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Hoch konzentriert: Daniel James Chua ist sechs Jahre alt und spielt erst seit wenigen Monaten beim SC Garching 1980.

IM BLICKPUNKT

Schachmatt dem Corona-Virus

  • vonGuido Verstegen
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In der Corona-Krise boomt Online-Schach.

VON GUIDO VERSTEGEN

Landkreis – Von wegen Schachmatt: In Zeiten des weltweit grassierenden Coronavirus und stillgelegten Sports tummeln sich die Freunde des königlichen Spiels vermehrt im Internet, beim Bayerischen Schachbund spricht man von einem neuen Boom. Wir haben uns bei Vereinen im Landkreis umgehört.

Helge Frowein, Jugendleiter beim SC Garching 1980 (231 Mitglieder, Durchschnittsalter 33 Jahre*), freut sich darüber, dass sich neben zahlreichen Kindern und Jugendlichen zunehmend auch Erwachsene in die Welt der gepixelten Schachfiguren trauen. „Für den Neueinsteiger ist das alles nicht gleich intuitiv zu erfassen“, sagt der 51-Jährige, der auch als Schachlehrer an der Grundschule Garching-West tätig ist.

Am 17. März gab es die erste Online-Einheit des Klubs, inzwischen läuft dreimal wöchentlich das Jugend-Training per Video-Konferenz auf Zoom. In sogenannten Quarantäne-Ligen auf „lichess.org“ starten SC-Teams, zudem geht die „Garchinger Jugend-Samstag Arena“ über die Bühne. Frowein: „Es war ein großer Aufwand, alles ins Netz zu verlagern.“ Der hat sich gelohnt: 49 Kinder und Jugendliche sowie 37 Erwachsene sind am Start.

Pierre Tassell, Schriftführer bei der SG Aschheim/Feldkirchen/Kirchheim (AFK), empfand die Umstellung auf den digitalen Betrieb als „nicht so dramatisch“. Auf den großen Schachservern könne man problemlos eine virtuelle Vereinsdependance einrichten.

Der 36-Jährige ist Lehrer am Gymnasium Kirchheim, wo er auch das Profilfach Schach unterrichtet. „Die Atmosphäre ist natürlich eine andere“, sagt Tassell über die Online-Variante, „es fehlt das persönliche Gegenüber und die Haptik des Schachbretts.“ Er bevorzugt das kostenlose Portal „chess.com“.

Die AFK (60/35*) spielte in den die drei Wochen vor den Osterferien ihren Vereinsblitzschachmeister aus. Um den sozialen Aspekt nicht zu vernachlässigen, habe man einen Discord-Server eingerichtet – einen Onlinedienst für Chat-, Sprach- und Videokonferenzen. Tassell: „Sollte die Kontaktvermeidung andauern, und danach sieht es ja aus – würden wir die ersten digitalen Trainingssessions durchführen.“

Auch beim SK Markt Schwaben (37/36*) sind die Verantwortlichen dabei, ein Kinder- und Jugend-Training via Skype zu planen. Viele Spieler des Klubs haben Accounts auf „lichess.com“, berichtet Vorsitzender Bernward Klocke. Der 58-Jährige sieht die Vorteile der Online-Präsenz, gibt aber zu bedenken, dass dort Blitz- oder Schnell-Schach die Regel sind. Knoche: „Einen besonderen Beigeschmack hat es, wenn man das Gefühl hat, da geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Der Betrug durch ein mitlaufendes Schachprogramm ist noch schwerer nachweisbar als in Präsenzturnieren.“

Beim SC Ismaning (58/44*) hat man für die Kinder und Jugendlichen keine eigenen Online-Angebote geschaffen, sondern nutzt das derzeit kostenlose Online-Training der renommierten Münchner Schachakademie. „Theoretisch können die Kids da jeden Tag mitmachen, das ist echt ein Segen für uns“, sagt Vorsitzender Wolfgang Meier. Der 54-Jährige ist froh, dass bis dato „alle Mitglieder bei der Stange bleiben“ und sehnt wie die anderen Vereinsvertreter die Zeiten herbei, in denen wieder alle am Schachbrett sitzen. Pierre Tassell: „Wir würden uns freuen, wenn wir ab Mai wieder ‚offline‘ zusammenkommen könnten.“

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