gute Arbeit bekannt“, freut er sich einerseits. Doch man stoße durch die fehlende Infrastruktur trotz des „wahnsinnigen Engagements“ aller Ehrenamtlichen auch an deutliche Grenzen. „Leider wird alles durch das fehlende Dach stark gebremst. Es muss etwas passieren, unbedingt und zwar bald“, fordert der ERSCO-Eishockey-Boss in Richtung der Verantwortlichen in der Gemeinde. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn das Dach nicht bald Realität wird“, fürchtet Rumswinkel um gewachsene Strukturen und Symbiosen. Auch wichtig, um den talentierten Nachwuchs etwa der U17 – allesamt mit Spielern aus dem näheren Umfeld – in Ottobrunn halten zu können. Dafür braucht es sportliche Perspektiven, die aus geeigneten Rahmenbedingungen erwächst. Damit herrliche Spielzüge wie beim tollen Match gegen Rießersee auch künftig am Haidgraben zu sehen sind.

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