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Die Latte bleibt liegen: Benjamin Müller (34) aus Unterschleißheim meistert die 2,50 Meter beim Stabhochsprung.
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„Mir kommt der Mehrkampf entgegen“: Regina Rettenmaier (25) vom VfR Garching beim Weitsprung.
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Joey Gandenberger (46) aus Ismaning beim Kugelstoßen beim Jedermann-Zehnkampf in Garching.
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2,60 Meter sind zu hoch für Benjamin Müller (34) aus Unterschleißheim beim Stabhochsprung beim Jedermann-Zehnkampf in Garching
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Klaus Aufinger (52) vom TSV Ottobrunn beim Stabhochsprung beim Jedermann-Zehnkampf in Garching.
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Katja Puschkarsky vom TSV Ottobrunn beim Stabhochsprung beim Jedermann-Zehnkampf in Garching.
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Almut Donald (43) vom TSV Ottobrunn beim Speerwerfen beim Jedermann-Zehnkampf in Garching.
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Ulrich Lortz, Trainer und Organisator vom VfR Garching beim Jedermann-Zehnkampf.

Im Blickpunkt – Jedermann-Zehnkampf in Garching

Weiten und Höhen sind nur eine Randnotiz

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Der Zehnkampf gilt als Königsdisziplin der Leichtathletik und mithin zu anspruchsvoll für Hobby-Sportler. Dass Letzteres nicht stimmt, haben nun rund 50 Athleten in Garching bewiesen – beim Jedermann-Zehnkampf.

Garching – Ein letztes Mal visiert Sébastien Biau die Latte an, die dort oben in schwindelerregender Höhe liegt. Dann lupft er die Spitze seines rund vier Meter langen Sprungstabs gen Himmel und läuft los, immer schneller werdend. Kurz vor der Sprungmatte sticht Biau den Stab in den Boden, biegt ihn wie eine Feder, katapultiert seinen Körper dadurch in die Luft und segelt schließlich über die Latte, die vier Meter über der Erde liegt. Oder anders ausgedrückt: Der 28-Jährige aus Frankreich hätte soeben auch über den Dreimeterturm im Freibad springen können – sogar, wenn obendrauf noch ein Einmeterbrett montiert wäre.

Man muss sich diese Höhe bildhaft vor Augen führen, um zu erahnen, welche Kraft, Koordination und Technik hinter dem Sprung stecken – der bei Sébastien Biau so locker wirkt, als hüpfe er über einen Turnbock. Wobei der Franzose an diesem Tag auch die große Ausnahme in Garching ist: Biau bereitet sich gerade auf die nationalen Titelkämpfe vor, war dafür noch auf der Suche nach einem Wettkampf und hat sich daher, weil er gerade einen Bekannten in der Nähe besucht, für den Jedermann-Zehnkampf im Seestadion angemeldet – ungeachtet dessen, dass hier außer ihm fast nur Hobby-Athleten an den Start gehen.

Und bei denen wiederum wirkt es nicht mehr ganz so locker, wenn sie mit dem Stab in der Hand auf die Latte zusteuern. „Stabhochsprung ist von der Technik her die schwierigste Disziplin“, sagt auch Benjamin Müller voller Respekt. Der 34-jährige Unterschleißheimer kommt eigentlich vom Fußball; erst vor vier Jahren, als er das Sportabzeichen machen wollte, sei er auf die Leichtathletik gestoßen „und irgendwie hängen geblieben“. Weil Müller, wie er selbst sagt, „nichts richtig kann, aber alles ein bisschen“, hat er schon 2016 bei der ersten Auflage des Jedermann-Zehnkampfs in Garching mitgemacht – und mit 3546 Punkten den ersten Platz belegt.

Wobei man dazu sagen muss: Bei strömendem Regen gingen damals zehn Sportler an den Start; acht davon hielten bis zum Schluss durch. Doch nach der holprigen Premiere waren es im Vorjahr bereits rund 45 Hobby-Athleten, die sich an zwei Tagen an einem originalgetreuen Zehnkampf versuchten – vom 100-Meter-Sprint bis zum finalen 1500-Meter-Lauf. „Zehnkampf übt immer noch eine hohe Faszination auf viele Sportler aus“, sagt Philipp Dörr, Trainer am Leichtathletik Förderzentrum München (LFZ). Dörr war als Jugendlicher selbst Mehrkämpfer, und von ihm stammt die Idee zu dem Jedermann-Zehnkampf, für den das LFZ mit den Leichtathleten des VfR Garching kooperiert.

Dort gibt es inzwischen – genauso wie am LFZ – eine Trainingsgruppe, die sich gezielt auf den Wettkampf vorbereitet. In den vergangenen Monaten hat sie Ulrich Lortz betreut, der zugleich Chef-Organisator aufseiten des VfR ist. „Das hier ist eine Breitensport-Veranstaltung“, sagt Lortz. „Den meisten Teilnehmern geht es nicht darum, beim Stabhochsprung vier Meter zu überqueren, sondern um das Gefühl am Ende, wenn man einen Zehnkampf ganz geschafft hat.“ Außerdem wüssten die Teilnehmer den Zusammenhalt untereinander zu schätzen, betont der VfR-Trainer: „Hier feuert jeder den anderen an und freut sich für ihn, wenn er eine gute Leistung erreicht.“

Wie zum Beweis stimmen die Umstehenden kurz darauf in rhythmischen Klatschen ein – nicht etwa bei Sébastien Biau, der erst viel später in den Stabhochsprung-Wettbewerb einsteigt, sondern bei Benjamin Müller. Der Unterschleißheimer hat bei 2,50 Meter schon einmal gerissen, doch im zweiten Versuch – unter dem Jubel der anderen Athleten – wuchtet er sich über die Latte, ehe er bei 2,60 Metern dreimal scheitert. Dennoch ist Benjamin Müller zufrieden – mit seiner Höhe beim Stabhochsprung und mit seiner Gesamtleistung an den zwei Tagen. Mehr als 4000 Punkte habe er sich vorgenommen, sagt Müller – stolze 4215 sind‘s am Ende geworden.

Den Sieg holt sich erwartungsgemäß Sébastien Biau mit 5773 Punkten – rund 500 Zähler vor dem Zweiten, Lukas Fischer vom TSV Ottobrunn. Und doch sind all die Weiten, Höhen und Punkte für die meisten Teilnehmer nur eine Randnotiz. Auch Benjamin Müller betont: „Wir haben hier zwei Tage lang Spaß, bei jeder Disziplin“ – sogar beim Stabhochsprung.

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