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Jetzt bei den Berlin Recycling Volleys: Denis Kaliberda. 

Das Duell der deutschen Giganten

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Nun steigt es also doch wieder, das „Duell der Giganten“ oder auch „der Showdown der Volleyball-Schwergewichte“: So wird auf der Internetseite des VfB Friedrichshafen die anstehende Finalserie um die Deutsche Meisterschaft gegen die Berlin Recycling Volleys umschrieben, die heute (18 Uhr, live auf Sport 1) mit dem ersten von maximal fünf Endspielen am Bodensee beginnt.

Unterhaching - Die hochtrabenden Bezeichnungen haben durchaus ihre Berechtigung, denn die Begegnung von Häflern und Hauptstädtern ist tatsächlich ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Seit der längst von der großen Volleyball-Bühne verschwundene SV Bayer Wuppertal 1997 feiern durfte, war kein anderes Team mehr Deutscher Meister. 13 Mal triumphierte in dieser Zeit der VfB, neunmal die Berliner. Noch deutlicher wird die Dominanz, wenn man die Finalpaarungen der jüngeren Vergangenheit betrachtet: Seit 2013 (2020 gab es wegen Corona keine Play offs) hieß das Endspiel immer Friedrichshafen gegen Berlin.

Dabei sah es in der laufenden Saison gar nicht nach dem üblichen Verlauf aus. Berlin leistete sich in der Punkterunde einige überraschende Ausrutscher, wurde nur Dritter hinter Düren. Friedrichshafen verlor zwar nur einmal, wirkte aber auch nicht immer sattelfest. Sogar beim TSV Unterhaching, der nur aufgrund der Corona-Sonderregelung mit einer jungen, unerfahrenen Truppe antrat und am Ende dieser Spielzeit ohne Absteiger Letzter wurde, gaben die Häfler einen Satz ab. Auch im Halbfinale nach dem Modus Best-of-3 hatten die Favoriten ihre Mühe: Berlin brauchte gegen Düren alle drei Partien, Friedrichshafen gewann gegen Lüneburg zweimal hauchdünn mit 3:2. Doch letztlich haben sich die „Giganten“ wieder durchgesetzt. Und somit darf sich der TSV Unterhaching weiterhin rühmen, die letzte Mannschaft gestellt zu haben, die die Vorherrschaft des Duos ernsthaft gefährdete: 2012 unterlag Generali Haching im fünften Endspiel mit 2:3, auch 2009 und 2010 wurde das Team aus dem Münchner Landkreis Vizemeister.

Trainer damals war Mihai Paduretu, heute neben seinem Job als TSV-Geschäftsführer auch Kaderplaner der aktuellen Hachinger Mannschaft. Das Titelrennen verfolgt er gespannt, aber ohne einem der Konkurrenten die Daumen zu drücken. „Ich werde mir sehr neutral alle Finalspiele anschauen“, sagt der 54-Jährige. Auf beiden Seiten steht einer seiner früheren Spieler. Marcus Böhme (35) beim VfB, Denis Kaliberda (30) bei den Berlinern. Beide waren erst im Lauf der Saison nach Jahren im Ausland in die Bundesliga zurückgekehrt. Wobei Böhme, der 2013/14, im letzten Jahr vor dem Oberhaus-Rückzug, für Generali Haching aufschlug, wohl die größere Rolle spielen dürfte. „Marcus ist gesetzter Stammspieler und es wird sehr interessant sein zu beobachten, welcher Mittelblocker von den Topleuten Böhme und Mote bei Friedrichshafen sowie Brehme und Eder bei Berlin die beste Leistung bringen wird“, so Paduretu, der aber auch Außenangreifer Kaliberda, damals beim dramatischen Finale 2012 Hachinger Leistungsträger, entscheidende Momente zutraut: „Kaliberda hat lange pausiert. Er kann aber der Mannschaft durch seine Erfahrung sehr helfen, und vor allem die Annahme stabilisieren, falls notwendig.“ Insgesamt erwartet Paduretu ein völlig offenes Titelrennen: „Ich sehe die Chancen bei 50 zu 50, beide Mannschaften haben in dieser Saison Licht und Schatten gezeigt.“

Paduretu ist in diesen Tagen aber nicht nur Volleyball-Fan, sondern, wie gewohnt, auch Volleyball-Macher. Er bastelt an der aus finanziellen Gründen noch ungewissen weiteren Hachinger Bundesliga-Zukunft: „Wir arbeiten sehr intensiv und hoffen bis Juni eine Lösung zu finden.“ 

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