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Kinderfußball vor radikalster Reform

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Von: Patrik Stäbler

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Begeisterung für den Fußball verstärken: In der G-Jugend soll im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei auf vier Minitore gespielt werden Kopfbälle wird es kaum mehr geben
Begeisterung für den Fußball verstärken: In der G-Jugend soll im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei auf vier Minitore gespielt werden Kopfbälle wird es kaum mehr geben © Halmel

Abkehr vom Ligabetrieb, mehr Spaß, weniger Leistungsdruck, Schutz der Gesundheit.

Landkreis – Der Kinderfußball in Deutschland steht vor ei-nem Umbruch. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die vermutlich radikalste Reform aller Zeiten für die Altersklassen bis hinauf zur E-Jugend beschlossen. Beim DFB er-hofft man sich durch die Neuerungen mehr Spaß, we-niger Leistungsdruck und ei-nen besseren Schutz der Ge-sundheit. Die neuen Regeln, die vor allem geringere Mannschaftsgrößen, kleinere Spielfelder und eine Abkehr vom klassischen Ligabetrieb vorsehen, werden zur Saison 2024/2025 bundesweit in Kraft treten. „Die Maßnahmen sollen die individuelle sportliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auf spielerischem Weg fördern, ihre Begeisterung für den Fußball verstärken und sie so als langfristige Mitglieder an die Fußballfamilie binden“, sagt Ronny Zimmermann,zuständiger DFB-Vizepräsident für Kinder- und Jugendfußball. „Wir müssen wie Kinder denken, nicht wie Erwachsene. Nur Kinder, die Spaß und Freude am Spiel entwickeln, werden dem Fußball erhalten bleiben.“

Konkret sieht die Reform vor, dass in der G-Jugend (U6/U7) verbindlich im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei auf vier Minitore gespielt wird – analog zum sogenannten Funino. Gleiches gilt für die F-Jugend (U8/U9), wo der DFB das Drei-gegen-Drei empfiehlt, aber auch vier oder fünf Spieler je Team zulässt. In der E-Jugend (U10/U11) ist dann ein Fünf-gegen-Fünf bis maximal Sieben-gegen-Sieben angedacht; zudem erfolgt hier der stufenweise Übergang zum Einsatz von Kleinfeldtoren und Torhütern. „Die neuen Spielformen sollen allen auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance geben, den Ball selbst am Fuß zu haben“, erklärt Zimmermann. „Sie sollen aktiv am Spiel teilnehmen und möglichst viele Tore schießen.“ Im Weiteren sieht die Reform – um den Leistungsdruck zu minimieren – eine Abkehr von der klassischen Meisterschaftsrunde in der G-und F-Jugend vor.

Auch Tabellen wird es dort nicht mehr geben. Stattdessen treten die Kinder bei Spielenachmittagen und Festivals zusammen mit etlichen anderen Mannschaften und auf mehreren Spielfeldern an. Je nach Ausgang einer Partie steigen die Teams während des Turniers ins nächste Feld auf oder ab. Durch diesen neuen Modus würden mehr Spiele verloren und gewonnen, heißt es vonseiten des DFB, „sodass Kinder den Umgang mit Siegen und Niederlagen noch besser erlernen“.

Ein weiterer Aspekt der Re-form betrifft das Kopfballspiel im Kinderbereich, das durch die neuen Regeln nahezu ausgeschlossen werde, heißt es beim DFB. Grund ierfür seien die deutlich kleineren Spielfelder. Außerdem würden Einwurf und Abstoß durch das Eindribbeln ersetzt; Abschläge durch den Torwart fänden demnach kaum mehr statt. „Wir wollen im Nachwuchsbereich achtsamer mit den Auswirkungen des Kopfballspiels umgehen. Neuere Befunde geben uns hierzu Anlass“, sagt Claus Reinsberger. Der Professor für Sportmedizin von der Universität Pader-born betreut in der Medizini-schen Kommission des DFB das Thema „Kopfverletzun-gen beim Fußball“. Er betont: „Wir setzen dabei gezielt aufnachhaltige Wirkung statt auf kurzfristige Verbote .Dass die Kleinfeld-Spielformen die Zahl der Kopfbälle für Kinder deutlich reduzieren, begrü-ßen wir aus medizinischer Sicht ausdrücklich.“

Die weit reichenden Refor-men im Kinderfußball sollen etappenweise in die Fläche ausgerollt werden. Den Landesverbänden wird in der Übergangszeit bis Sommer 2024 empfohlen, die neuen Spielformen in den Altersklassen U6bis U11 einzusetzen – jedoch besteht dazu noch keine Verpflichtung. Erst mit Beginn der Saison 2024/2025 gelten die Regeln dann verbindlich in ganz Deutschland.

Kopfbälle wird es kaum mehr geben

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