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Schlammpackung inklusive: Der Kirchheimer Uwe Kauntz sammelt in ganz Europa Hindernisse – hier unterm Stacheldraht beim Spartan Race in Tirol im September.
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Feuer und Flamme: Im Prater blühen wieder die Bäume, auf dem Parcours brennt das Holz. Uwe Kauntz startet zusammen mit seiner Ehefrau Sigrid auch beim Spartan Race in Wien im Mai.
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994 hat er schon: Die gesammelten Medaillen eines Jahres hat Uwe Kauntz im Flur aufgehängt. Darunter klebt ein Zettel mit seiner To-do-Liste.

Extremsport 

Noch sechs Hindernisse bis zur 1000er-Marke

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Kirchheim – „1000 Hindernisse statt der Couch“: So lautete Uwe Kauntz’ Mission für 2016. Nun hat der Kirchheimer sein Ziel fast erreicht – nach 39 000 Kilometern im Auto, einem Norovirus kurz vor dem Happy End und manch eigentümlicher Begegnung.

Es ist ja nicht so, dass Uwe Kauntz darauf erpicht gewesen wäre, hier in Frankfurt von einem eben noch wildfremden Mann umarmt zu werden – zumal dieser eher ein paar Kilo zu viel als zu wenig auf den Rippen hat. Und doch ist es diese – sagen wir mal überraschende – Begegnung, die dem Kirchheimer zuerst in den Sinn kommt, wenn er auf ein Jahr zurückblickt, das für ihn in jederlei Hinsicht besonders war.

Im Februar ist Uwe Kauntz vierzig geworden. Und weil er sich selbst und der Welt beweisen wollte, dass man auch in diesem Alter noch sportliche Höchstleistungen vollbringen kann, hat er sich ein Ziel gesetzt: Binnen eines Jahres wollte er 1000 Hindernisse bei Wettkämpfen überwinden. Gemeint sind damit nicht etwa Hindernisläufe, wie man sie aus der Leichtathletik kennt, sondern sogenannte Extrem-Hindernisläufe (Obstacle Course Racing), die ihren Ursprung in der militärischen Ausbildung haben und auch hierzulande immer populärer werden. Die Sportler bewältigen dabei meist fünf bis zwanzig Kilometer lange Strecken, entlang derer verschiedenste Herausforderungen warten – von der Kletterwand über den Wassergraben bis zum Stacheldraht, unter dem sie durch den Matsch robben. Ein Trainingsgelände ist jetzt auch in Heimstetten geplant

1000 Hindernisse – was das für eine extreme Aufgabe ist, dazu gleich. Zunächst zurück zu jener Umarmung in Frankfurt, die Uwe Kauntz beispielhaft nennt für die große Resonanz, die sein Projekt ausgelöst hat. Denn der 40-jährige IT-Spezialist und Fitnesstrainer berichtet auf seiner Webseite www.muddyface.de über seine Mission und ist so zu einer Berühmtheit in der Szene geworden, die hierzulande zigtausende Menschen zählt. „Allein die Zahl meiner Facebook-Freunde ist von 800 auf 3500 gestiegen“, sagt Kauntz. „Ich bin überall angesprochen worden, das war richtig toll.“ So auch in Frankfurt, wo sich der erwähnte, eher füllige 43-Jährige überschwänglich – und mit einer spontanen Umarmung – bei ihm bedankt. „Er hat erzählt, dass er durch meine Berichte aufs Hindernislaufen gestoßen ist. Und dass er nach langen Jahren des Suchens jetzt endlich einen Sport für sich gefunden hat.“

Genau darum sei es ja einerseits gegangen, sagt Kauntz: „Ich wollte anderen Mut machen und zeigen, dass man auch in diesem Alter noch Sport machen kann.“ Andererseits hatte er sein persönliches Ziel: 1000 Hindernisse. Oder anders ausgedrückt: mehr als 30 Rennen in ganz Europa, fast jedes Wochenende eines; gut 39 000 Kilometer habe er im Auto zurückgelegt, erzählt Uwe Kauntz. „Meistens bin ich morgens um halb Drei losgefahren, damit ich pünktlich zum Start da bin.“ Nach dem Rennen ging’s am Nachmittag direkt wieder nach Hause – „denn ich wollte ja nicht so lange von meiner Frau und meiner Tochter weg sein.“

Monatelang lief alles nach Plan: Eifrig sammelte er Hindernisse, überdies qualifizierte er sich völlig ungeplant in seiner Altersklasse für die Weltmeisterschaft, die im Oktober in Kanada stattfand. „Da waren Teilnehmer aus 160 Ländern am Start, und ich bin mit dem deutschen Nationalteam hingefahren – das war total spannend und ein Wahnsinnserlebnis“, sagt Kauntz. Noch im November befand er sich voll auf Kurs, die 1000 Hindernisse schienen zum Greifen nahe – bis er sich bei einer Betriebsfeier den Norovirus einfing. In der Folge musste der Kirchheimer ausgerechnet beim „Getting Tough“ in Thüringen passen – ein 24-Kilometer-Lauf mit 3200 Teilnehmern. Und: 170 Hindernissen.

Sie fehlten ihm nun in seiner Rechnung; die magische 1000er-Marke schien plötzlich außer Reichweite. „Doch ich bin jemand, der seine Ziele erreichen will“, sagt Kauntz. Und so meldete er sich kurzerhand für ein Rennen in Sevilla an, flog Mitte Dezember übers Wochenende nach Spanien und sammelte dort wichtige Hindernisse. Nach aktuellem Stand sind es 994, die er heuer überquert hat. Und pünktlich an Silvester sollen die Tausend voll werden: Dann startet Kauntz bei einem Rennen in Schwabmünchen – zwölf Kilometer, zwölf Hindernisse.

Welches sein Tausendstes wird, hat der 40-Jährige nicht herausfinden können: „Leider gibt es auf der Webseite kein Streckenprofil.“ Und doch weiß Uwe Kauntz bereits, wie er nach Nummer 1000 feiern wird: „Ich fülle mir Glühwein in meinen Trinkrucksack und werde mit meinen Trainingskollegen, die das Rennen mit mir laufen, eine kurze Pause machen und anstoßen.“

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