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Nichts sehen, nichts hören, alles vergessen

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Von: Patrik Stäbler

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Bis zur Pause läuft es perfekt: Ismaning (Lukas Donaubauer; gelb) rennt dem Tabellenvierten mühelos davon. © Dieter Michalek

Einen Vorgeschmack dessen, was noch kommen wird, erhalten die Fans des TSV Ismaning wenige Minuten nach der Pause. Nachdem sich zwei Handballer des VfL Günzburg kurz nacheinander mit Zeitstrafen verabschiedet haben, spielen die Hausherren gut hundert Sekunden lang in doppelter Überzahl. Eigentlich eine gmahde Wiesn, könnte man meinen – doch weit gefehlt.

Ismaning – Zwar gelingt Tobias Stoiber sogleich ein Treffer, doch danach schlafen die Isis erst in der Deckung, fabrizieren danach ein Offensivfoul, kassieren ein Kontertor, und zum krönenden Abschluss scheitert Simon Lang völlig frei vor dem Keeper. „Dass wir mit 1:2 aus dieser Situation rausgehen, darf nicht sein“, wird sich Trainer Rudi Heiss später ärgern. „Das war ein Knackpunkt.“ Wobei sein Team nach jenen unheilvollen hundert Sekunden noch mit 16:14 vorne liegt – und zuvor nach einer famosen ersten Hälfte gar mit 15:9 geführt hat. Doch da die Isis im zweiten Abschnitt spielen, als hätten ihnen jemand Baldrian in die Wasserflaschen gekippt, verlieren sie sie am Ende mit 25:28.

Wie sehr diese Niederlage schmerzt, zeigt sich nach der Schlusssirene. Völlig demoralisiert lehnt Dominik Langer an der Hallenwand, das T-Shirt über den Kopf gezogen. Nichts sehen, nichts hören, alles vergessen – das will auch Yannick Teschner, der sein Antlitz ebenfalls unterm Trikot versteckt; drumherum stehen bedröppelte Mannschaftskollegen, die wahlweise ins Leere starren oder leise den Kopf schütteln. „Ich weiß langsam selbst nicht mehr, was ich sagen soll“, gesteht Heiss, der von einem „klaren Kopfproblem“, spricht. „Man hat den Eindruck, dass die Jungs fast Angst vor dem Gewinnen haben.“

Schließlich stehen die Zeichen dreißig Minuten lang auf Heimsieg: Vom Start weg ziehen hoch konzentrierte und im Angriff erstaunlich effektive Ismaninger auf 10:3 davon. Zwar fängt sich Günzburg nach einer Auszeit und kommt wieder heran. Doch dank zwei Toren von Fabian Stoiber vor der Pause geht es beim Stand von 15:9 und nach einer „wirklich guten ersten Halbzeit“, sagt Heiss, in die Kabine.

Dort habe er seinem Team dann „aber nicht verboten, weiter Handball zu spielen“, sagt der Coach nach der Schlusssirene – allein das Lächeln zu seinem Galgenhumor will ihm nicht gelingen. Denn so aggressiv in der Deckung und so abgeklärt im Angriff die Isis bis hierhin agiert haben, so nachlässig sind sie nun hinten und so vogelwild vorne. „Wir waren in der zweiten Hälfte völlig von der Rolle“, gesteht Heiss, der die Mannschaft zusammen mit Christoph Ilg betreut. „Da war gar kein Selbstvertrauen da, obwohl wir ja lange Zeit noch vorne gelegen sind.“ Erst in der 45. Minute geht Günzburg beim 20:21 erstmals in Führung – und gibt sie danach nicht mehr aus der Hand. Dabei profitieren die Gäste auch von etlichen technischen Fehlern des TSV, der in dieser zweiten Hälfte wahrhaft wie ein Abstiegskandidat auftritt.

Entsprechend mies ist die Laune der Ismaninger nach der Partie – und sie verfinstert sich weiter, als sie von den Ergebnissen der Konkurrenz im Tabellenkeller erfahren. Denn weil fast alle Rivalen punkten, rutscht der Aufsteiger auf den letzten Platz ab.

TSV Ismaning – VfL Günzburg 25:28 (15:9)

Ismaning: Zimmermann, F. Deimel – F. Stoiber (7/2), T. Stoiber (6), Langer (5), Teschner (3), Elsinger (2), Lang (1), Donaubauer (1), Bamberger, Neubauer, Rehnert, Mundl, Simon.

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