1 von 5
„Das ist mein Platz“: Hutt sitzt auf der Anlage des STK Garching vor Platz 12, wo er immer spielt.
2 von 5
Coverboy in Uganda: Hutt entdeckt sich in einer Tankstelle großformatig in der Zeitung; er kauft zwei Exemplare.
3 von 5
„Ich habe da eine unglaubliche Gastfreundschaft und Wärme erlebt“: Felix Hutt in Islamabad.
Spannende Begegnungen: Felix Hutt in Islamabad
4 von 5
Spannende Begegnungen: Felix Hutt in Islamabad
Herausforderung für die Gelenke: Der Center-Court in Pakistan ist aus Beton, bedeckt mit grauem, grobkörnigem Sand. Hutt hat das Gefühl, als spiele er auf gemahlenen Kieselsteinen.
5 von 5
Herausforderung für die Gelenke: Der Center-Court in Pakistan ist aus Beton, bedeckt mit grauem, grobkörnigem Sand. Hutt hat das Gefühl, als spiele er auf gemahlenen Kieselsteinen.

Der Traum von der Tennis-Weltrangliste

Von Uganda bis Islamabad: Felix Hutts verrückte Weltreise für einen Punkt

  • schließen

Mit 17 träumte Felix Hutt von der Tennis-Weltrangliste. Nun greift er dieses Ziel noch mal auf – mit 37. Ein Jahr lang reist der Hobby-Spieler vom STK Garching zu Turnieren nach Pakistan und Uganda. Seine Jagd nach dem Weltranglistenpunkt ist nun als Buch erschienen.

Garching – Diese Idee, die ja mehr als eine Prise Wahnwitz enthält, kommt Felix Hutt auf der Couch einer Ferienwohnung in Südafrika – am Leib nur eine Boxershorts, in der Hand nicht das erste Bier dieses Vormittags, vor sich ein Tennismatch auf dem Fernseher. Aber nicht irgendeins: Es ist das Finale der Australian Open 2017, Nadal gegen Federer, eine Partie für die Geschichtsbücher. Der 35-jährige Schweizer ist Außenseiter gegen den jüngeren, fitteren Spanier. Doch nach dreieinhalb Stunden verwandelt Federer seinen zweiten Matchball – und inzwischen ist aus Felix Hutts fixer Idee ein fester Plan geworden.

Als 17-Jähriger traf Felix Hutt Roger Federer - ein Schlüsselmoment

„Roger Federer hat mich inspiriert“, sagt der damals 37-Jährige, der die Tennis-Legende einst getroffen hat, bei einem Jugendturnier im Herbst 1996. Hutt war 17, Federer 15 – beide hatten verloren und tauschten einige Worte in der Kabine aus. Doch während der Schweizer danach zum besten Tennisspieler aller Zeiten aufstieg, begrub Hutt seine Hoffnungen auf ein Profi-Leben noch vor der Volljährigkeit und spielte fortan nur mehr hobbymäßig. Nun aber, zwanzig Jahre später, beschließt er vor dem Fernseher, seinen Jugendtraum noch mal aufleben zu lassen. Der da lautet: einmal den eigenen Namen in der Weltrangliste lesen.

Seine Chance wittert er bei unterklassigen Turnieren in Pakistan, Uganda oder Israel. Also fährt er hin.

Hierfür braucht es im Tennis einen ATP-Punkt, für den man bei einem offiziellen Turnier die erste Runde überstehen muss. Da er dies unmöglich bei einem großen Championat schaffen kann, nimmt Hutt unterklassige Turniere ins Visier, die sogenannten Futures. Und hier wiederum pickt er jene in abgelegenen Ländern heraus, bei denen er sich die größten Chancen erhofft. In dem gut einen Jahr nach seiner „Kneipenidee“ in Südafrika, wie er sie nennt, reist Hutt unter anderem zu Turnieren nach Pakistan, Israel und Uganda. Seine Erlebnisse hat der Journalist, der für den „Spiegel“ schreibt, in einem Buch festgehalten, das nun erschienen ist. Der Titel: „Lucky Loser – Wie ich einmal versuchte, in die Tennis-Weltrangliste zu kommen“.

