Nach dem Staubsaugen und der Betreuung beim Schul-Tagesplan: Dominik und Isabell Klein aus Oberschleißheim beim Merkur-Doppelinterview per Videokonferenz.	Foto: Guido Verstegen
+
Nach dem Staubsaugen und der Betreuung beim Schul-Tagesplan: Dominik und Isabell Klein aus Oberschleißheim beim Merkur-Doppelinterview per Videokonferenz.

Isabell und Dominik Klein über ihre Fernsehjobs bei EM und WM, Kinderbetreuung und Weihnachten

Den Insider und Oma Hildegard gleichermaßen begeistern

  • vonGuido Verstegen
    schließen

Sie ist Co-Kommentatorin bei Eurosport und Sportdeutschland TV, er Experte bei der ARD – beide leben nach ihrer erfolgreichen aktiven Karriere weiter Handball. Auch das Ehepaar Isabell und Dominik Klein hat sich mit seinen Kindern Colin und Lucie den Herausforderungen in Zeiten der Corona-Pandemie stellen müssen. Ein Gespräch über Europa- und Weltmeisterschaften, Homeschooling und Normalität.

Oberschleißheim – Colin (6) geht in die erste Klasse und seine Mutter weiß, wovon sie spricht, wenn sie von seiner Lehrerin schwärmt: Seit Anfang November ist Isabell Klein nämlich als Teamlehrkraft am Gymnasium Markt Indersdorf tätig und sieht Colin in seiner Schule bestens aufgehoben. „Seine Lehrerin hängt sich da voll rein, organisiert über Teams abwechslungsreichen Online-Unterricht in Gruppen zu fünft, alles mit ausgeklügelten Tagesplänen“, erzählt die 36-Jährige im Merkur-Interview, nachdem sie mit ihrem Filius gerade eine Lektion abgeschlossen hat.

Ihr Mann Dominik (37) war mit Staubsaugen dran – und hat Tochter Lucie (2) in die Kita gebracht. Familien-Alltag eben. Auf das prominente Ex-Handballer-Ehepaar wartet ein aufregendes Jahr: Isabell tritt im Februar eine halbe Stelle im Controlling des Kinderzentrums München an, Dominik füllt sozusagen die andere Hälfte: Seit Sommer 2019 ist er Geschäftsführer der Marketing-GmbH des Bayerischen Handball-Verbandes (BHV). Und dann sind ja noch ihre Jobs bei Eurosport und Sportdeutschland TV respektive der ARD.

Inwiefern unterstützen Sie sich gegenseitig bei Ihrer Arbeit während der großen Handball-Turniere, wie sieht es mit Kritik aus?

Isabell Klein: Wir machen ja unterschiedliche Jobs mit unterschiedlichen Anforderungen – Dominik ist Experte, ich arbeite als Co-Kommentatorin. Während er in der ARD bei aller Emotionalität mehr Objektivität wahrt, gibt’s bei mir die ganz klare Ansage: „Wir sind Sportdeutschland TV, also sind wir Deutschland.“ Klar spricht man drüber, auch über die jeweiligen Gegner – aber grundsätzlich wollen wir authentisch bleiben, wie wir einfach sind. Und wir bekommen ja zum Glück ja auch beide das Feedback, dass unsere Arbeit gut ankommt.

Dominik Klein: Ich bin ja ohnehin weiter der größte Fan meiner Frau – nicht nur, als sie noch Spielerin war und man da mitgefiebert hat. Ich höre da gerne zu, wenn’s denn genug Zeit gibt. Es gab jetzt während der EM auch mal Ausnahmen, dass beim Essen mit den Kindern der Laptop auf dem Tisch stand und es dann immer wieder mal hieß „Da ist die Mami!“ Generell tauschen wir beide uns ständig über den Handball aus und leben das ja auch. (zu Isabell Klein) Das hab‘ ich dir noch gar nicht erzählt, gestern hab‘ ich noch einen Glückwunsch (Dominik Klein wurde am 16. Dezember 37 Jahre alt, d. Red.) von deinem ehemaligen Trainer bekommen, er meinte, „wenn die Deutschen nur halb so gut gespielt hätten, wie deine Frau kommentiert, dann hätte es locker zum Halbfinale gereicht!“

Isabell Klein: (lächelt) Wir haben beide ein Stück weit das gleiche Handballverständnis, und oft sagen wir nicht das, was die Leute hören wollen, sondern eben das, was wir sehen.

Dominik Klein: Dann kommt es natürlich noch darauf an, wer dein Publikum ist – ist das Sportdeutschland TV, wo es viele Insider gibt und du noch tiefer reingehen kannst oder ist das die ARD, wo auch Oma Hildegard aus Emsdetten zuschaut, die du dann ganz anders abholen musst, mit deiner Begeisterung, mit deiner Leidenschaft.

Sie sind dann demnächst wieder bei der Handball-WM ab Mitte Januar in Ägypten gefordert…

…genau, da musst du dich während eines Turniers auch mal fragen, was kommt denn bei Euren Familien, bei Euren Freunden an, die nicht täglich mit dem Sport zu tun haben. Sehen die die deutsche Nationalmannschaft, die mit ihren kantigen Kerlen leidenschaftlichen Handball präsentiert oder sehen die die Taktik, mit der das Team gegen Spanien verloren hat? Das immer wieder zu erarbeiten, da steckt schon viel dahinter. Das sind eben nicht nur die paar Minuten vor, in und nach der Sendung.

Dominik wird seinen Job von Köln aus erledigen, Isabell war während der EM auch nicht in Dänemark, sondern hat von Unterföhring aus kommentiert. Sind Sie froh, dass Sie mit Blick auf Corona nicht vor Ort waren?

Isabell Klein: In der Halle erlebst du die Spiele ganz anders – du siehst Dinge, die du so nicht mitbekommst. Ich persönlich kommentiere viel lieber in der Halle, aber mit Familie und Kindern ist es natürlich auch perfekt, wenn du nur ne Viertelstunde in die Arbeit brauchst und dann schnell wieder zuhause bist. Unter dem Gesichtspunkt Corona und Gesundheit hätte ich mich in Dänemark in dieser Bubble, in dieser Red Zone schon sicher gefühlt. Aber das war eine krasse Situation für die Mädels. Die saßen dort die ersten sechs, sieben Tage auf ihren Zimmern, sind runter gelassen worden zum Essen, eigene Räume, sind dann wieder hoch und zum Training. Das war’s, die durften nicht mal für einen Spaziergang vor die Tür.

Dominik Klein: Bei uns gibt es da ein klares Sicherheitskonzept – Stand jetzt hat die ARD vor Ort nur einen Kameramann und einen Tontechniker, Kommentator Florian Nass und Interviewer Lennert Brinkhoff bleiben in Deutschland. Ich werde mit Moderator Alexander Bommes im Sportschau-Studio in Köln stehen. Das Ganze wird diesmal nicht dieses Flair haben, wo man nahe dran ist an der Mannschaft oder auch mal schnell ein Facebook live mit einem Spieler macht.

Niederlage im entscheidenden Spiel gegen die wegen einiger Corona-Fälle mit einem B-Team angereisten Kroatinnen, Platz sieben in der Endabrechnung: Isabell, sind Sie enttäuscht vom Abschneiden der deutschen Frauen bei der EM?

Isabell Klein: Im Prinzip haben sie nur gegen Ungarn (32:25, d. Red.) ihre Leistung komplett abgerufen – das hat richtig Spaß gemacht. Es fehlt an Konstanz: Viel zu häufig sind sich die Spielerinnen mental gar nicht bewusst, was sie können. Es gab zu viele leicht Fehler, zu viele Situationen, in denen sie unter Druck falsch entscheiden. Zumal es in diesem Jahr gut möglich war, ins Halbfinale zu kommen. Die Trainer haben davon gesprochen, dass die Mannschaft in einem Prozess steckt – es wäre interessant zu erfahren, was ihre Aufgabe bei diesem Turnier war und ob sie diesen Schritt gemacht hat.

Was ist von den deutschen Männern bei der Weltmeisterschaft zu erwarten – gerade angesichts des Personaldebakels?

Dominik Klein: Der Kader stellt sich nach den vielen Absagen praktisch von allein auf. Die Frage wird sein, ob der DHB das als Chance sieht und das auch so formuliert: Mit Spielern zusammen zu wirken, die einen neuen Abwehr-Mittelblock stellen, die vielleicht sogar ein neues Abwehrsystem bedeuten, mit Alfred Gislason bei seinem ersten Turnier als Bundestrainer. Vielleicht geht es diesmal nicht darum, um die Medaillen mitzuspielen, sondern das Team unter diesen Umständen weiterzuentwickeln – ohne große Erwartungshaltung. Erwartungen sind der Anfang jeder Enttäuschung. Ich glaube, wir haben spannende Spieler-Charaktere, die wir so noch nicht auf internationalem Niveau gesehen haben. Ihnen sollten wir jede Rückendeckung geben.

Wir stehen am Ende eines herausfordernden Jahres – wie haben Sie diese Zeit erlebt? Persönlich, in der Familie?

Isabell Klein: Für uns hat das Jahr ganz normal begonnen. Dominik war im Januar bei der EM in Norwegen. Im Februar war dann meine heiße Bewerbungsphase als Betriebswirtin, die dann Anfang März abrupt gestoppt wurde. Corona-bedingt war das ein Vorteil für uns, weil ich mich komplett um die Kinder kümmern konnte und Dominik seine festen Tage beim Bayerischen Handball-Verband hatte. Extremsituationen, wie sie viele andere Eltern erlebt haben, blieben uns so erspart. Gerade im ersten Lockdown hatten wir grundsätzlich eine schöne gemeinsame Zeit. Wir haben noch nie so lange am Stück gemeinsam in einem Bett gelegen, das hatten wir jetzt drei Monate lang (lacht) – eigentlich ist ja einer von uns beiden immer weg.

Das war bestimmt auch für die Kinder eine super Geschichte. Ihr Sohn Colin ist im Sommer eingeschult worden.

Dominik Klein: Ich bin immer wieder erstaunt, wie toll er das alles macht. Wir hatten früher in der 9. oder 10. Klasse Informatik, und er weiß jetzt schon, wie er bei Teams als Erstklässler für einen Beitrag die Hand hebt. Toi, toi, toi – hoffentlich klappt das weiter so gut organisiert.

Wie war das am Tag der Einschulung? Waren da die Eltern dabei?

Dominik Klein: Ja, nur singen durften wir nicht (lacht) … im September ging das mit dem Termin gerade ganz gut, wenn auch Oma und Opa natürlich gerne dabei gewesen wären. Generell können wir uns überhaupt nicht beschweren, wir haben hier viel Auslauf…

Wie war das denn heute Morgen? Sie haben gemeint, zwischen 10 und 14 Uhr würde es irgendwann passen mit dem Interview, erst einmal sei Homeschooling angesagt. Was stand so an?

Isabell Klein: Staubsaugen! (lacht und zeigt auf Dominik, der lacht auch) Dominik Klein: Freitag ist der Tag für die Familie, ich bin ja beim BHV in einer 50-Prozent-Anstellung – das heißt, ich habe die Kleine in die Kita gebracht und Isi hat sich mit Colin dem Tagesplan der Schule gewidmet. Das wird dann abgehakt. Colin macht den einen Haken, Mama und Papa dürfen dann kontrollieren und den zweiten Haken setzen. Dann stand auch seine Bewegungspause auf dem Plan, und er ist neben uns hergefahren, während wir gejoggt sind.

Wie sieht Weihnachten unter diesen Umständen bei Euch?

Dominik Klein: In der Familie wollen sich alle in irgendeiner Form sehen. Auch die Großeltern, da machen wir uns schon so unsere Gedanken. Vielleicht mit einem Schnelltest oder einem Test kurz vor den Feiertagen, um einfach ein besseres Gefühl zu haben. Aber es ist ja alles schon Normalität, selbst für unsere Kinder – nach Hause zu kommen, die Hände zu waschen, sie zu desinfizieren. Die Kleine fängt schon an, in die Armbeuge zu niesen.

Sozusagen eine neue Normalität; die alte Normalität lässt vermutlich noch auf sich warten. Was nehmen Sie denn an positiven Erkenntnissen mit?

Isabell Klein: Wir haben uns an Masken gewöhnt oder an manche Einschränkungen. Aber es ist ja trotzdem ein banales Schicksal im Vergleich zu dem, was andere Menschen durchmachen. Unserem Sohn haben wir zum Beispiel erklärt, der Opa ist 1949 geboren, also nach dem Krieg. Und neulich gibt’s im Fernsehen einen Beitrag über Syrien, und er fragt: „Wieso, Mama – der Krieg ist doch lange vorbei!“

Dominik Klein: Wichtig ist, dass wir mit einem anderen Bewusstsein weitermachen. Wir sind eine Familie, die generell sehr Wertschätzung und Empathie lebt – den Moment, zu sagen: „Boah, uns geht’s gut!“ Diese Augenblicke habe ich in Zeiten der Pandemie intensiver wahrgenommen.

Isabell Klein: Es ist ja auch schön, dass wir jetzt viel mehr Zeit füreinander haben. Ich genieße es auch, bei Colin beim Fußballtraining dabei zu sein – das darf ich gar nicht laut sagen. (zwinkert).

Dominik Klein: (lächelt) Jeder Handballer muss gut Fußball spielen können. Im Ernst: Im Moment liegt alles brach, und ich habe so ein bisschen die Befürchtung, dass den Kindern das auch so gefällt, ohne den Sportverein. Da braucht’s dann eine Riesenwelle, einen Aufschwung, sie wieder zum Sport, im besten Fall zum Handball zu bringen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare