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Mihai Paduretu ist seit vielen Jahren das Gesicht des Unterhachinger Volleyballs. 

Im Gespräch 

„Besser kann man es immer machen“

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Mit dem Engagement von Mihai Paduretu (51) als Spielertrainer begann 1997 in der Regionalliga die Erfolgsgeschichte der Volleyballer des TSV Unterhaching. Der ehemalige rumänische Nationalspieler führte den Verein als Coach innerhalb von drei Jahren in die Bundesliga und später dessen Profi-Team Generali Haching zu vier deutschen Pokalsiegen. Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors und dem damit verbundenen Erstliga-Aus blieb er dem TSV als Geschäftsführer treu. Seit der Rückkehr ins Oberhaus 2017, dank Wildcard und Kooperation mit Österreichs Serienmeister Innsbruck, ist Paduretu Sportdirektor und damit die Unterhachinger Hauptfigur des grenzüberschreitenden Projekts mit Namen Hypo Tirol Alpenvolleys Haching.

Unterhaching– 2018 waren die Unterhachinger Volleyballer auf vielen Ebenen erfolgreich. Ist, sportlich gesehen, eigentlich irgendeiner ihrer Wünsche offen geblieben?

Besser kann man es immer machen, sonst bleibt man stehen. Aber es war ein sehr schönes Jahr. Die Alpenvolleys sind Dritter geworden und jetzt in der Liga vorne, die zweite Mannschaft war in der 2. Liga Fünfter, ist im Moment mit einer noch jüngeren Mannschaft auch wieder auf Rang fünf. Die Damen sind aufgestiegen und schon wieder Zweiter. Es läuft in der Volleyball-Abteilung, nicht nur im Leistungssport, sondern auch in der Jugend und im Breitensport. Wir haben die 300-Mitglieder-Grenze überschritten, sind eine der größten Volleyball-Sparten im Münchner Raum. Und wir haben Platz für alle.

Die erfolgreiche Verteidigung des Deutschen U20-Titels mit Ihrem Sohn Eric als Zuspieler und Ihnen als Trainer haben Sie jetzt gar nicht genannt. Dabei war das doch vermutlich ein ganz besonderer Moment?

Das war natürlich ein Höhepunkt. Vor allem, wie wir gewonnen haben. Nach zwei Niederlagen zum Start standen die Jungs mit dem Rücken zur Wand und haben Super-Nerven bewiesen.

Einen Makel gab es allerdings doch: das Pokal-Aus in Düren, kurz nach Saisonbeginn.

Das ist schon ärgerlich, denn der Pokal bietet eine gute Chance, einen Titel zu holen. Wir haben diese Chance damals mit Generali Haching ein paar Mal genutzt, als Berlin und Friedrichshafen nicht so gut drauf waren. Und in dieser Saison sind sie nicht unschlagbar, wie man in der Liga sieht. Das Düren-Spiel kam zwei, drei Wochen zu früh. Erst in den letzten drei Wochen hat sich unsere Mannschaft gefunden und ihr bestes Volleyball gezeigt.

Dann könnte man ja diesmal einen anderen Titel holen. Das Team liegt in der Bundesliga vorn: Wie sind denn die Chancen auf die Meisterschaft?

Es ist einfach so, dass es in den Play-offs wieder bei null angeht. Wir waren in der Vergangenheit selbst zweimal Erster nach der Normalrunde und haben dann im Finale knapp verloren. Es ist natürlich schon wichtig, dass man als Erster in die Play-offs reingeht, aber trotzdem musst du Friedrichshafen und Berlin oder auch Düren oder Frankfurt dann in zehn Tagen dreimal besiegen.

Aber es sieht diesmal nicht so aus, dass Berlin und Friedrichshafen die Meisterschaft unbehelligt vom Rest der Konkurrenz unter sich ausmachen. Der Titel scheint doch möglich?

Der Abstand zum Ersten ist nicht mehr so groß. Früher hast Du meistens vorher gewusst: Friedrichshafen wird Meister. Später kam Berlin dazu. Diesmal ist es aber spannend wie lange nicht. Und wir gehören zum erweiterten Kreis.

Wie lautet denn die Zielsetzung fürs Zweitliga-Team?

Es ist keine leichte Saison, weil wir dauernd Verletzte haben. Wenn wir in der oberen Hälfte bleiben, sind wir zufrieden. Das Ziel ist, Talente an die Bundesliga heranzuführen. Und die Struktur mit einem Team in der 1. und einem in der 2. Liga ist optimal.

Jonas Sagstetter ist das Paradebeispiel dafür: Er war mit der U20 Meister und hat nach einem Jahr als Leistungsträger in der 2. Liga den Status eines festen Kadermitglieds bei den Profis erreicht. Wie sehen Sie seine Perspektiven?

Letztes Jahr hat er mit der Erstligamannschaft trainiert und in der 2. Liga Spielpraxis gesammelt. Das war sehr wichtig für ihn. Jetzt trainiert er weiterhin mit dem Bundesliga-Team, spielt aber wenig. Wenn er kommt, macht er es sehr gut und wenn es nur für einen Aufschlag oder eine Annahme ist. Bei unserem 3:2 gegen Friedrichshafen wurde er in einer entscheidenden Situation zum Service eingewechselt, das Spiel war drei Minuten unterbrochen und er bringt trotzdem einen Super-Aufschlag, wo andere nur auf Sicherheit gehen würden. Das zeigt, was er kann. Wir werden nach der Saison Bilanz ziehen, denn er muss spielen. Ob das dann hier ist oder woanders, wird man sehen.

Schafft Ihr Sohn Eric demnächst auch den Sprung von der zweiten Mannschaft ins Bundesliga-Team?

Für Eric ist es gut, dass er in der 2. Liga spielt. Als Zuspieler darfst du in diesem Alter nicht auf der Bank sitzen. Die Mannschaft ist in Ordnung, er hat viel Spaß und es ist eine starke Liga, das ist gut für ihn. Im Volleyball ist der Sprung vom Jugend- zum Erwachsenenbereich sehr schwierig.

In welchem Alter zeichnet sich denn ab, ob ein Talent den Durchbruch packt?

Es gibt natürlich Ausnahmespieler, die mit 19 Weltmeister werden. Aber normalerweise sieht man mit 22, 23, ob es jemand schafft. Bei Zuspielern heißt es: Je älter desto besser.

Sie waren selbst Volleyball-Profi. Würden Sie ihm denn zu diesem Schritt raten?

Er studiert BWL und soll auf alle Fälle seinen Bachelor und Master machen, das wird noch zwei Jahre dauern. 90 Prozent der Volleyballer haben ein Studium oder eine gute Ausbildung abgeschlossen, mehr als in jedem anderen Sport. Er ist jung, hat Zeit genug, hat jetzt übrigens auch die Trainer-C-Lizenz gemacht. Wichtig ist, dass er spielt. Manche sitzen in diesem Alter bei Erstligisten zwei, drei Jahre auf der Bank. Die sind dann mit 22 tot und können aufhören. Ich sage: Die Zeit erledigt alles.

Hatte Eric es mit Ihnen als Trainer eigentlich schwerer als andere, weil Sie sein Vater sind und außerdem ja auch noch Zuspieler waren wie er?

Ich bin streng mit jedem, wenn ich sehe, dass er nicht will. Aber das war bei Eric nie der Fall.

Wenn Sie für 2019 unter den folgenden zwei Möglichkeiten wählen dürften: Gewinn der Deutschen Meisterschaft oder Einstieg eines neuen Sponsors. Wofür würden Sie sich entscheiden?

Beides ist an der Grenze zur Utopie. Aber wir müssen schauen, dass wir die Leute in die Halle bringen, das ist der erste Schritt. Dann können wir über Sponsoren reden. Es muss nicht ein großer, es können auch mehrere kleinere sein. Ich bin überzeugt, dass wir jemanden finden. So wie ich überzeugt bin, dass wir irgendwann Meister werden.

Klar ist aber: Es muss auf Unterhachinger Seite in Sachen Sponsoren etwas passieren, denn sonst könnte das Alpenvolleys-Projekt 2020 eingestellt werden.

Hannes Kronthaler (der Alpenvolleys-Macher aus Innsbruck. die Red.) hat es ja in der Öffentlichkeit gesagt, dass wir in Unterhaching jemanden finden müssen. Aber da geht es nicht nur um Geld, sondern auch darum, das Gleichgewicht in diesem Projekt herzustellen.

Ihr Leben besteht zu einem großen Teil aus Volleyball, aber nicht nur. Sie haben ja auch noch eine Frau und eine Tochter. Was wünschen Sie sich 2019 für Ihre Familie?

Gesundheit und dass wir alle weiterhin glücklich leben können. Wenn man sieht, was rundherum passiert, können wir froh sein, wie gut es uns in Bayern geht.


Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

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