Sein Buch kommt im lockeren Plauderton daher, ist kurzweilig und sehr persönlich. Die Lektüre dürfte vor allem Tennisfans fesseln – aber nicht nur sie. Schließlich geht es bei der Hutt‘schen Jagd nach dem Weltranglistenpunkt um die Verwirklichung eines Jugendtraums, wie ihn fast jeder einmal hatte – sei es von der eigenen Kneipe, der Weltreise oder der Tour mit der Band. Im Fall von Hutt dreht sich der Traum ums Tennis, also jener Sport, der den Sechsjährigen im Juli 1985 wie ein Virus infiziert, als Boris Becker erstmals in Wimbledon triumphiert.

Einmal trennt ihn nur ein Sieg vom Weltranglistenpunkt

„Ich habe meine Jugend auf dem Tennisplatz verbracht“, erzählt Felix Hutt, streicht sich über den rasierten Schädel und nimmt einen Schluck von seinem Russ, den er endlich wieder ohne Gewissensbisse trinken darf, nachdem der strikte Ernährungsplan der Vergangenheit angehört. Im Hintergrund fliegt ein gelber Filzball durch die Luft – hier auf der Anlage des STK Garching, die während Hutts Angriff auf die Weltrangliste sein Hauptquartier ist. Auf den Sandplätzen und in der Halle schlägt er sich Stunde um Stunde und Tag für Tag die Bälle um die Ohren, meist mit seinen Spezln aus dem Herren-30-Bundesligateam des STK: Oliver Jöhl, Alexander Satschko und Maximilian Schmuck. Sechsmal die Woche Training verordnet sich Hutt – in Garching, im Fitnessstudio oder beim Joggen an der Isar. Schließlich gilt es, einen gut hundert Kilo schweren Körper in Wettkampfform zu bringen.

In all den Monaten denkt Hutt unzählige Male ans Aufgeben – nach Rückschlägen, nach Verletzungen und nach bitteren Niederlagen, von denen es einige gibt. Etwa bei einem Future in Pakistan, wo den Garchinger nach gemeisterter Qualifikation nur noch ein Sieg vom ersehnten Weltranglistenpunkt trennt. Doch dann lässt ein 17-jähriger Russe seinen Traum platzen – und dennoch kommt Hutt ins Schwärmen, wenn er heute von Islamabad und den Menschen dort erzählt. „Die waren so unverstellt und echt. Ich habe da eine unglaubliche Gastfreundschaft und Wärme erlebt.“ Mal sind es derlei Erlebnisse, die den Gedanken ans Aufgeben verdrängen – mal ein starkes Match oder ein gutes Training, mal aufmunternde Worte von Freunden oder „mein eigener Dickschädel“, sagt Hutt. Und so zieht er seinen Plan durch. Bis zum Happy End – das freilich ganz anders aussieht, als er es sich damals in Südafrika ausgemalt hat. Denn so nah er seinem Ziel auch kommt: Der Jugendtraum von der Weltrangliste bleibt auch zwanzig Jahre später ein Traum. „Aus sportlicher Sicht war das natürlich unfassbar enttäuschend für mich“, sagt Felix Hutt hier im Vereinsheim – und sieht doch kein bisschen enttäuscht aus. „Für mich ist dieses Projekt auch eine Art Schlusspunkt gewesen. Ich habe mich mit dem Tennis versöhnt.“ Schließlich habe er sich all die Jahre immer wieder mal gefragt, ob er damals mit 17 den Profi-Traum nicht vielleicht zu früh aufgegeben habe. Doch heute wisse er, sagt Hutt: „Als Mensch ist es so besser für mich gewesen.“ Und ganz abgesehen von seinem Jugendtraum stehe eines für ihn fest, sagt Felix Hutt: „Dass aus meinem Lebensprojekt Tennis am Ende dieses Buch geworden ist, das gibt mir so viel mehr als eine Weltrangliste mit meinem Namen drauf, die ich mir übers Bett hängen kann.“

Das Buch

„Lucky Loser – Wie ich einmal versuchte, in die Tennis-Weltrangliste zu kommen“ von Felix Hutt ist im Ullstein-Verlag erschienen, hat 240 Seiten und kostet 15 Euro.

Auch interessant

Mehr zum Thema