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Jakob Paulicks , turnender Teamchef von Exquisa Oberbayen.

Interview

Turner auf der Suche nach Normalität

  • vonHarald Hettich
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Exquisa-Oberbayern-Teamchef Jakob Paulicks sprich über  die Schwierigkeiten des Turnen in der Pandemie.

UnterhachingZwar ist der Auftakt für die Mannschafts-Kunstturner von Zweitligist Exquisa Oberbayern mit seinen Athleten vom TSV Unterhaching sowie die Saisonpremiere für die Nachwuchsriege des TSV in der Regionalliga erst auf den 10. Oktober datiert. Doch bekanntlich ist der Turnsport eine besonders trainingsintensive Disziplin. In Zeiten von Corona nicht immer einfach. Zeit, bei einem Wohlinformierten der heimischen Gerätezunft nachzufragen, wie es beim Üben von Tsukahara-Salti und Endo-Grätschen derzeit so aussieht. Das gestaltet sich gar nicht so einfach. Wir haben Jakob Paulicks auf einer seiner Pendelstationen zwischen Köln, Stuttgart und Unterhaching für eine Nachfrage erreicht. Der 29-Jjährige, Deutscher Vizemeister am Reck von 2017, fungiert bei den Gescheckten als turnender Teamchef.

Sind Sie mit den beiden Riegen bereits in den Trainingsbetrieb eingestiegen?

Da wir Turner von Exquisa Oberbayern aus verschiedenen Vereinen kommen, gibt es da einige Unterschiede. Felix Kriedemann etwa ist bereits seit Ostern wieder voll im Trainingsbetrieb am Landesleistungszentrum in München und trainiert normalerweise sechsmal pro Woche. Seit Mitte Juni sind Jonas Olbrich und Fabian Dauth hier in Unterhaching wieder im Trainingsturnus bei zunächst meist vier Einheiten pro Woche. Stefan Miedl und unser potenzieller Neuzugang Leo Kühl können bei ihrem Heimatverein in Mühldorf sechs Mal die Woche ran. Die verschiedenen Gemeinden verfolgen bei der Hallennutzung insgesamt sehr verschiedene Konzepte. Deshalb ist der Trainingsstand der Athleten auch noch sehr unterschiedlich. Hinzu kommt, dass die Trainings-Rhythmik insgesamt natürlich auch von den Verpflichtungen in Beruf, Studium oder Schule abhängen.

Wie darf man sich in Unterhaching derzeit den Trainingsbetrieb vorstellen? Was ist erlaubt, was nicht?

Ich kann sagen, dass der Trainingsbetrieb seit einigen Wochen vergleichsweise „normal“ läuft. Abgesehen davon, dass wir während jeder Trainingsstunde für jeweils zehn Minuten die Halle verlassen und lüften müssen. Die Umkleiden sind gesperrt und rund um die Trainingshalle herrscht Maskenpflicht. Eine schmerzliche Einschränkung liegt darin, dass unser Training kontaktlos stattfinden soll oder muss und wir nur im äußersten Notfall auf eine Hilfestellung der Trainer am Turner bauen können.

Wie lässt sich der Trainingsbetrieb vor diesem schwierigen Hintergrund modifizieren und sukzessive auch intensivieren, um die Turner an die kommenden Liga-Aufgaben im Herbst heranzuführen?

Auf das körperliche Niveau des Vorjahres sind diejenigen, die momentan intensiv trainieren, relativ schnell bereits wieder gekommen. Die Turner sind ja sehr diszipliniert (lacht) und haben sich auch zuhause während des Lockdowns individuell fit gehalten. Derzeit sind wir aber etwa hier in Unterhaching noch im Grundlagentraining. Anschließend werden in einigen Wochen auch die schwierigeren Elemente wieder trainiert werden und schließlich richtet sich dann der Blick auch bereits wieder auf die Konzeption der Übungen für die Zweite Bundesliga und die Regionalliga.

Stichwort Erwartungshaltung. Mit welchen Vorsätzen gehen Sie auf diesen eher ungewöhnlichen Pfaden der neuen Saison entgegen. Bei Exquisa wurde in der Vergangenheit ja immer auch betont, dass der Aufstieg in die Erste Bundesliga, den man bisher wiederholt nur knapp verpasste, auf Sicht kein reiner Wunschtraum bleiben soll?

Insgesamt ist die Situation in den Ligen und auch in der Zweiten Bundesliga gerade vor dem Hintergrund der Pandemie schwer einzuschätzen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Trainingsvoraussetzungen aktuell ist eine Chancengleichheit nicht gegeben. Daher ist auch eine sportliche Einschätzung der Kräfteverhältnisse sehr schwierig bis unmöglich. Zudem werden die Staffeln vom Deutschen Turnerbund heuer aufgrund von Corona anders zusammengesetzt. Wir werden aber eine gute Truppe an den Start bringen. Wahrscheinlich ohne personelle Abgänge und mit zwei möglichen Zugängen in Person von Leo Kühl aus Mühldorf und Christian Precup aus unserem Regionalligateam. Precup hat sich toll entwickelt und zeichnet sich besonders an Pferd, Ringen, Sprung und Barren aus. Aber beide Verstärkungen sind noch nicht fix.

Zum Thema Leistungssport gehört immer auch die Frage nach dem wirtschaftlichen Background. Drohen finanzielle Einschnitte?

Gerade die Frage nach der Zulassung von Zuschauern in der Halle und vor allem wie vielen erlaubten Zusehern im Herbst können wir heute nicht beantworten. Gerade nach den Sommerferien und im Herbst ist die Gefahr einer zweiten Welle wohl besonders groß. Natürlich würde unter Ausschluss der Öffentlichkeit auch einiges an Geld verloren gehen – etwa beim Eintritt und beim Catering. Zum Sponsoring lassen sich derzeit noch keine verlässlichen Aussagen treffen. Aber auch der ganz normale Aufbau der Hallengeräte für die Wettkämpfe braucht viel Energie. Hier müssen wir vor allem auf unsere freiwilligen Helfer bauen. Wir hoffen darüber hinaus, dass die Turnliga einen Wettkampfbetrieb in unserer Trainingshalle zulässt. Dann wäre logistisch vieles leichter zu stemmen, weil aufwändige Aufbauten entfielen. Im übrigen können auch nicht alle Vereine finanziell und organisatorisch eine reibungslose Austragung garantieren, da sich bei vielen die Kostendeckung ohne Zuschauer oder den Wegfall von Sponsorengeldern schwierig gestalten dürfte.

Ein sehr gemischter Ausblick insgesamt. Wie steht es mit dem Prinzip Hoffnung auf den Herbst?

Derzeit ist einfach alles anders. Bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Dinge in der Zukunft verändern werden. Aber natürlich wollen unsere Sportler wieder ihre Leistungen zeigen und sich wie gewohnt mit den anderen Teams messen.

Das Gespräch führte
Harald Hettich.

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