Der Kugelstoßer Christian Zimmermann vom Kirchheimer SC bei einem Versuch.„Wenn ich zu viel will, dann zerlegt es das ganze Drehsystem“ Foto: Görlitz/Archiv
+
Die Sache mit der Technik. „Wenn ich zu viel will, dann zerlegt es das ganze Drehsystem“, sagt Christian Zimmermann

Für den Kugelstoßer des Kirchheimer SC geht es bei der DM um die Weite, nicht um die Platzierung

Christian Zimmermann: „Mein Ziel ist nach wie vor die Hallen-EM“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
    schließen

Kirchheim – Mit einem bayerischen Hallenrekord im Gepäck fährt Kugelstoßer Christian Zimmermann am Wochenende zur Deutschen Meisterschaft nach Dortmund. Dort gehört der Leichtathlet vom Kirchheimer SC zu den Medaillenanwärtern, rangiert er doch aktuell auf Platz drei der nationalen Jahresbestenliste. Oberstes Ziel in Dortmund sei jedoch weniger eine gute Platzierung, sondern vor allem eine starke Weite, sagt der 26-Jährige im Interview. Denn damit könnte sich Zimmermann ein Ticket für die Hallen-EM in Polen sichern.

Herr Zimmermann, erst vor zwei Wochen haben Sie mit 19,87 Metern einen bayerischen Hallenrekord aufgestellt. Wie breit ist das Grinsen, mit dem Sie nun zur Deutschen Meisterschaft fahren?

Ach, nach Grinsen ist mir ehrlich gesagt nicht zumute. Klar waren die 19,87 Meter gut, aber das war jetzt auch kein überragender Stoß – zumal der Wettkampf in der Werner-von-Linde-Halle stattgefunden hat, in der ich ja auch trainiere. Beim Einstoßen habe ich da noch locker die 20 Meter übertroffen, ohne mich groß anzustrengen.

Diese magische Marke haben Sie im Wettkampf erst ein einziges Mal geknackt – im vergangenen Sommer in Germering...

Mein Problem ist oft, dass ich im Wettkampf besonders weit stoßen will. Ich weiß, das klingt für Außenstehende blöd. Aber wenn ich zu viel will, dann reiße ich an der falschen Stelle an – und dann zerlegt es das ganze Drehsystem.

So wie voriges Jahr bei den Deutschen Freiluft-Meisterschaften, als Sie ohne gültigen Versuch blieben…

Da sind noch eine ganze Reihe anderer Dinge falsch gelaufen. Aber wenn ich mir jetzt darüber Gedanken mache, dann kriege ich Ärger mit meinem Trainer. Für mich geht‘s am Wochenende einfach nur darum, locker zu bleiben und nicht besonders weit stoßen zu wollen – sondern das zu zeigen, was ich im Training schon mache.

Und dann ist eine Medaille das Ziel?

Das werde ich immer gefragt. Aber was bringt es mir, wenn alle anderen einen schwarzen Tag erwischen, und ich mit 19,50 Meter gewinne? Das bringt mich auch nicht zur Hallen-EM…

… die Anfang März in Polen stattfindet…

… und die nach wie vor mein Ziel ist. Wenn also David Storl (Anm. d. Red: der amtierende Deutsche Meister und Jahresbeste) am Samstag mit 21 Metern gewinnt, und ich mit 20,50 Meter Zweiter werde, dann mache ich ein wesentlich weniger trauriges Gesicht, als wenn ich mit 19,50 Meter gewinne.

Auch die Deutschen Meisterschaften werden im Zeichen der Coronakrise stehen. Haben Sie sich schon an die Umstände gewöhnt?

Ehrlich gesagt ist das für uns halb so wild. Ich lasse mich vor der Abreise testen, und dann wird es vor Ort wahrscheinlich noch einmal einen Schnelltest geben. Ansonsten müssen wir natürlich Maske tragen und Abstand halten. Aber sobald der Wettkampf beginnt, ist eigentlich alles normal.

Bis auf Tatsache, dass keine Zuschauer im Stadion sind…

Ja, das ist schon noch ungewohnt. Es wird sicher leiser im Stadion sein, was sich sowohl positiv als auch negativ auswirken kann. Bei mir persönlich war es jedoch schon früher nicht so, dass die Zuschauer darauf hingefiebert haben, meinen Stoß einzuklatschen. Bei jemandem wie David Storl ist das anders, deshalb ist es für ihn sicher eine größere Umstellung.

Tobias Potye will um Medaillen springen, Fabian Olbert ins Finale laufen

Wenn sich an diesem Wochenende die deutsche Leichtathletik-Elite in Dortmund trifft, dann sind aus dem Landkreis München die drei üblichen Verdächtigen dabei. Neben Kugelstoßer Christian Zimmermann vom Kirchheimer SC (siehe Interview) sind dies Hochspringer Tobias Potye aus Aschheim sowie der Kirchheimer Sprinter Fabian Olbert, die beide für die LG Stadtwerke München starten.

Als Erster muss an diesem Samstag ab 16.40 Uhr der 2,13-Meter-Hüne Zimmermann ran, dem im Kugelstoßen durchaus Medaillenchancen eingeräumt werden. Nur wenig später, um 17.40 Uhr, stehen dann die Halbfinalläufe über 60 Meter auf dem Programm – mit Fabian Olbert. Der 20-Jährige hat nach einem Schlüsselbeinbruch im Sommer heuer noch nicht zu seiner Topform des Vorjahrs gefunden. Mit einer Zeit von 6,75 Sekunden über 60 Meter liegt er aktuell auf Platz 18 der deutschen Jahresbestenliste. Ein Einzug ins Finale, das um 19 Uhr angesetzt ist, wäre somit als Erfolg für ihn zu werten.

Ganz andere Ziele hat da Tobias Potye, dessen Wettkampf am Sonntag um 13.50 Uhr beginnt. Der 25-Jährige blickt bislang auf eine starke Hallensaison zurück – inklusive eines Sprungs über 2,26 Meter Ende Januar in Wien. Mit dieser persönlichen Bestleistung in der Halle liegt der 1,98-Meter-Schlaks aktuell auf Rang zwei der deutschen Jahresbestenliste und nur zwei Zentimeter hinter Mateusz Przybylko, dem Europameister von 2018. Somit zählt Potye, der schon im Vorjahr Silber bei der Hallen-DM holte, in Dortmund zu den heißen Medaillenanwärtern. Die Wettkämpfe sind im Livestream auf leichtathletik.de zu sehen.ps

Auch interessant

Mehr zum Thema

503 Service Unavailable

Hoppla!

Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.