Strampeln bis die Muskeln brennen: Neben grandiosen Blicken warten auch heftige Strapazen auf die rund 1000 Teilnehmer. 	Foto: Markus Greber/Transalp-Archiv
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Strampeln bis die Muskeln brennen: Neben grandiosen Blicken warten auch heftige Strapazen auf die rund 1000 Teilnehmer.

Maxi Maier und Tobias Storch aus Garching bereiten sich für den härtesten Mountainbike-Wettkampf vor

Im Renntempo über die Alpen

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Garching – Unterschiedlicher könnten die Voraussetzungen nicht sein in diesem Duo - hier der Halbprofi Maxi Maier und dort der Vollblutamateur Tobias Storch. Und doch haben die beiden Garchinger ein gemeinsames Ziel: Sie wollen an sieben Tagen im Renntempo über die Alpen radeln bei einem der härtesten Mountainbike-Etappenrennen.

Nein, so wirklich gewusst, was da auf ihn zukommen wird, das habe er an diesem Oktobertag nicht, sagt Tobias Storch. Noch nicht. Der Garchinger war damals zu Besuch bei seinem Bruder im Allgäu, zusammen mit einem Spezl aus Großkarolinenfeld bei Rosenheim, einem semiprofessionellen Mountainbiker. Dieser erzählte, dass er im Sommer bei der Bike Transalp mitfahre, und fragte Storch, ob er ihn dort als Betreuer unterstützen wolle.

Ich habe gleich zugesagt. Davor hab ich ihn erst noch gefragt, ob er weiß, was das für eine Belastung ist.

Maxi Maier

Dazu muss man wissen: Die Bike Transalp ist eines der härtesten Mountainbike-Etappenrennen über die Alpen (siehe Kasten). Binnen einer Woche legen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – gefahren wird in der Regel in Zweierteams – zwischen 60 und 100 Kilometer sowie 2000 bis 3200 Höhenmeter zurück. Pro Tag. Doch derlei Zahlen können Tobias Storch nicht von seiner Idee abbringen, die an jenem Oktobertag spontan in ihm reift. Nämlich: Der 27-Jährige will bei der Bike Transalp 2021 dabei sein – aber nicht als Betreuer, sondern als Fahrer.

„Ich habe noch am selben Abend den Maxi angerufen“, erzählt Storch und meint damit seinen besten Freund Maxi Maier. Der wohnt ebenfalls in Garching, hat jedoch zum Radfahren allgemein und zum Mountainbiken im Speziellen ein ungleich anderes Verhältnis. Denn der 28-Jährige zählt zu den stärksten Fahrern in Deutschland; bei der nationalen Meisterschaft peilt er heuer die Top Ten an. Hier also der Halbprofi Maier, dort der Vollblutamateur Storch, der zwar „ab und zu mit Maxi trainiert hat“, wie er sagt. „Aber natürlich ist er viel ambitionierter als ich.“

Vollblutamateur und Halbprofi im Sattel: Tobias Storch (l.) und Maxi Maier sind im Training auch auf dem Rennrad unterwegs.

Und dennoch muss Maxi Maier damals nicht lange überlegen, als sein Freund mit der Idee eines gemeinsamen Starts bei der Bike Transalp daherkommt. „Ich habe gleich zugesagt“, erzählt der 28-Jährige. Wobei, sagt Maier und lacht: „Davor hab ich ihn erst noch gefragt, ob er weiß, was das für eine Belastung ist.“ Und auch, wenn Tobias Storch diese Frage nicht bedenkenlos mit Ja beantworten kann, tüfteln die zwei Garchinger in der Folge einen Trainingsplan für beide aus. Im Falle von Maxi Maier klingt dieser vergleichsweise simpel: Zunächst wird er sich ganz normal auf die Bayerischen und Deutschen Meisterschaften vorbereiten, die – sofern es Corona zulässt – im Juni stattfinden. Anschließend habe er noch einen Monat, um sich zusammen mit seinem Trainer gezielt auf die Bike Transalp Anfang Juli vorzubereiten. Und das brauche es auch, sagt Maier, „denn das ist ganz andere Belastung als bei den Rennen, die ich normal fahre“.

Einen ungleich längeren Vorlauf benötigt derweil Tobias Storch. Er hat im schon Dezember angefangen, intensiv an seiner Fitness zu arbeiten – mit Skitouren, Joggingrunden und Einheiten auf dem Rad. „Das Wichtigste ist, dass du dir die nötige Ausdauer antrainierst, um fünf, sechs Stunden durchgängig durchzuhalten“, sagt der 27-Jährige. Tipps fürs Training bekommt er nicht nur von Maxi Maier, sondern auch von einer Bekannten, die im Radlabor München arbeitet. „Sie hat mir einen Trainingsplan erstellt“, erzählt Storch. Zudem stehe demnächst eine Leistungsdiagnostik an. „Die Vorbereitung ist alles“, betont der Garchinger mit Blick auf das Etappenrennen. „Dann werden wir das schon packen.“

Im Endeffekt geht‘s vor allem darum, dass wir das ganze durchstehen und alle sicher im Ziel ankommen.

Tobias Storch

Und doch bleibt die Frage, wie sich ein Halbprofi und ein Amateur gemeinsam als Team zwischen den Alpengipfeln zusammenraufen. „Für mich wird das eine ganz neue Erfahrung“, sagt Maxi Maier. Wo er sonst in Rennen stets auf sich alleine gestellt sei, habe er diesmal einen Partner an der Seite, mit dem er sich abstimmen werde – so formuliert es Maier zurückhaltend. Wobei beide genau wissen: Vor allem er wird die Rolle als Anführer, Antreiber und Anfeuerer übernehmen müssen. Schließlich ist Tobias Storch „ein kompletter Newcomer“, wie er selbst einräumt. Und dennoch gibt er sich überzeugt: „Jeder wird für den anderen kämpfen, wir werden uns gegenseitig pushen.“ Und sollte ihm beim Anstieg einmal die Luft ausgehen, „dann muss Maxi eben zufahren“, sagt Tobias Storch und lacht. „Und ich hole ihn bergab wieder ein.“

Mit welchen Zielen das Duo in den Alpen an den Start geht? „Ich denke, dass die Top 20 oder 25 in unserer Kategorie drin sein sollten“, sagt Maxi Maier. Derweil nimmt Tobias Storch das Team seines Bekannten aus Großkarolinenfeld ins Visier, der ihn ja ursprünglich als Betreuer einspannen wollte. „Ich bin mir sicher, dass sich mit denen ein Konkurrenzkampf entwickelt“, sagt der 27-Jährige, ehe er den Gedanken beiseite wischt. „Im Endeffekt geht‘s vor allem darum, dass wir das ganze durchstehen und alle sicher im Ziel ankommen.“ Und dort, sagt Tobias Storch, werden sich die Freunde noch ein paar Tage gemeinsam entspannen – „schön mit einem Aperol am Gardasee“.

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