Ein Problem, zehn Lösungen: Die Fußball-vorort-Redaktion hat zehn mögliche Modelle für die Wertung der aktuellen Spielzeit zusammengetragen.

Umfrage an der Fußball-Basis

„Ein Abbruch wäre am vernünftigsten“

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Fußballer aus dem südlichen Landkreis München rätseln über den weiteren Saiusonverlauf

VON MARION HUSSMANNS
UND SIMON HÜSGEN

Landkreis – Das Coronavirus hat nahezu das komplette öffentliche Leben lahmgelegt – und damit auch dem Sport. Der Bayerische Fußball-Verband hat den Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt. Frühestens nach dem 19. April könnten wieder Ligaspiele stattfinden, heißt es vonseiten des BFV, und das und auch nur mit einer Vorankündigung von mindestens 14 Tagen. Hört man sich aber bei den Fußballern im Landkreis um, so glauben nur wenige daran, dass die laufende Saison noch zu Ende gespielt wird. Doch wie sollen die bisherigen Ergebnisse dann gewertet werden? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander.

Für Daniel Schmaus, Trainer der Reserve des SV Pullach, wäre ein Abbruch der laufenden Saison die vernünftigste Option. „Alles andere macht keinen Sinn“, findet Schmaus, zumal „wir gerade nicht trainieren können, und ohne Vorbereitung das Verletzungsrisiko steigt.“ Als Abschlusstabelle solle nach Meinung des Pullacher Übungsleiters einfach das Tableau nach der Hinrunde gewertet werden. Sollten die Plätze bereits in absehbarer Zeit wieder freigegeben werden, hält Schmaus Freundschaftsspiele für eine sinnvolle Alternative. „Auf diese Weise könnte es auch mehr Austausch zwischen den verschiedenen Kreisen und Ligen geben“, so der 34-Jährige.

An ein baldiges Ende des Spielstopps glaubt auch Sebastian Heidrich vom TSV Hohenbrunnnicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Ende der Osterferien vorbei ist“, glaubt Heidrich. Aus diesem Grund spricht sich der TSV-Trainer auch gegen eine Wertung der aktuellen Tabelle aus. „Sportliche Entscheidungen halte ich dieses Jahr für schwierig“, findet Heidrich, auch englische Wochen oder ein Playoff-System lehnt er ab. „Die zeitliche Belastung wäre bei englischen Wochen schlicht sehr hoch und für die verschiedenen Teams sehr unterschiedlich zu bewältigen“, so Heidrich. Stattdessen schlägt der Hohenbrunner Coach vor, dass die restlichen Saisonspiele, wenn es die Lage erlaubt, ohne tabellarische Wertung gespielt werden und Auf- wie Abstiege entfallen.

Das sieht Florian Darchinger von Fortuna Unterhaching völlig anders. „Ohne Auf- und Abstiege können wir die Saison gleich abbrechen“, findet der stellvertretende Fortuna-Vorsitzende – eine Option, die Darchinger nur im größten Notfall wählen würde. „Ich würde die Tabelle einfrieren und die Saison im Herbst oder Anfang des nächsten Jahres zu Ende spielen. Das wäre die klarste Lösung“, glaubt Darchinger. Sollte der Betrieb doch schon früher wiederaufgenommen werden, hält der Co-Trainer des Tabellenführers in der Münchner Kreisklasse 5 Playoffs für einen sinnvollen Weg Auf- und Absteiger zu bestimmen.

Wie in der Bundesliga ist also auch im Amateursport das Ende der Saison 2019/2020 völlig offen. Anders als die Spitzenteams plagt die Kreisklassevereine jedoch eine Sorge weniger: finanzielle Schwierigkeiten aufgrund der ausfallenden Spiele erwarten die Klubs selbst im Falle eines Saisonabbruchs nicht. Und auch, wenn die Meinung beim Thema „Saisonabbruch“ auseinandergehen, eint die Klubs ein Wunsch: „Ich hoffe, dass wir bald wieder das tun können, was wir alle lieben“, bringt Sebastian Heidrich die Hoffnungen der Amateurfußballer auf den Punkt - „der Sport fehlt“.

Und so schätzen die Vertreietr der Kreisligisten die Lage ein. Für die zweite Mannschaft des FC Deisenhofen alles offen: „Da wir am vergangenen Wochenende unser erstes Punktspiel absolviert hätten“, sagt Franz Perneker, „wäre eine vierwöchige Spielpause nicht so schlimm.“ Danach sieht es aber nicht aus. Der Verband müsse jetzt nach Lösungen suchen, meint der Technische Leiter, „wir können das in der jetzigen Situation nicht bewerten“. Klar ist für Perneker: „So schön der Fußball auch ist, es stehen momentan doch andere Dinge im Vordergrund, wie Familie und Gesundheit.“ Natürlich macht man sich im Verein Gedanken über die weitere Entwicklung, müsse jedoch Geduld haben und abwarten. Die gute Nachricht: „Ein infizierter Aktiver ist nach seiner Erkrankung wieder vollkommen gesund.“

Herbert Mühr, Trainer der Sportfreunde Egling-Straßlach, glaubt nicht daran, dass die Saison fertig gespielt werden kann. „Selbst wenn wir zum 1. Mai hin wieder spielen dürften“ rechnet er vor, „bräuchten die Spieler erst einmal Zeit zum Trainieren“. Wie das dann alles gewertet werden soll, ist für ihn „völlig unklar“. Aber da Mühr mit seiner Mannschaft das Schlusslicht in der Tabelle der Zugspitze, Gruppe 1, bildet, sieht er die weiteren Entscheidungen des Verbandes „relativ entspannt“. Wichtig wäre erst einmal, „dass wieder Normalität einkehrt, dann sehen wir weiter“. Anders beim TSV Ottobrunn im Kreis München. Die Mannschaft von Tim Müllmaier ist bereits mehr oder weniger erfolgreich in die Rückrunde gestartet, mit einem Remis und einer Niederlage. Dann wurde von Verbandsseite bekannt gegeben, dass der Sportpark bis zum Ende der Osterferien am 20. April geschlossen werden muss. Übereinstimmend ist für den Trainer und seine Mannschaft, wie auch für Vorstand Matze Schmidt, „im Moment die Gesundheit wichtiger, alles andere ist zweitrangig“. Man wartet gespannt ab, denn „irgendeine Lösung muss es ja geben.“ Spielertrainer Müllmaier könnte sich vorstellen, dass die Saison vielleicht nicht normal zu Ende gespielt werden kann. „Im Moment jedenfalls ist der Spielbetrieb komplett eingestellt.“

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