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Vorletzter auf dem roten Kurs: Patrick Bussler aus Aschheim scheitert in der Qualifikation bei seinen letzten Olympischen Spielen. Trotz einer guten Zeit auf dem blauen Kurs fehlen acht Zehntel für den Finaleinzug.

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Busslers trauriger Abschied von Olympia

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19. in Turin 2004, 16. in Vancouver 2008, Sechster und Vierter in Sotschi 2014 – und nun wollte Patrick Bussler in Pyeongchang noch mal einen draufsetzen. Doch stattdessen erzielte der Snowboarder aus Aschheim das schwächste Olympia-Resultat seiner Karriere.

Aschheim – Es hat diesmal lange gedauert, bis sich bei Patrick Bussler so etwas wie Olympiastimmung breitgemacht hat. Kein Wunder, hatte der Aschheimer doch die Eröffnungsfeier ausgelassen, weil das Nationalteam der Alpin-Snowboarder lieber noch einige Tage länger in Italien trainieren wollte. Und auch in Südkorea bezog die deutsche Mannschaft zunächst Quartier in einem anderen Skigebiet – wegen der widrigen Bedingungen am Olympiahang.

Und so kamen Bussler und Co. erst wenige Tage vor dem Riesenslalom im olympischen Dorf in Pyeongchang an. Und dort – endlich! – verspürte der Snowboarder vom FC Aschheim dann jenes Gefühl, das er bereits aus Turin, Vancouver und Sotschi kennt. „Da wird einem bewusst, dass jetzt der Tag kommt, auf den du so lange hingearbeitet hast“, sagt der 33-Jährige. „Und dass es nur auf ein Rennen ankommt. Das ist deine einzige Chance.“

Und diese Chance habe er dann, das sagt Bussler selbst ohne zu zögern, „in den Sand gesetzt“. Denn im olympischen Riesenslalom – jener Disziplin, bei der er in Sotschi als Vierter nur knapp an Bronze vorbeischrammte – verpasste der Aschheimer diesmal das Finale der schnellsten 16 Fahrer und wurde nur 25. „Ich bin total enttäuscht“, kommentiert Bussler das Abschneiden bei seinen vierten Spielen. Zum Verhängnis wurde ihm ein desaströser erster Qualifikationslauf, in dem ihm zwei Patzer unterliefen. Die Folge: Auf jenem roten Kurs war letztlich nur einer der 32 Fahrer langsamer als er. Und so nutzte es Bussler herzlich wenig, dass er im zweiten Durchgang auf der blauen Strecke eine solide Vorstellung mit der achtschnellsten Zeit hinlegte. Summa summarum fehlten ihm am Ende genau acht Zehntelsekunden fürs Finale.

Im Zielbereich, an der Seite seiner mitgereisten Freundin, konnte Patrick Bussler somit nur noch Daumen drücken für seine Teamkollegen, denen es ungleich besser erging: Stefan Baumeister fuhr auf Rang sechs, Selina Jörg und Ramona Hofmeister holten gar Silber und Bronze. „Ich habe mich wahnsinnig für die beiden gefreut“, erzählt Bussler, der nach dem Rennen dennoch „ziemlich traurig“ war, als er mit seiner Freundin durch den Ort spazierte. Zudem konnten die zwei nicht wie geplant zur offiziellen Medaillenverleihung, da ihr die nötige Akkreditierung fehlte. Dafür ließen sie sich am Abend die Feier im Deutschen Haus nicht entgehen, die natürlich geprägt war von den Erfolgen der Snowboarderinnen.

Und bei dem Fest fand Patrick Bussler dann auch erste aufmunternde Gedanken: „Klar habe ich mich immer noch über das Rennen geärgert, aber ich bin trotzdem froh und stolz, dass ich hier dabei war.“ Außerdem habe er sich sehr gefreut, „dass der Snowboardsport so viel Aufmerksamkeit bekommen hat“, sagt Bussler mit Blick auf die deutschen Medaillen und die Tschechin Ester Ledecka, die nicht nur Gold im Snowboard-Riesenslalom holte, sondern auch die Konkurrenz im Super-G gewann – auf Skiern. „Für unseren Sport ist das extrem wichtig. Ich bin mal gespannt, wie sich das auswirken wird“, sagt Bussler.

Als Sportler wird er das freilich nur noch bedingt erleben. Denn nach dieser Saison beendet der Aschheimer seine Karriere und beginnt ein Duales Studium der Wirtschaftsinformatik bei der Stadt München. Zuvor aber stehen für ihn noch drei Weltcups an – am Wochenende in der Türkei, in der Schweiz und in Winterberg. Und auch, wenn danach für ihn Schluss ist, fehlt es Patrick Bussler nicht an Motivation für seine letzten Rennen. Denn, so sagt er: „Da will ich mir selbst noch mal bewiesen, dass ich besser bin als dieser 25. Platz.“

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