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Gut im Angriff: Kirchheim (Christina Stauber) überzeugt gegen Milbertshofen aber vor allem in der Deckung.
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Mann der leisen Töne: Trainer Bernd Boßmann bei einer Auszeit mit seinem Team.

Handball Kirchheimer SC 

Erster Saisonerfolg trotz Spielverbot

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Wegen der Frauen-WM im eigenen Land legen die Amateur-Handballer aktuell eine Zwangspause ein. Eigentlich. Der Kirchheimer SC jedoch darf dank einer Sondergenehmigung spielen – und hat nun endlich den ersehnten ersten Sieg geholt.

Kirchheim – Zwanzig Sekunden vor Schluss dieser Bezirksligapartie passiert etwas, das an diesem Nachmittag Seltenheitswert hat. Sandra Hentrich, Handballerin vom TSV Milbertshofen, dreht sich per eleganter Pirouette um ihre Gegnerin vom Kirchheimer SC und steht nun frei vor dem Tor. Die Deckung des KSC, die bis hierhin einer massiven Betonmauer geglichen hat, sie hat ausnahmsweise eine Lücke offenbart.

Doch Milbertshofen kann dies nicht nutzen, genauer gesagt feuert Sandra Hentrich die Kugel zielgenau ans linke Bein von Torhüterin Veronika Gnadler. Der Fehlwurf ist für den Ausgang des Spiels irrelevant, führen die Kirchheimerinnen zu diesem Zeitpunkt doch schon mit 19:12. Trotzdem ist die Szene symptomatisch für diese Partie und für diesen ersten Saisonsieg des Aufsteigers, nach dem ein gelöster Trainer Bernd Boßmann den Satz vom „gewaltigen Felsbrocken“ bemüht, der ihm und seinen Spielerinnen vom Herzen geplumpst sei.

Gut zwei Stunden zuvor ist der Coach noch ungleich angespannter in der Kabine gestanden. Boßmann hat früher hochklassig Handball gespielt – unter anderen in Schwabing und Milbertshofen – und ist ein Berg von einem Mann, der als Trainer jedoch leise Töne bevorzugt. „Die Saison ist bislang nicht gut für uns gelaufen“, richtet er sich an sein Team, der massige Oberkörper lehnt an der Kabinenwand, in der Hand hält Boßmann einen Block, auf dem er all das notiert hat, was er kurz vor dem Spiel noch loswerden will. Und nun, fährt der Coach fort, müsse man vor dem Kellerduell nicht groß herum reden: „Ja, wir stehen heute unter Druck.“ Und doch sei er überzeugt, dass man nun endlich den ersten Sieg holen werde, betont Boßmann, der seinen Handballerinnen noch zwei Dinge mit auf den Weg geben will. Erstens: „Denkt daran, dass dieses Spiel in der Deckung entschieden wird.“ Und zweitens: „Milbertshofen hat bislang 22 Tore im Schnitt zugelassen. Heute werde sie gegen uns mehr kassieren.“

Eine dieser zwei Aussagen wird sich hinterher als richtig erweisen, die andere als fernab der Wahrheit – doch dazu später. Denn zunächst muss man, um Boßmanns Worte zu verstehen, zurückblicken auf die Vorsaison. Da spazierte der KSC förmlich durch die Bezirksklasse und stieg am Ende souverän auf. Eine Liga höher hatte das Team jedoch arge Startprobleme: Nach einem Remis zum Auftakt setzte es vier Niederlagen; und zu allem Überfluss konnte das Team drei Wochen lang nicht trainieren. Der Grund: Kurzfristig mussten die Hallentore ausgetauscht werden, worüber die Handballer laut Boßmann zwei Tage vor Beginn der Arbeiten informiert wurden. Zwei komplette Heimspieltage musste der Club verlegen – eine organisatorische Herkulesaufgabe, die nur glückte, weil der KSC dank einer Sondergenehmigung auch in diesen Wochen der Handball-WM Partien ausrichten darf, für die der Verband eigentlich ein Spielverbot erlassen hatte. „Aber anders hätten wir das überhaupt nicht geschafft“, sagt Bernd Boßmann.

Seine Mannschaft zeigt vor rund 50 Zuschauern von Beginn an ein couragiertes Spiel, in dem sie zwar offensiv nicht allzu oft glänzt. Aber – und hier bewahrheitet sich Boßmanns erste Prognose: In der Deckung rackern und kämpfen die Gastgeberinnen unermüdlich. Der Lohn: Pro Halbzeit gelingen Milbertshofen bloß sechs Tore, sodass der KSC letztlich einen klaren Sieg einfährt – obschon die von Boßmann anvisierten 22 Treffer deutlich verfehlt werden. Doch das ist Spielerinnen und Trainer hinterher egal: „Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir in diese Liga gehören“, freut sich Boßmann, dessen Team bereits am Samstag das nächste Kellerduell in eigener Halle gegen den Mitaufsteiger Trudering bestreitet. „Der Sieg heute sollte uns dafür Selbstvertrauen geben.“

Kirchheimer SC – TSV Milbertshofen 19:12

KSC: Gnadler – Fries (8), Stauber (4), Schmelzle (3), Seidenschwang (2), Riedl (1), Anke (1/1), Vater, Eckerl, Ignatzy, Lehne.

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