Bereit für das Lauf-Fernduell: Die D-Jugendlichen trainieren kontaktlos in der Gruppe. Foto: TSV Ismaning
+
Bereit für das Lauf-Fernduell: Die D-Jugendlichen trainieren kontaktlos in der Gruppe.

Wie der TSV Ismaning seine Nachwuchsspieler in Corona-Zeiten bei der Stange hält

Krapfen-Kurier und Handballteufel

  • vonGuido Verstegen
    schließen

Ismaning – Wenn es der Inzidenzwert zulässt, nutzt der Handball-Nachwuchs des TSV Ismaning das dieser Tage zum kontaktfreien Outdoor-Training. „Den Kindern und Jugendlichen hat da doch ganz schön was gefehlt“, sagt Trainerin Antje Perse. Dabei haben sie und ihre Kollegen sich so einiges einfallen lassen, dass auch die in Corona-Zeiten üblichen Online-Einheiten für die Kids zu einem einzigen Vergnügen wurden.

Die Szenerie hatte etwas Skurril-Sympathisches: Am 16. Februar setzte sich Alexander Miladic in sein Auto und startete seine ganz persönliche Liefertour – 22 Krapfen für seine 22 Handballer in der männlichen C-Jugend des TSV Ismaning. „Ich hatte die Jungs zuletzt Ende Oktober gesehen, und angesichts der ständigen E-Sessions stellte sich gerade eine gewisse Behäbigkeit ein“, erzählt der 27-jährige Coach, „da wollte ich der Truppe einfach was Gutes tun.“

Die Eltern seiner Schützlinge waren in den Plan eingeweiht, die Jungs sowieso auf Online-Training eingestellt. „Ich hab‘ das ein bisschen unterschätzt, ich war rund dreieinhalb Stunden unterwegs“, sagt Miladic, der sich – vor der Haustür und auch Abstand – natürlich auch mal verquatschte. Seine Jungs freuten sich wahnsinnig über den überraschenden Besuch, zumal Teile der Mannschaft ihren Trainer überhaupt noch nicht kannten, weil der 2008er-Jahrgang gerade dazugekommen war. Miladic: „Auch die Eltern haben sich sehr bedankt, ich hab‘ jetzt einen großen Weinvorrat daheim…“

In deren oftmals von einer explosiven Mixtur aus Homeoffice und Homeschooling geprägten Corona-Alltag ist der Vereinssport eine willkommene Ablenkung. „Die Eltern wissen es einfach zu schätzen, dass sich die Trainer in diesen schwierigen Zeiten so viel Mühe geben“, berichtet der Sportliche Leiter Florian Bamberger, selbst Trainer der weiblichen C-Jugend. „Wir im Verein sind sehr glücklich darüber, dass wir so viele engagierte Übungsleiter haben – alle miteinander haben tolle Ideen umgesetzt, und das weit über den üblichen Rahmen eines Online-Trainings hinaus.“

Nicht zuletzt deshalb halten die Kinder und Jugendlichen dem TSV Ismaning weiter die Stange. „Soweit ich weiß, hat es da noch keine Corona-bedingte Abmeldung gegeben“, sagt Bamberger nicht ohne Stolz. Er hat sich für seine Truppe auch einiges einfallen lassen.

Höherklassig spielende Ex-Isis wie Amelie Bayerl (ESV Regensburg), Anja Kreitczick (HC Leipzig) oder Lisa Antl (Buxtehuder SV) zogen mit seinen Mädels ein spezielles Workout durch, Lisa Frank von den Bayernliga-Frauen – sie arbeitet als Leitung in einem Fitness-Studio, hat sich im Bereich Personaltraining und Ernährungsberatung im Bereich selbständig gemacht – backte mit ihnen ein Bananenbrot. Bamberger: „Es war schon lustig, wie sie da alle mit ihren Laptops in der Küche standen.“

Bei den unter 14-Jährigen – von der C-Jugend bis runter zur E-Jugend – nutzten die Teams in den letzten Tagen so ziemlich jede Gelegenheit, um bei entsprechender Sieben-Tage-Inzidenz kontaktlos im Freien zu trainieren. „Das tat uns allen richtig gut“, sagt Antje Perse. Die 39-Jährige verantwortet unter anderem das Projekt „Ismaninger Handballteufel“ – dabei geht es darum, die Fähigkeiten der Kids über Jahre zu entwickeln und die Fortschritte einmal im Jahr bei einer spielerisch-sportlichen Prüfung zu messen – und brachte dieses Prinzip gemeinsam mit ihren Trainerkollegen auch in Lockdown-Zeiten unterhaltsam ein.

In den fünf Wochen vor Weihnachten gab es jeden Sonntag auf die Altersklassen E-Jugend, Bambinis, Minis abgestimmte Prüfungen, die Teilnehmer bekamen einen entsprechenden Pass zugeschickt. „Der Handballteufel war ja ausgefallen, so haben wir ihn nachgeholt“, erzählt Antje Perse. Die Kids und ihre assistierenden Eltern waren mit Feuereifer bei der Sache, alle wussten genau, was zu tun war, weil gleichaltrige Protagonisten die Übungen in pfiffigen Videos erklärten.

Am Ende waren die Verantwortlichen vom Erfolg der Challenge so überrascht, dass es zunächst nicht genügend Pokale gab. „55 hatten wir besorgt, 77 der 100 Teilnehmer verdienten sich am Ende den Preis“, sagt Antje Perse. Am 23. Dezember durften sie Trophäe und Urkunde vor der Realschulturnhalle abholen, jede Familie hatte ihren fest geplanten Hygiene-Slot, die Preise standen aufgereiht vor der Halle: „Wir haben einfach mal darauf vertraut, dass die keiner mitnimmt.“

Kurz vor Ostern dann das nächste Highlight, die weibliche und die männliche D-Jugend lieferten sich ein spektakuläres Fernduell: Sie sollten die virtuelle Strecke nach Erlangen und Fürstenfeldbruck hin und zurück laufen. Der HC Erlangen ist die Bundesliga-Heimat des Ex-Ismaningers Benedikt Kellner, beim Zweitligisten TuS Fürstenfeldbruck spielt Johannes Stumpf. Insgesamt 383 Kilometer, kontrolliert und gemessen von ihren Trainern.

Die Mädels waren da deutlich fleißiger, kamen sogar auf 486 Kilometer und besiegten die Buben, die ihr Pensum ebenfalls bis zum verabredeten Ostersonntag erreichten. „Wenn mal wieder Zuschauer erlaubt sind, werden sich die Jungs ein Spiel der Mädchen in Trikot und Badehose ansehen müssen!“, lacht Antje Perse. Hintergrund: Für die Buben ist das Mädels-Team nämlich „der Schwimmverein“ – weil es da beim Training immer so laut ist wie im Schwimmbad. Das haben sie nun davon…

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare