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Patrik Stäbler kommentiert: Etliche Vorgaben lassen sich in der Praxis schlicht nicht umsetzen.

Kommentar zum Training der Fußballamateure, das  unter strengen Auflagen erlaubt ist

Leitfaden des BFV für das Training ist weltfremd

  • Patrik Stäbler
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Der Bayerische Fußball-Verband hat seine Vereine überrumpelt und einen weltfremden Leitfaden herausgegeben. Unter strengen Auflagen ist das Training erlaubt. Patrik Stäbler kommentiert.

„Mit gesundem Menschenverstand“, so hat es BFV-Präsident Rainer Koch formuliert, könne man nun wieder die ersten Schritte auf den Plätzen machen. Ebendieser gesunde Menschenverstand ist seinem Verband aber in den vergangenen Tagen offenbar abgegangen. Denn der Leitfaden, den der BFV am Freitagabend vorgelegt hat, ist über weite Strecken weltfremd. Oder besser: vereinsfremd.

Wer jemals selbst in einem Klub gekickt oder eine Jugendmannschaft trainiert hat, der weiß, dass sich etliche Vorgaben in der Praxis schlicht nicht umsetzen lassen. Alle Bälle vor dem Training desinfizieren? Die Leibchen mit Einmalhandschuhen einsammeln? Und Spieler eigenhändig die Toilette desinfizieren lassen? All das mag bei Regionalligateams vielleicht halbwegs funktionieren, wo Erwachsene unter semiprofessionellen Bedingungen trainieren. Aber derlei von Kindern und Teenagern zu erwarten? Das ist, als wolle man einem Papagei beibringen, die Glocke von Schiller zu krächzen.

Dazu kommt die Vorgehensweise des BFV, der seinen Leitfaden am späten Freitagabend veröffentlicht und damit etliche Vereinsvertreter überrumpelt hat. Sie stehen nun unter dem Druck, wieder ein Training anzubieten – und das in einer Zeit, in der viele Kinder noch nicht in die Schule dürfen, Restaurants und Fitnessstudios geschlossen bleiben sowie landauf, landab vor einer zweiten Infektionswelle gewarnt wird.

Geduld und eine enge Absprache mit den Vereinen – das hat das Vorgehen des BFV bisher in der Corona-Krise ausgezeichnet. Doch nun hat der Verband genau diese zwei Dinge sträflich ignoriert. Und die Leidtragenden des Leitfadens werden die Vereine sein.

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