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Auf der Erfolgswelle: Nico Paufler kommt als vorletzter Fahrer mit Bestzeit ins Ziel: „Am Anfang habe ich gedacht, dass die Zeitnahme kaputt ist.“

Kanu

Nico Paufler wird Europameister

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Kaum hat Nico Paufler die Ziellinie überquert, blickt er ungläubig zur Anzeigetafel, dann zu den anderen Kanuten, die noch in ihren Booten sitzen und applaudieren, und schließlich wieder zurück zur Anzeigetafel. „Am Anfang habe ich gedacht, dass die Zeitnahme kaputt ist“, wird der 18-Jährige aus Ismaning später erzählen.

Fischerhäuser – Erst nach und nach sei ihm gedämmert: Als vorletzter Fahrer bei dieser Wildwasser-Europameisterschaft in Mazedonien hat er bislang die schnellste Zeit gefahren. Bedeutet: Eine Medaille ist ihm schon sicher.

Siegerehrung: Nico Paufler (Mitte) mit dem Zweitplatzierten Simon Oven (links; Slowenien) und dem Drittplatzierten Paul Jean (Frankreich).

Doch es kommt noch besser: Gut eine Minute später erreicht der letzte Starter das Ziel, der amtierende Europameister Andreas Heilinger aus Deutschland. Und er kann die Paufler’sche Zeit nicht toppen, sondern landet auf Rang vier. „Ja und dann war ich also Europameister“, sagt Nico Paufler, und noch immer klingt seine Stimme bei diesem Satz so, als erzähle er gerade von Außerirdischen, die bei ihm im Ortsteil Fischerhäuser auf der Wiese gelandet sind.

„So richtig verstanden habe ich’s noch nicht“, räumt der Ismaninger ein. Kein Wunder, schließlich war Nico Paufler der jüngste aller Teilnehmer in Mazedonien, es ist seine erste Herren-Saison überhaupt, und allein, dass er sich für die EM qualifiziert hatte, war schon ein großer Erfolg. „Ich wusste natürlich, dass ich gut drauf bin“, sagt er. „Aber ich konnte überhaupt nicht einschätzen, wie stark die anderen Fahrer sind. Die kannte ich ja nur vom Namen oder aus den sozialen Netzwerken.“

Spätestens seit der Europameisterschaft ist aber andersrum der Name Nico Paufler im Wildwasser-Kanu ein Begriff – wegen seines Einzel-Titels auf der Classic-Distanz (3,7 Kilometer), dem er überdies noch eine Silbermedaille mit dem Team folgen ließ. Das deutsche Trio landete dabei nur 0,54 Sekunden hinter Slowenien, „klar waren wir da erst mal enttäuscht“, räumt Nico Paufler ein. Doch allzu lange habe er nicht Trübsal blasen wollen: „Für mich hätte die EM nicht besser laufen können“, sagt der 18-Jährige. „Bevor es wieder nach Hause ging, hatten wir noch einen Nachmittag und den Abend frei. Da haben wir dann auch noch ein bisschen gefeiert.“

Zurück in Deutschland geht es für den Studenten, der auch im Kanu-Marathon und im Rennsport zu den größten Talenten des Landes zählt, nahtlos weiter: Am übernächsten Wochenende stehen die Deutschen Meisterschaften im Wildwasser-Kanu an. Dort will sich Nico Paufler durch eine gute Platzierung für die U23-Weltmeisterschaft qualifizieren. Ob er zusätzlichen Druck verspüre, wenn er nun plötzlich als Herren-Europameister bei den Rennen auftauche? „Glaube ich eigentlich nicht“, sagt Nico Paufler und winkt ab. „Mich macht das eher stolz, wenn die anderen jetzt auf mich schauen und sich mit mir vergleichen.“

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