Bernd Schubert

Defibrillatoren retten Leben

  • VonHarald Hettich
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Interview mit Bernd Schubert, dem Vorsitzenden des TSV  Oberhaching, über Notfallmaßnahmen beim Sport

Oberhaching – Es war eine Schockwelle, die von einem Moment auf den anderen die Spieler und Betreuer auf dem Rasen, die Zuschauer auf den Rängen und die Menschen an den TV-Empfangsgeräten ergriff. Eben noch lief im Stadion zu Kopenhagen eine ganz normale Partie der Europameisterschaftsendrunde zwischen Gastgeber Dänemark und der finnischen Mannschaft. Dann war plötzlich alles anders. Ohne gegnerische Einwirkung sackte der dänische Spielmacher Christian Eriksen zusammen. Die Spieler gestikulierten. Sofort wurde eine Notbehandlung am kollabierten Eriksen eingeleitet. Der Defibrillator der Team- und Notärzte rettete dem 29-Jährigen, das wissen wir mittlerweile, gottseidank das Leben. Was ist in solchen Momenten, wenn der Sport und seine Ergebnisse plötzlich ganz weit in den Hintergrund rücken? Wie rüsten sich Clubs und Vereine gegen die omnipräsente Gefahr solch einschneidender, dramatischer Ereignisse. Wir haben darüber mit Bernd Schubert gesprochen. Der 69-Jährige ist Vorsitzender des TSV Oberhaching, einem der größten Breitensportvereine im südlichen Landkreis München.

Herr Schubert, der Vorgang vom Wochenende in Kopenhagen hat Sportler, Angehörige und Zuschauer gleichermaßen geschockt. Das wirft die Frage auf, inwieweit die Vereine und Gemeinden infrastrukturell auf eine solche Gefahrenlage vorbereitet sind. Wie schützt man beim TSV die eigenen Sportlerinnen und Sportler?

Nach einer breit angelegten Initiative quer durch die Gemeinde wurden in Oberhaching vor bald einem Jahrzehnt alle relevanten Einrichtungen mit einem Defibrillatorgerät ausgestattet. Unsere vor allem auch sportlich genutzten Hallen des Gymnasiums, der Grundschule Deisenhofen und die Kyberghalle sind seit Jahren mit diesen Geräten ausgestattet. Auch die Deisenhofner Fußballer verfügen über entsprechende Ausstattung.

Ausstattung ist das eine. Aber wer ist auch in der Lage, diese Geräte zu bedienen?

Zunächst kann man sagen, dass diese Geräte in der Bedienung sehr leicht zu handhaben, weil selbsterklärend sind. Diese Geräte weisen eine einfach strukturierte Gebrauchsanweisung auf und sind in den Eingangs- und Außenbereichen der Halle schnell und einfach für jedermann zugänglich. Zudem haben wir es uns beim TSV Oberhaching unter Funktionären und Übungsleitern zur Gewohnheit gemacht, erweiterte Erste-Hilfe-Kurse alle zwei bis drei Jahre aufzufrischen. Da ist auch dann auch das erste Herangehen an einen Verletzten oder Kollabierten fester Bestandteil.

Konnten oder besser mussten Sie im Verein die vorsorglich angeschaffte Technik und das Fachwissen der Übungsleiter schon einmal in der ernsten Praxis abrufen?

Ja, das war dramatisch. Ein älterer Herr war vor drei Jahren in einer Freizeitgruppe Gymnastik und Basketball kollabiert und zusammengebrochen. Der Mix aus schneller und erstklassiger Hilfe Umstehender und das entsprechende Gerät haben dem Mann das Leben gerettet. Heute geht es ihm gut. Hoffentlich erholt sich auch Christian Eriksen bald wieder. Viel wichtiger als der Sport sind gerade diese vorsorglichen Rahmenbedingungen. Das wird immer wieder deutlich. Neuestes medizinische Geräte gehören in jeden Sportbereich .Wir sind da, denke ich, so gut wie möglich vorbereitet.

Das Gespräch führte

Harald Hettich.

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