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Ein Foto aus unbeschwerten Zeiten: Jakob Paulicks (r.) mit Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen.

„Sind noch einen großen Schritt entfernt“

  • vonHarald Hettich
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Jakob Paulicks im Interview zu den Erstliga-Ambitionen der Turner von Exquisa Oberbayern: „Sind noch einen großen Schritt entfernt.“

Unterhaching – Jakob Paulicks ist als Teamchef der erfolgreichen Kunstturnriege von Exquisa Oberbayern nicht nur ganz nah dran an seiner Mannschaft. Als langjährig erfolgreicher Turner und Langzeitmitglied der Riegen beim TSV Unterhaching als dem wichtigstem Entsendeverein des Turnverbundes in der 2. Bundesliga ist der Deutsche Vizemeister am Reck von 2017 ein echter Experte. Vor allem aber schwingt auch bei Jakob Paulicks der Frust und die Enttäuschung durch, welche die Pandemie auch bei den Mattenkünstlern vom Utzweg verursacht hat. „Das Sportjahr war eher zum Vergessen“, sagt er Zeitung. Dabei hatte nach einem trainingstechnischen Total-Lockdown die Punkterunde in der 2. Liga verheißungsvoll begonnen. Der Aufstieg in Liga eins sollte 2020 mit einem jungen, aber in den vergangenen Jahren auch bereits gereiften Kader angegangen werden. Mit Kantersiegen aus den ersten Liga-Wettkämpfen und aufwändigen Hallen-Hygienekonzepten ließ sich der Herbst gut an, doch Corona bremste den Liga-Betrieb endgültig aus. Über den Dauerfrust, aber auch über hoffentlich neue Sport-Horizonte 2021 hat der Münchner Merkur mit dem 30-jährigen Münchner gesprochen.

Die Saison in der 2. Bundesliga ist Historie. Wie halten sich die „Exquisas“ derzeit für neue sportliche Höhenflüge im kommenden Jahr fit? Wie sehen die Trainingstage derzeit aus?

Bis zum 16. Dezember lief das Training corona-entsprechend normal. Unsere Hygienekonzepte mit Lüftungszeiten, Abstandsregeln, Desinfektionen und anderem mehr müssen eingehalten werden. Aber das Training lief inhaltlich relativ unverändert ab. Jetzt wird ohnehin der Fuß etwas vom Gas genommen – auch einmal eine Runde Fußball auf der Bodenmatte gespielt. Auch der Kraftraum ist aber weiter gut besucht (lacht). Wir werden dann bald sehen, wer nur gekickt oder wer in der Folterkammer regelmäßig die 100 Kilo beim Bankdrücken gepresst hat.

Wie sehen vor dem allgegenwärtigen Pandemie-Hintergrund die wohl schwierigen Planungen und Vorbereitungen für das neue Sportjahr aus? Sind die Zweitliga-Strukturen bei Exquisa gefährdet? Welche Neuerungen zeichnen sich bereits jetzt für 2021 ab?

Die Saison 2021 geht komplett wieder bei Null los – wenn sie überhaupt stattfindet. Wir werden uns nach den jeweiligen Möglichkeiten vorbereiten und natürlich wieder versuchen, das Optimum zu erreichen. Insgesamt ist das Team bereit und gut aufgestellt. Sowohl sportlich als auch organisatorisch. Personell werden wir wohl unverändert in das neue Jahr gehen. Eventuell stößt mit Leo Kühl ein junger und talentierter Turner vom Partnerverein aus Mühldorf zum Zweitliga-Team.

Apropos Optimum und 2. Liga. Bleibt der bereits angepeilt gewesene Aufstieg in Liga eins ein realistisches Ziel auch in der nahen Zukunft?

Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Wenn ich die Leistungen in der 1. Liga verfolge, dann sehe ich, dass wir davon schon noch einen sehr großen Schritt entfernt sind. Wir alle im Team arbeiten aber an dieser notwendigen Niveausteigerung. Jetzt aber Prognosen für den im August geplanten Ligastart zu erstellen, ist nicht möglich. Im Training halten wir uns so ein Ziel natürlich vor Augen. Das motiviert ungemein.

Lassen Sie uns auf die nahe Zukunft blicken. Wann glauben Sie, wird ein relativ normaler Trainingsbetrieb nach dem Lockdown wieder möglich sein? Es gibt ja auch Gedankenspiele, durch ein oder anderen Wettkampf die lange Zeit bis zum nächsten Sommer auch sportlich zu überbrücken.

Ich vermute, die Beschränkungen werden mindestens bis Ende Januar nötig sein. Wenn wir ab Februar wieder regulär in die Halle kommen, wäre das super. Wir müssen das nehmen, wie es kommt. Mögliche Show- oder Einlagewettkämpfe während des gestoppten Teamtrainingsbetriebs sind derzeit eher nicht vorstellbar.

In hektischen Zeiten, in denen jeder vorwiegend auf die künftigen Entwicklungen blickt, ist jüngst ein Mann von uns gegangen, der die Vergangenheit und Gegenwart im Verein als Talente-Entdecker, toller Trainer und umsichtiger Betreuer entscheidend mitgeprägt hat. Richard Hörle ist 2020 verstorben. Was hat dieser Mann für den Verein bedeutet?

Jeder in Verein und Umfeld weiß, wie wertvoll sein sportliches und organisatorisches Engagement, aber auch seine ganze Persönlichkeit waren. Es ist unglaublich, was der Richard hier aufgebaut hat. Wir alle hier haben in jeder Hinsicht durch ihn profitiert und uns weiterentwickelt. Wir sind immer noch unfassbar traurig.

Das Gespräch führte Harald Hettich.

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