Wettkampf im Wildwasser: Für  den Ismaninger Kanuten Nico Paufler wird allerdings in Essen künftig der Kanu-Rennsport eine größere Rolle spielen.	Foto: Michael Fladung/Archiv
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Wettkampf im Wildwasser: Für Nico Paufler wird allerdings in Essen künftig der Kanu-Rennsport eine größere Rolle spielen.

Der Ismaninger Kanute Nico Paufler ist nicht frustriert, obwohl fast alle Rennen ausfallen

„Es war für mich kein verlorenes Jahr“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Der Ismaninger Kanute Nico Paufler wollte 2020 bei der Wildwasser-Weltmeisterschaft um Medaillen fahren. Und wochenlang in Südafrika paddeln. Und zur Marathon-EM nach Ungarn. Doch die Corona-Pandemie machte all diese Pläne zunichte. Und trotzdem, sagt der 21-Jährige aus dem Ortsteil Fischerhäuser im Interview, „war es für mich kein verlorenes Jahr“.

Herr Paufler, Sie leben seit Oktober in Bochum, studieren dort Maschinenbau und trainieren am Stützpunkt in Essen. Wie ist es Ihnen in den ersten Wochen dort ergangen?

Ich hatte einen super Start. Die Trainingsgruppe in Essen hat mich sehr gut aufgenommen. Für mich ist es ein ganz neues Gefühl, nicht mehr so oft alleine zu trainieren. Auch die neuen Corona-Einschränkungen haben mich sportlich nicht groß beeinträchtigt. Denn als Kaderathleten dürfen wir in Essen ganz normal weiter trainieren.

Und abseits des Sports?

Da bin ich vor wenigen Tagen in meine neue Wohnung gezogen, nachdem ich zuvor bei einem Freund zur Untermiete gewohnt hatte. Außerdem ist das Semester losgegangen – auch wenn ich die Uni bislang noch kein einziges Mal von innen gesehen habe...

… weil das komplette Studium wegen der Corona-Krise im Internet stattfindet. Hat Ihnen das den Start erschwert?

Im Gegenteil, der Online-Unterricht kommt mir sogar entgegen, weil ich mir dadurch mein Programm flexibler einteilen kann. Im Moment gehe ich vormittags ins Frühtraining, schaue mir danach im Internet eine Vorlesung an, dann Mittagessen, noch eine Vorlesung und anschließend geht es ins Nachmittagstraining.

In Bochum streben Sie einen Master in Maschinenbau an, nachdem Sie im vergangenen März ihren Bachelor-Abschluss in Kunststofftechnik gemacht haben – so wie geplant. Ansonsten lief 2020 jedoch kaum etwas so, wie Sie es sich vorgestellt hatten, oder?

Nein, das Jahr ist komplett anders gelaufen als gedacht. Das hat ja schon im Frühjahr angefangen, als die Wildwasser-Weltmeisterschaft abgesagt wurde, auf die ich mich monatelang vorbereitet hatte. Danach wollte ich eigentlich für einen längeren Paddel-Trip nach Südafrika, den ich jedoch wegen Corona absagen musste.

Und dann sind auch noch nahezu alle Wettkämpfe ausgefallen.

Ich bin 2020 nur drei Rennen gefahren. Die Deutsche Marathon-Meisterschaft…

… bei der Sie zum dritten Mal hintereinander den Titel geholt haben...

… und dazu noch ein Wildwasser-Rennen in Österreich und die Deutschen Rennsport-Meisterschaften, die überraschend gut für mich gelaufen sind.

Bloß drei Rennen in einer ganzen Saison. War das nicht frustrierend für Sie?

Natürlich wäre ich gerne mehr Rennen gefahren, auch um mich für die viele Arbeit im Training zu belohnen. Aber wirklich frustriert war ich eigentlich nie. Ich kann mich so für meinen Sport begeistern, dass ich auch ohne Wettkämpfe Spaß am Training habe.

Bisher lag Ihr Fokus vor allem auf den Disziplinen Wildwasser und Marathon – und weniger auf dem olympischen Kanu-Rennsport. Inwiefern wird sich das in Ihrer neuen Heimat ändern?

In meiner Trainingsgruppe in Essen steht der Rennsport klar an erster Stelle. Unter anderem sind da ja zwei, drei heiße Kandidaten für Olympia dabei. Von daher denke ich schon, dass der Rennsport bei mir künftig eine größere Rolle spielen wird. Allerdings will ich mich auch weiterhin auf die anderen beiden Disziplinen konzentrieren.

Zumal 2021 Ihr letztes Jahr in der Altersklasse U23 ansteht.

Und deshalb würde ich gerne bei der U23-Europameisterschaft im Wildwasser und bei der U23-Weltmeisterschaft im Marathon dabei sein. Außerdem plane ich, bei der Rennsport-Qualifikation für die Nationalmannschaft mitzufahren. Und dann schauen wir mal, wie es da läuft.

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