Verheerende Lage in Spanien: Über 800 Corona-Tote an einem Tag - Militär bringt Leichen weg

Verheerende Lage in Spanien: Über 800 Corona-Tote an einem Tag - Militär bringt Leichen weg
+
Sprunggewaltig und ohne Furcht : Marc Delbrock ist ein leidenschaftlicher Eiskunstläufer, der in Berlin bei der Jugend-DM seinen bislang größten Erfolg feierte. 

Eiskunstlauf

Marc Delbrouck: Einzigartiger Eiszänzer

Die 1400 Sitzplätze im Erika-Heß-Eisstadion in Berlin-Wedding sind bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Einzellaufen fast alle besetzt. Für einen kurzen Moment wird es ganz still, alle Augenpaare sind auf die Eisfläche gerichtet. Dann setzen die ersten Takte von Bryce Fox Elektro-Popsong „Horns“ ein, und für den 15-jährigen Eiskunstläufer Marc Delbrouck aus Anzing beginnt der bisher wichtigste Kurzprogrammlauf seines Lebens.

Ottobrunn – Im Moment der ersten Schritte, so erzählt Marc, ist die große Anspannung und Nervosität auf dieser großen Bühne schlagartig dem Fokus auf die Laufroutine, der Ausführung der einzelnen Elemente gewichen. Dass er das Siegerpodest in der Endabrechnung von Kurzprogramm und Kürlauf mit Platz vier knapp verpasst, kann der Läufer des ERSC Ottobrunn schnell verschmerzen. „Für mich war es grundsätzlich schon ein Erfolg, dass ich dort überhaupt mitlaufen konnte.“

Der Sprung in Deutschlands Elite-Klasse für leistungsorientierte Eiskunstläufer aus dem Breitensport (Kategorie B) ist im Fall von Marc Delbrouck keinesfalls auf dem Reißbrett entstanden oder rührt von ehrgeizigen Eltern-Fantasien her. Mutter Cathrin kommt aus dem Reitsport, der Vater war im Kampfsport und die Söhne seit frühester Kindheit in der Leichtathletikabteilung des SV Anzing aktiv.

Cathrin Delbrouck ist bis heute begeistert von der Kreativität und dankbar für die Unterstützung der Anzinger Übungsleiter für die punktuell besonderen Bedürfnisse ihres Sohnes. Marc wurde linksseitig ohne Unterarm und mit verkürztem Oberarm geboren. Er selbst geht damit offen und pragmatisch um: „Ich kenn‘s ja nur so und so passt’s. Es heißt natürlich Handicap, aber da ich es nicht anders kenne, ist es für mich normal. Und ich habe auch noch nichts erlebt, was ich nicht irgendwann mitmachen konnte.“ So findet sich beispielsweise für das Fahrradfahren eine einseitig modifizierte Konstruktion aus dem Rennradsport zur Armauflage.

Wenn es schneit und friert, steht Marc mit seiner Familie auf Ski- und Schlittschuhen und entwickelt so eine Begeisterung für den Wintersport. Mit dem Vereinssport auf Eis kommen die Delbroucks durch Marcs vier Jahre älteren Bruder John in Berührung, als der mit elf Jahren in Ottobrunn mit dem Eishockey anfängt. „Ich habe damals schon viel getanzt und Ballett gemacht“, ist Marc bei einem seiner ersten Besuche im Eisstadion einerseits von der spiegelglatt präparierten, weiß-glitzernden Eisfläche fasziniert; andererseits von den ausgehängten Bildern der Kufen-Tänzerinnen in ihren Glitzerkostümen. „Da habe ich meine Mutter gefragt, ob man wirklich auch auf Eis tanzen kann.“ Eine Internetrecherche später lautet Cathrin Delbroucks Antwort: „Ja. Ich wusste das, ehrlich gesagt, gar nicht.“

Die ERSCO-Trainerin Andrea Engl nimmt Marc fortan unter ihre Fittiche und bringt dem Tanztalent erste Schritte und Schwünge auf dem Eis bei. Mit den Jahren und Marcs Fortschritten wird der Unterricht zeitintensiver und beginnt schließlich mit den Trainingszeiten der Anzinger Leichtathleten zu kollidieren. In einem „schleichenden Prozess“ entscheidet sich Marc schließlich gegen die Lauf- und für die Eisbahn und kommt in Ottobrunn 2016 mit der ehemaligen Profi- Eiskunstläuferin und Trainerin Vera Burding von Meyeren zusammen. „Vera hat mich in ihre Leistungsgruppe reingenommen, drei-, viermal die Woche trainiert und meine Leidenschaft und auch Ambitionen so richtig geweckt.“

Seitdem sind die meisten Nachmittage und Wochenenden für den „Spaß und die Freude am Eiskunstlaufen“ oder die Physiotherapie verplant, die Marc von klein auf begleitet und Voraussetzung für ein ganzheitlich-beidseitiges Körperwachstum ist. Geeignete elektronisch gesteuerte Wettkampfprothesen für mehr Schwung- und Sprungkraft gibt es nach Marcs Kenntnisstand für den Eiskunstlauf übrigens noch nicht. „Das Problem ist das Ellenbogengelenk, da gibt es noch keins, das elektronisch beweglich und leicht genug ist.“ Zudem wäre eine geeignete künstliche Verlängerung für sein angeeignetes Bewegungsmuster wohl eher hinderlich.

Vergleichsfälle kennen die Delbroucks nicht. „Ich habe weltweit noch keinen einarmigen Eiskunstläufer gesehen“, sagt Cathrin Delbrouck. „Viele Läufer verstehen auch gar nicht, wie Marc mit nur einem Arm Schwung holt und bremst.“ Für Marc stellt sich die Frage nach dem Wie gar nicht. Er macht einfach.

Inzwischen meistert er die Anforderungen der dritthöchsten Kürklasse im Einzellauf und strebt damit beim Deutschlandpokal in Dortmund (5. bis 8. März) vorsichtig einen Podiumsplatz an. Und langfristig? Weltmeisterschaft? Olympia? Da müssen Marc und seine Mutter beide lachen. „Für Olympia hat Deutschland aktuell nur einen Startplatz“, erklärt Cathrin Delbrouck, „und bei den Paralympics ist Eiskunstlauf nicht im Programm.“

Vielleicht könnte er in ein großes Nachwuchsleistungszentrum wechseln, sinniert Marc Delbrouck. „Aber ich will meine Trainerin nicht verlieren. Und so etwas Internationales wie die olympischen Jugendspiele kann ich mir auch noch nicht vorstellen.“ Allerdings galt das vor kurzem auch noch für einen Platz im Scheinwerferlicht der nationalen Eiskunstlaufszene.

Über Tanz und Ballett aufs Eis

Olympische Spiele sind kein Thema

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Radfahren und Gymnastik statt Schwimmen
Der TSV Hohenbrunn-Riemerling in der Corona-Krise:  Radfahren und Gymnastik statt Schwimmen.
Radfahren und Gymnastik statt Schwimmen
„Der Sport wird ein Jahr darnieder liegen“
Alpenvolleys-Boss Hannes Kronthaler im Interview: „Der Sport wird ein Jahr darnieder liegen.“
„Der Sport wird ein Jahr darnieder liegen“
Maxi Maier radelt auf der Terrasse
In diesen Tagen kann es sein, dass sich der Mountainbiker Maxi Maier auf sein Fahrrad schwingt und ein paar Stunden nur auf der Stelle tritt.
Maxi Maier radelt auf der Terrasse
„Ein Abbruch wäre am vernünftigsten“
Fußballer aus dem südlichen Landkreis München rätseln über den weiteren Saiusonverlauf
„Ein Abbruch wäre am vernünftigsten“

Kommentare