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Kommentatoren-Duo beim TSV Unterhaching: Ben Ibata (l.) und Christoph Mayser, stellvertretender Volleyball-Abteilungsleiter des TSV Unterhaching. Foto: um

Einmal Hachinger, immer Hachinger

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Ben Ibata, 46, hat von 1999 bis 2007 für den TSV Unterhaching aufgeschlagen, war später auch kurzzeitig Manager des Volleyball-Bundesligisten. Nach der sportlichen Karriere gründete der einstige Mittelblocker und Publikumsliebling zwei Firmen: eine Unternehmensberatung und 2017 in San Francisco ein Unternehmen, das Software zur Vernetzung dezentraler Kraftwerke auf der Basis erneuerbarer Energien entwickelt. Trotz seiner beruflichen Beanspruchung war Ibata bei fünf Hachinger Bundesliga-Heimpartien für den Livestream als Co-Kommentator auf sporttotal.tv im Einsatz. Wie es dazu kam und wie ihm das junge TSV-Team gefiel, das die Saison als Schlusslicht beendete, erzählt der gebürtige Erfurter im  Interview.

UnterhachingBen Ibata, 46, hat von 1999 bis 2007 für den TSV Unterhaching aufgeschlagen, war später auch kurzzeitig Manager des Volleyball-Bundesligisten. Nach der sportlichen Karriere gründete der einstige Mittelblocker und Publikumsliebling zwei Firmen: eine Unternehmensberatung und 2017 in San Francisco ein Unternehmen, das Software zur Vernetzung dezentraler Kraftwerke auf der Basis erneuerbarer Energien entwickelt. Trotz seiner beruflichen Beanspruchung war Ibata bei fünf Hachinger Bundesliga-Heimpartien für den Livestream als Co-Kommentator auf sporttotal.tv im Einsatz. Wie es dazu kam und wie ihm das junge TSV-Team gefiel, das die Saison als Schlusslicht beendete, erzählt der gebürtige Erfurter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Hachings Fans durften sich in dieser Saison über ein Wiederhören mit Ihnen freuen. War die Live-Berichterstattung denn völliges Neuland für Sie?

Ich habe das schon einige Jahre bei Sport 1 gemacht. Das lief damals über den TSV Unterhaching, es wurde angefragt, ob man jemanden weiß, der sich das zutraut. Das erste Spiel, über das ich gemeinsam mit Hajo Wolff, dem Volleyball-Kommentator des Senders, berichtet habe, war ein Hachinger Spiel in der Champions League. Das hat super funktioniert und ich habe weitere Champions-League-Spiele und die Nationalmannschaft kommentiert, später dann die Europameisterschaft. Ich hatte auch eine Kolumne bei Sport1. Es war total spaßig.

Haben Sie sich damals besonders vorbereitet?

Es gab keine große Vorbereitung. Wir haben uns vorher zusammengesetzt, über Mannschaften und Aufstellungen gesprochen. Meine Rolle war die des Experten, also Spielzüge oder die Taktik der Trainer zu erklären oder etwas über einzelne Spieler zu sagen.

Gab es Reaktionen?

Ja, wir haben zum Beispiel ein Lob von Thomas Krohne, dem damaligen Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes bekommen, auch in einer Zeitschrift für Kommentatoren sind wir als Tandem total gelobt worden. Ich finde, es ist entscheidend, eine gute Balance zu finden. Man darf den Kommentar inhaltlich nicht mit zu viel Taktik-Blabla überfrachten, man muss auf dem Boden bleiben.

Und wie kam es nun dazu, dass Sie in dieser Saison den Livestream kommentiert haben?

Mihai Paduretu (Unterhachings Geschäftsführer und Trainer zu Ibatas aktiven Zeiten - d. Red.) kam auf mich zu und sagte, der TSV braucht einen Kommentator dafür. Und ich hatte da schon Lust drauf. Auch darauf, alte Bekannte zu sehen, Patrick Steuerwald (Hachings Trainer - d. Red.) kenne ich ja auch noch gut.

Der TSV kam ja nur wegen einer Corona-Sonderregelung in die Bundesliga, verlor mit einer jungen Truppe, im Grunde erwartungsgemäß, meistens und wurde am Ende Letzter. Gab in den von Ihnen kommentierten Partien trotzdem einen persönlichen Höhepunkt?

Von den fünf Spielen, die ich kommentiert habe, war der Satzgewinn gegen Friedrichshafen ein echtes Highlight. Es waren überhaupt ein paar echt gute Spiele dabei, aber leider war nichts zu holen. Bei den Voraussetzungen war aber klar, dass die Mannschaft erst einmal in der Liga ankommen musste.

Wie sehen Sie das Hachinger Projekt grundsätzlich?

Es war genau richtig, das zu versuchen. Die Saison hat ja auch viele Erkenntnisse geliefert. Ein paar Spieler haben ihr großes Potenzial gezeigt, wie Libero Leonard Graven. Es war eine Offenbarung, wie der junge Kerl gebaggert hat, wie früher Ferdl Tille. Auch Jonas Sagstetter hat mir sehr gut gefallen, ein frecher, trickreicher Spieler. In Summe konnte die Mannschaft als Kollektiv das Niveau aber nicht halten, auch wenn sie es immer wieder aufblitzen ließ.

Sportlich gab es wegen Corona keinen Absteiger, andererseits ist die Erstligazukunft des TSV aus finanziellen Gründen noch offen. Glauben Sie, dass es weitergeht?

Ich hoffe es, als Fan und Kommentator. Und ich hoffe, dass die Mannschaft verstärkt und wettbewerbsfähiger wird, sodass es nächste Saison mehr enge Spiele gibt, mit der Chance zu gewinnen. Damit es auch den Jungs selbst mehr Spaß macht.

Würden Sie dann wieder am Mikrofon sitzen?

Definitiv. Ich komme gern in die Halle, sehe viele Leute wieder, freue mich, Mihai zu sehen. Das Ganze mache ich aus Freude am Volleyball, es ist ja eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Sind Sie eigentlich selbst noch aktiv?

Ich war mit der AH des ASV Dachau, zusammen mit einigen ehemaligen Hachingern, zweimal Bayerischer Meister. Aber während der Deutschen Meisterschaften war ich leider beide Male in den USA, weil ich dort meine Firma aufgebaut habe. Seit zwei Jahren habe ich deshalb auch keine Chance mehr, Mannschaftssport zu betreiben. Ich kann mich nur privat fit halten.

Sie waren Spieler und Manager: Hätten Sie Lust, beim TSV noch einmal eine Aufgabe zu übernehmen?

Für mich gilt: Einmal Unterhachinger, immer Unterhachinger. Ich bin immer bereit, dem Verein zu helfen, wenn man mich braucht, so wie jetzt als Kommentator. Im Moment habe ich für mehr keine Zeit, aber das kann sich ändern. Und, wer weiß: wenn meine Firma weiter wächst, vielleicht kann ich den Verein auch als Sponsor unterstützen.

Noch eine Frage zu den aktuellen Play offs, in denen das Halbfinale ansteht: Wer wird Deutscher Meister?

Es ist diesmal wirklich sehr spannend, zuzutrauen ist es allen vier (Friedrichshafen, Düren, Berlin, Lüneburg - d. Red.). Aber mein Gefühl sagt mir Berlin, mit der Erfahrung der letzten Jahre. Die Mannschaft hat auch den größten Biss.

Haben Sie eine persönliche Sympathie für ein Team?

Unterhaching ist mein Verein, insofern ist mir das eigentlich egal. Vielleicht habe ich ganz leichte Sympathien für Friedrichshafen. Zum Bodensee habe ich einen Bezug, weil meine Frau von dort kommt. Und der Bruder von Patrick Steuerwald, Markus, spielt beim VfB.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

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