Das ist der Finaleinzug: Das deutsche Team feiert nach dem Halbfinalsieg gegen Spanien.
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Das ist der Finaleinzug: Das deutsche Team feiert nach dem Halbfinalsieg gegen Spanien.

Beachhandball-Auswahl der Frauen marschiert ungeschlagen durchs Turnier in Varna

Novakovic-Team ist Europameister

  • VonGuido Verstegen
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Was für ein Ritt! Ohne Niederlage ist die deutsche Beachhandball-Nationalmannschaft der Frauen in Varna durch das EM-Turnier marschiert und bezwang im Finale auch Titelverteidiger Dänemark. „Die Zukunft gehört uns!“, freute sich Bundestrainer Alexander Novakovic (TSV Ismaning) mit seinen Schützlingen, von denen viele ihre Beach-Wurzeln im Landkreis haben.

Varna/Ismaning – Damals stand noch die Ismaninger Legende Isabell Klein (geborene Nagel) für die DHB-Auswahl im Sand von Cuxhaven: 15 Jahre nach dem ersten EM-Titel hat ein deutsches Beachhandball-Nationalteam erneut bei einer Europameisterschaft triumphiert. Im bulgarischen Varna besiegte die Mannschaft am Sonntag die Vertretung Dänemarks mit 2:0 (24:21, 25:20). „Ich habe keine Worte“, war Bundestrainer Alexander Novakovic kurz nach Spielschluss sichtlich gerührt.

Der Bundestrainer jubelt: Alexander Novakovic aus Ismaning.

Dabei hatte es im Halbfinale zwischenzeitlich nicht gut ausgesehen. Gegner Spanien machte durch ein 27:11 das 18:22 im ersten Durchgang vergessen und schien das Momentum auf seiner Seite zu haben. Doch die deutschen Spielerinnen waren da mit ihren Gedanken schon längst beim dann folgenden Shoot-Out. „Wir haben versucht, Strafen zu ziehen“, erklärte Novakovic. „Wir wollten die Defensiv-Spezialistin des Gegners aus dem Spiel nehmen – und das ist uns mit ein bisschen Glück gelungen.“ Hinzu kam, dass Isabel Kattner von den Beach Bazis Schleißheim im Shoot-Out (5:2) wie schon im Viertelfinale gegen Ungarn (22:12, 20:21, 7:6) als offensive Torfrau überragte. Als beste Abwehrspielerin stand sie dann auch wie Katharina Filter (beste Torhüterin) im All-Star-Team.

Wir kommen von einem zehnten Platz vor zwei Jahren. Das ist ein unglaublicher Meilenstein, die Zukunft gehört uns.

Bundestrainer Alexander Novakovic aus Ismaning

Im Endspiel holte Amelie Möllmann (Minga Turtles Ismaning/Ketscher Bären) mit 26 Punkten die Kohlen aus dem Feuer. In insgesamt neun Begegnungen gab die DHB-Auswahl nur zwei Sätze ab. Es war beeindruckend, wie entspannt – der Tanz der Spielerinnen zu den Klängen von „Cotton Eye Joe“ unmittelbar vor dem Finale wird unvergessen bleiben – und gleichzeitig fokussiert das Team durch das Turnier schritt. Novakovic: „Wir waren auch dank unserer akribischen Video-Analysen immer bestens vorbereitet – Co-Trainer Hendrik Sander hat da einen super Job gemacht.“

Novakovic selbst stand schon viermal mit Jugend-Nationalteams im Halbfinale, nun gelang ihm der ganz große Coup: „Wir kommen von einem zehnten Platz vor zwei Jahren. Das ist ein unglaublicher Meilenstein, die Zukunft gehört uns! Natürlich ist es mein persönlicher größter Erfolg, aber das ist völlig egal. Schließlich geht es um die Mannschaft und um den Beachhandball in Deutschland.“

Der deutsche Kader:

Magdalena Frey (Brüder Ismaning/TSV Haunstetten), Kirsten Walter (Brüder Ismaning/HCD Gröbenzell), Michelle Schäfer (Brüder Ismaning/TSV Haunstetten), Belen Gettwart (Beach Bazis Schleißheim/HCD Gröbenzell), Isabel Kattner (Beach Bazis Schleißheim/HCD Gröbenzell), Katharina Filter (Beach Unicorns Hannover/Buxtehuder SV), Amelie Bayerl (Brüder Ismaning/ESV Regensburg), Lena Klingler (Minga Turtles Ismaning/VfL Waiblingen), Sarah Irmler (Brüder Ismaning/TSV Haunstetten), Lucie Kretzschmar (Minga Turtles Ismaning/SU Neckarsulm), Liv Süchting (Beach Unicorns Hannover/Buxtehuder SV), Amelie Möllmann (Minga Turtles Ismaning/Ketscher Bären).

Kirsten Walter: „Es ist immer noch unglaublich“

Kirsten Walter (Nationalspielerin, Brüder Ismaning): „Allein die Tatsache, dass wir es ins Finale geschafft haben, ist immer noch unglaublich! Wir haben in der ganzen Woche nur zwei Sätze abgegeben, ohne auch nur einmal an die Goldmedaille zu denken. Schritt für Schritt haben wir unseren Plan verfolgt, das war der Weg zum Erfolg.“

Manfred Königsmann (Trainer Brüder Ismaning): „Ich habe alle Spiele gesehen, und ich muss sagen, das war absolut verdient! Die harte, fokussierte Arbeit hat sich ausgezahlt. Natürlich haben sich auch die punktuellen Bundesliga-Verstärkungen geholfen, aber ohne das Team geht’s gar nicht.“

Lars Nickel (Nationalspieler, THC EhDrin Ismaning): „Ich bin immer noch enttäuscht, weil es für uns als Männer-Nationalmannschaft nur zu Platz zwölf gereicht hat. Wir sind einfach nicht in den Flow reingekommen – im Gegensatz zu den Frauen. Wahnsinn, was sie geleistet haben, Respekt! Jetzt geht’s für mich und meinen EhDrin-Teamkollegen Severin Henrich gleich zurück nach Deutschland.“

Gregor Köbrich (Trainer Beach Bazis Schleißheim): „Das ist für mich schon überraschend! Aber jetzt zahlt es sich aus, dass das Gros der Mannschaft seit vier, fünf Jahren zusammenspielt, auch die DM in Düsseldorf vorher war wichtig, weil alle da schon gefordert wurden. Alexander Novakovic hat eine prima Vorbereitung hingelegt und ist einfach gut im Lesen von Spielen. Und Isabel Kattner muss man eigentlich ein Denkmal setzen – klasse, wie sie im Shoot-Out gehalten hat!“

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