Unzufriedene Mitglieder des Kirchheimer SC wechseln zum Ortsrivalen SV Heimstetten

Neue Ski-Sparte sorgt für Knatsch

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
    schließen

Heimstetten/Kirchheim – Mitten in der Coronakrise hat der SV Heimstetten ein neues Sportangebot in sein Repertoire aufgenommen und damit viel Staub aufgewirbelt. Oder, um im Kontext zu bleiben: viel Schnee aufgewirbelt. Denn seit Kurzem gibt es beim SVH eine neue Sparte Ski Alpin, die in die Abteilung Sportklettern eingegliedert wurde. Diese Neugründung ist insofern brisant, als es beim Nachbarklub Kirchheimer SC schon eine große Ski- und Bergsport-Abteilung gibt.

Und eigentlich gilt zwischen den beiden Vereinen aus derselben Gemeinde das Gentlemen’s Agreement, dass keiner eine neue Abteilung in einer Sportart gründet, die der andere bereits anbietet. Allerdings sei diese Vereinbarung „über die Jahre aufgeweicht“ worden, sagt Petra Kolb, Abteilungsleiterin für „Sportklettern/Ski Alpin“, wie die Sparte beim SVH nun offiziell heißt. Zudem versichert sie, dass sich die Vorsitzenden beider Klubs hinsichtlich der Heimstettner Pläne abgesprochen hätten. Ohnehin habe der SVH keine eigene Ski-Abteilung gegründet, sondern das Angebot lediglich in die Sportklettern-Sparte integriert. „Wir wollen bewusst keinen Bergsport anbieten“, sagt Kolb. Und sie betont: „Wir als Verein weisen niemanden ab, der sich ehrenamtlich einbringen will.“

Genau dies hätten einige Skisportler getan, die beim SVH vorstellig wurden, nachdem sie sich beim Kirchheimer SC „nicht mehr wohl gefühlt haben“, erzählt Petra Kolb. Ihnen zufolge habe beim KSC der Fokus zu sehr auf dem Leistungssport gelegen, weshalb sie beim SV Heimstetten anklopften und dort um Aufnahme baten. „Die wollen zwar hin und wieder mal ein Rennen fahren, aber nicht jedes Wochenende am Gletscher trainieren und ständig an Wettkämpfen teilnehmen“, sagt Petra Kolb. Ihr zufolge zählt die Gruppe der Skisportler beim SVH inzwischen circa 25 Mitglieder; dazu kämen fünf Trainerinnen und Trainer sowie in Manfred Kaplan ein Sportlicher Leiter. „Wir wollen bei uns ganz klar einen Breitensport-Ansatz fahren“, sagt die Abteilungsleiterin. „Und wir sind überzeugt, dass es hier in der Gegend eine Nachfrage nach einem solchen Angebot gibt.“

Ganz anderer Ansicht ist da Hans Binder, Leiter der Abteilung Ski und Bergsport beim KSC. „Der Kreis der Skifahrer ist hier nicht so groß“, ist er überzeugt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass aus dieser Abteilung etwas wird – schon gar nicht jetzt, nach der Corona-Krise.“ Spricht man Binder auf das Gentlemen’s Agreement der zwei Nachbarvereine an, sagt er: „Da hält sich leider nur der KSC dran – der SVH nicht.“ Er habe mit den Unzufriedenen in seiner Abteilung das Gespräch gesucht, berichtet Binder. „Ich habe gesagt, lasst es bleiben, das ist Unsinn, macht lieber hier weiter.“ Doch das „kleine Grüppchen“ habe sich nicht überzeugen lassen. Dass seiner Abteilung nun in der eigenen Gemeinde eine Konkurrenz erwächst, nennt Hans Binder „sehr schade“. Und er betont: „Es gab schon genug Abwerbungen. Da wurden alle möglichen Menschen angesprochen.“

Beim SVH dagegen gibt man sich zuversichtlich, was die Zukunft der Skifahrerinnen und Skifahrer innerhalb der Kletter-Abteilung angeht. Geplant sei ein regelmäßiges Training im Winter, sagt Petra Kolb. Dazu sollen gemeinsame Ausfahrten, eine Skifreizeit an Fasching und die gelegentliche Teilnahme an Rennen kommen. Hierfür habe man alles Organisatorische bereits mit dem Verband geregelt, sagt die Abteilungsleiterin. Allein die Corona-Pandemie hat die Premiere der SVH-Neumitglieder im Schnee bislang durchkreuzt – so wie bei allen Skiklubs im Land. Nun wolle man Ende April mit einem regelmäßigen Radtraining beginnen, um sich über den Sommer fit zu halten, sagt Petra Kolb. „Und dann können wir im kommenden Herbst hoffentlich richtig loslegen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare