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Quirin Lechner

Tischtennis als Freiluftsport?

  • vonHarald Hettich
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So ist die Lage des Tischtennissports im südlichen Landkreis München. Ein Gespräch

LandkreisHallensportarten wie Tischtennis ächzen unter der Pandemielast besonders. Bis auf die Eliteklassen der 1. Bundesliga bei Männern und Frauen, in denen derzeit in den Playoffs die nationalen Titelträger ermittelt werden, wurde der Spielbetrieb bereits im Februar endgültig abgesagt und die Saison ersatzlos gestrichen. Daneben leiden die Vereine besonders unter dem Umstand, dass derzeit auch keinerlei Hallentraining für die Amateurteams abgehalten werden kann. Viele Vereine reagieren mit Not- und alternativen Trainingsprogrammen. Aber auch die Angst vor Austrittswellen geht bei den Sportlern um. Wir haben mit drei Vereinsvertretern aus dem südlichen Landkreis über die aktuelle Situation, den Umgang mit der Krise und mögliche Lichtblick-Szenarien gesprochen. Jugendleiterin Daniela Pitz vom TSV Hofolding sowie die beiden Tischtennis-Abteilungsleiter Reiner Elmers (TSV Ottobrunn) und Quirin Lechner (SV Helfendorf) gaben Ein- und Ausblicke. Dabei wurde eines klar: Die mancherorts zuletzt durchaus ernsthaft ins Spiel gebrachte Alternativlösung eines vermehrten Tischtennisbetriebs draußen und damit auch in Coronazeiten erweiterten Trainings- und Spielformen stieß bei allen Drei auf Skepsis.

Wie kommen Sie mit ihren Vereinen durch die Corona-Zeit? Bieten Sie Ihren Sportlerinnen und Sportlern Interimstrainingsformen an oder ruht der Ball völlig?

Daniela Pitz: Es findet keinerlei Training in der Halle statt. Wir bieten aber gerade für unsere Kinder und Jugendlichen verschiedene Online-Angebote an. Etwa regelmäßige workouts, Online-Brettspiel-Nachmittage mit Spiel und Spaß. Wir planen auch Events wie Online-Escape-Rooms. Sobald es das Wetter zulässt wollen wir auch Radausfluge veranstalten.

Reiner Elmers: Wir bieten aktuell keine alternativen Trainingsformen an. Wir warten sehnsüchtig auf die Öffnung der Ferdinand-Leiß-Halle. Unsere Sportlerinnen und Sportler trainieren halt derzeit zuhause, so sie über eigene Tischtennisplatten verfügen.

Quirin Lechner: Im Herbst konnten wir noch eingeschränkt trainieren und bis Ende Oktober auch noch Punktspiele durchführen. Aktuell findet aber nichts mehr statt. Es nagt an uns allen, dass wir derzeit kein Angebot für unsere Aktiven bieten können. Immerhin wollen wir aber nach Ostern für unsere Kinder und Jugendlichen draußen ein Alternativtraining anbieten.

Angesichts der Dauer des sportlichen Dauer-Lockdowns in den Hallen scheinen echte Perspektiven der Vereine für Ihre Athleten besonders wichtig zu sein. Wie ist die Resonanz vonseiten der Sportler auf die aktuelle Situation? Haben Sie auch vermehrt mit Austritten zu kämpfen?

Reiner Elmers: Wir hatten hier in Ottobrunn in den vergangenen Monaten gottseidank nur vereinzelte Austritte. Und diese auch aus durchaus sehr unterschiedlichen Gründen. Einen verstärkten Einfluss der Pandemie können wir hier nicht erkennen. Unseren Mitgliedern danken wir natürlich in der schweren Zeit für das Vertrauen sehr.

Quirin Lechner: Auch wir müssen gottseidank keine Austrittswelle verkraften. Aber wieviele wirklich weiterspielen, wird sich wohl erst weisen, wenn wieder geregelter Spielbetrieb möglich ist.

Daniela Pitz Ja, wir müssen zwar derzeit keine vermehrten Austritte melden. Aber uns fehlt natürlich ganz klar die Möglichkeit, neue Mitglieder zu gewinnen. Ob hygienebedingte Reduzierung der Hallenkapazitäten oder strikte Kontaktbeschränkungen – all das macht auch die Werbung für unseren tollen Sport fast unmöglich. Mund-zu-Mund-Propaganda reicht da nicht.

Zuletzt wurden wurden Rufe lauter, Tischtennis womöglich mehr nach draußen zu verlagern. Nicht nur in Sachen Training. Auch bei Spielen und Meisterschaften denkt mancher Funktionär an eine „Umsiedlung“. Tischtennis draußen - kann das angesichts der Nöte drinnen eine echte Alternative sein?

Daniela Pitz:Tischtennis draußen, das ist ein netter Zeitvertreib, hat aber aufgrund gleich mehrerer Faktoren wenig mit dem Wettkampfsport Tischtennis drin zu tun. Ob Sonneneinstrahlung, Winde, Feuchtigkeit, Beschaffenheit der Böden und damit höhere Verletzungsgefahren, Kosten und reduzierte Haltbarkeit der Ausstattung – viele maßgebliche Gründe sprechen dagegen. Gegen ein Spaßturnier unter Freunden draußen spricht nichts. Für effektives Training ist die Halle Grundvoraussetzung.

Reiner Elmers: Richtig. Der größte Gegner beim Tischtennis unter freiem Himmel ist nun einmal der Wind. Für manche Aktive mag es eine Möglichkeit sein, sich durch ein Training draußen ihren Spielrhythmus zu bewahren. Ich persönlich kann damit nur wenig anfangen.

Quirin Lechner: Ich bin ebenfalls kein großer Fan davon. Der leichte Ball wird zu leicht auch Opfer der Winde. Richtig Tischtennis - das funktioniert draußen einfach nicht. Aber es ist sicher eine Möglichkeit, einfach mal wieder an die Platte zu gehen und ein paar Bälle zu spielen. Und vor allem um Spaß zu haben in diesen speziellen Zeiten.

Ich entnehme Ihren fachlichen Aussagen eine klare Absage für leistungsorientiertes Tischtennis unter freiem Himmel. Also Hand aufs Herz: Wann rechnen Sie wieder mit einem zumindest relativ normalen Trainings- und dann auch Spielbetrieb?

Quirin Lechner: Ich habe schon die Hoffnung, dass wir ab Mai wieder eingeschränkt und mit strengen Vorgaben in der Turnhalle trainieren können. Mit etwas Glück sollte ab Herbst auch eine neue Saison machbar sein, die wir dann hoffentlich auch durchspielen können. Vieles steht noch in den Sternen. Wir müssen optimistisch bleiben.

Reiner Elmers:Mit Prognosen tue ich mich nach den Eindrücken der letzten Monate schwer. Ja, ich hoffe auch auf eine Hallenöffnung ab Mai. Und und vor allem darauf, dass die Hallen dann auch länger offen bleiben als zuletzt. Beim Spiel- und Ligabetrieb haben Verband und Politik natürlich das letzte Wort. Der Spielbetrieb könnte wohl im September wieder beginnen.
Daniela Pitz: Für mich gleicht ein Ausblick derzeit einem Blick in die Glaskugel. Ja, wenn alles gut geht und alle geimpft sind, könnte der Spielbetrieb im September starten. Aber derzeit ist ja noch sehr unklar, inwieweit uns brasilianische oder südafrikanische oder andere Mutationen uns mögliche Erfolge und Fortschritte wieder zunichte machen. Es bleibt nur Optimismus.

Das Gespräch führte
Harald Hettich.

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