+
Marathon-Premiere: Weil das Rennen in Wien ausfällt, laufen Christian Scharl (rote Hose) und Tobias Storch rund um ihre Heimatstadt - im Ziel gibt’s erst mal ein eiskaltes Spezi.

Christian Scharl und Tobias Storch laufen Marathon rund um Garching

Atomei statt Prater beim Marathon dahoam

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
    schließen

Im Ziel haben Christian Scharl und Tobias Storch die Schmerzen und Strapazen der 42 195 Meter vergessen, stattdessen rauschen nun Glückshormone durch ihre verschwitzten Körper. Unter dem Beifall der Umstehenden gibt‘s ein eiskaltes Spezi für die zwei Garchinger, die soeben den ersten Marathon ihres Lebens gelaufen sind. Genau so haben sie sich das im Vorfeld ausgemalt. Oder vielmehr: fast genau so.

Garching – Denn eigentlich wollten die beiden Freunde ja beim Vienna City Marathon mitlaufen, einem der bekanntesten in Europa, bei dem stets um die 10 000 Teilnehmer starten. In der österreichischen Hauptstadt, so ihr Plan, wären sie auf die 42 Kilometer lange Strecke gegangen, wo zigtausend Zuschauer sie angefeuert hätten. Im Hier und Jetzt dagegen stehen kaum zwei Dutzend Menschen um Christian Scharl und Tobias Storch herum. Statt durchs prachtvolle Wien zu laufen, haben sie vier Runden um ihre Heimatgemeinde gedreht. Und der Zieleinlauf war nicht etwa vor dem berühmten Burgtheater, sondern im Süden von Garching an der alten Umgehungsstraße.

Viermal rund um Garching geht‘s für Tobias Storch (rechts) und Christian Scharl.

Und trotz alledem sind die Marathon-Debütanten in diesem Moment nicht nur völlig fertig – sondern auch völlig glücklich. „Wir haben das Beste daraus gemacht, und es war eine super Sache“, sagt der 29-jährige Christian Scharl. Und sein Kompagnon Tobias Storch (26) ergänzt: „Es war vielleicht sogar lustiger und cooler, als es in Wien gewesen wäre.“ Weil der dortige Marathon dem Corona-Virus zum Opfer gefallen ist, haben die Garchinger kurzerhand einen „Marathon dahoam“ absolviert, wie sie es nennen. Ebenfalls 42 195 Meter, das haben sie im Vorfeld genau abgemessen – aber eben nicht durch Wien, sondern rund um Garching. Statt vom Prater zum Burgtheater hieß es also: von der alten B471 zum Atomei.

„Ab der dritten Runde war es schon sehr hart“, sagt Tobias Storch. „Zum Glück hatten wir so viele Unterstützer. Das hat extrem geholfen.“ So begleiteten nicht nur etliche Helfer die Hobby-Läufer mit dem Fahrrad auf ihrem Weg von der alten Umgehungsstraße in die Isarauen, weiter zum Forschungscampus und über den Garchinger See wieder zurück. Sondern entlang der Strecke standen auch – natürlich mit dem vorgeschriebenen Corona-Abstand – knapp 30 Freunde und Bekannte, um sie anzufeuern, erzählt Tobias Storch. „Und sogar wildfremde Menschen haben uns vom Balkon herunter aufgemuntert und geklatscht.“

Die Idee, einen Marathon zu laufen, kam den zwei Freunden im Herbst – ausgerechnet auf dem Oktoberfest. „Christian hat mir auf der Wiesn erzählt, dass er das machen will“, sagt Tobias Storch. „Und dort haben wir beschlossen, den Marathon gemeinsam zu laufen.“ Für ihr Vorhaben nahmen sie den Termin Ende April in Wien ins Visier. Anfang Februar begannen die beiden mit der intensiven Vorbereitung und liefen fortan strikt nach Trainingsplan drei- bis viermal die Woche – stets Seite an Seite, insgesamt circa 400 Kilometer, so Storch. Doch dann wurde das Rennen in Wien wegen der Corona-Pandemie abgesagt, wodurch den Garchingern plötzlich ihr großes Ziel abhanden kam. Doch statt ihre Pläne zu beerdigen, planten sie kurzerhand um – auf einen Marathon dahoam.

Diesen haben Tobias Storch und Christian Scharl nun in knapp vier Stunden bewältigt. Tags darauf meldete sich – wie erwartet – ein saftiger Muskelkater, und dennoch soll ihre Tour de Garching nicht der letzte Marathon der beiden gewesen sein. „Wenn man das einmal geschafft hat, dann will man auch weitermachen“, sagt Christian Scharl. „Tobias und ich haben uns für nächste Woche schon wieder zum Training verabredet.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare