Oberhachingerin in der Weltelite

Mountainbike.Marathon-WM:  Hänsel (44) aus Oberhaching fährt in der Schweiz vorne mit

OberhachingTief in der Schweiz, in Grächen kurz vor dem Matterhorn, ist die Marathon-Mountainbike-Weltmeisterschaft ausgtragen worden. Am Start war auch Gloria Hänsel aus Oberhaching, die nach nach 4:37.30 Stunden den beachtenswerten 33. Platz unter den 73 Starterinnen aus 21 Nationen belegte. Damit war sie achtschnellste deutsche Starterin und viertschnellste Mutter.

Die zweifache Mutter hatte sich beim legendären Grand Raid Cristalp über 125 Kilometer und 5050 Höhenmeter im Rahmen der MTB Marathon World Series, dem Worldcup der Marathon-Fahrer, mit einem zweiten Platz für die WM qualifiziert. Die diesjährige WM-Strecke der Damen war im Vorfeld schon als technisch besonders anspruchsvoll eingestuft worden, da sie einen ungewöhnlich hohen Singeltrail-Anteil aufwies und teils auf extrem steilen Spitzkehren-Trails an ausgesetzten Felswänden entlangführte.

Auch bergauf zwangen steilste Passagen selbst die Weltspitze zum Schieben. Der sandige Boden in der trockensten Region der Schweiz machte diese Strecke so anspruchsvoll. Schnelle Kurven oder im aufgewirbelten Staub nicht gut zu erkennende spitze Steine sind ein ständiges Risiko für Defekte oder gar Stürze. Die Streckenkenntnis ist daher von großem Vorteil und was für Profis eine Selbstverständlichkeit ist, Tage zuvor anzureisen und die Details unter die Lupe zu nehmen, ist für die 44-Jährige aus familiären und berufliche Gründen nicht möglich. Für sie war die Anreise erst am Vorabend möglich.

Für die gebürtige Lindauerin war dies die erste WM-Teilnahme, und sie berichtet stolz vom erhebenden Gefühl, zu den besten Fahrerinnen Deutschlands zu zählen: „Im Nationaltrikot wird einem dann auf einmal bewusst, welche Ehre es ist, für Deutschland antreten zu dürfen. Natürlich ist man an so einem Tag aufgeregter als sonst, aber zum Glück haben heute alle Faktoren zusammengepasst. Ich war gesund, hatte eine tolle Tagesform und konnte meinem Körper alles abverlangen.“ Hänsel erzählt begeistert: „Es war so ein cooler Tag, ich kann immer noch nicht glauben, dass wirklich alles so perfekt gelaufen ist.“

Die Fahrerinnen mussten während den 70 Kilometern 3100 Höhenmeter zurücklegen. Klingt viel, doch für Gloria Hänsel war es eher ein kurzes Rennen. Denn meistens fährt sie Rennen, bei denen sie um die 4000 Höhenmeter und weit mehr Kilometer absolvieren muss. Gloria Hänsel erklärt: „Während des Rennens ist man am Limit der körperlichen Leistungsfähigkeit, dann bestimmt die mentale Stärke den Rennverlauf. Über viele Stunden mit zunehmender Erschöpfung die Konzentration hoch zu halten, um keine fatalen Fehler zu machen, seinen Körper im Detail zu kennen und ständig auf ihn zu hören, seine Kräfte perfekt bis zum Ende einzuteilen und immer aufs Gas zu drücken, ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Die Renntaktik von Gloria Hänsel, die für das Team peakpassion / RV Sturmvogel München 1952 startet, ist voll aufgegangen. Ein Singletrail-Einstieg kurz nach dem Start galt als gefürchtetes Nadelöhr, ab dem ein Überholen bis zum Talpunkt nicht mehr möglich ist. Also startete die Oberhachingerin zügig, um bergab nicht von technisch weniger versierten Fahrerinnen gebremst zu werden. Sie sagt: „Ich bin das ganze Rennen mein Tempo gefahren und habe mich nicht mitreißen lassen. Wer anfangs überzieht, zahlt das restliche Rennen bitter dafür. Bergab konnte ich immer wieder Platzierungen gut machen“. Während des gesamten Rennens ist sie von ihrem Ehemann Lutz Hänsel unterstützt worden: „Lutz und ich sind ein perfekt eingespieltes Team, er weiß genau, wie es läuft und ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen.“ Hilfe von außen darf nur in den vorgegebenen Zonen angenommen werden, die vom Helfer-Team rechtzeitig erreicht werden müssen.

Die neue Mountainbike Marathon Weltmeisterin heißt Pauline Ferrand-Prévot. Die Französin gewann vor wenigen Wochen auch die MTB Cross Country Weltmeisterschaft. Beste deutsche Starterin war Adelheid Morath, die erst im Zielsprint die Bronzemedaille um eine Sekunde verpasste.

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