Letzte Chance genutzt: Hochspringer Tobias Potye (LG Stadtwerke) aus Aschheim fliegt in Braunschweig über 2,20 Meter. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Letzte Chance genutzt: Tobias Potye aus Aschheim fliegt in Braunschweig über 2,20 Meter.

Aschheimer Hochspringer wird erstmals Deutscher Meister – Quali über Weltrangliste denkbar

Tobias Potyes Traum von Olympia lebt wieder

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Aschheim – Der Sprung, der Olympia in Tokio für ihn wieder in greifbare Nähe rücken lässt – dieser Sprung sei „vor allem Kopfsache“ gewesen, wird Tobias Potye hinterher sagen. Zuvor ist der Hochspringer aus Aschheim bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig zweimal an 2,20 Meter gescheitert – jeweils mit „sehr durchwachsenen Versuchen“, wie er einräumt.

Nun also folgt seine letzte Chance; und als wäre das nicht genug, haben sich die Bedingungen durch den Regen und das kühle Wetter spürbar verschlechtert. Doch all das kann Tobias Potye in diesem Moment ebenso außen vor lassen wie die vergangenen Wochen, die für ihn – freundlich ausgedrückt – nicht gerade nach Wunsch verlaufen sind. Und so segelt der 26-Jährige, der für die LG Stadtwerke München startet, in seinem dritten Versuch über die 2,20 Meter hohe Latte und sichert sich dadurch den ersten Deutschen Meistertitel seiner Karriere. „Es war eine sehr gute Leistung – vor allem auch vom Kopf her“, freut sich Potye über die Goldmedaille, ehe er im nächsten Satz schon wieder nach vorne blickt: „Jetzt gilt es für mich, die Chance zu nutzen, die sich eröffnet.“

Will heißen: Bei den anstehenden Meetings möchte Tobias Potye durch gute Platzierungen und starke Leistungen möglichst viele Punkte sammeln, um auf diesem Wege noch ein Ticket für Olympia in Tokio zu ergattern. Schließlich dürfen bei den Sommerspielen, die am 23. Juli beginnen, nicht nur jene Athletinnen und Athleten teilnehmen, die im Vorfeld eine bestimmte Olympianorm schaffen – im Hochsprung liegt diese etwa bei 2,33 Meter. Sondern weitere Olympiatickets werden auch anhand der Weltrangliste vergeben, wobei als Stichtag der 30. Juni herangezogen wird.

„Der Sieg bei der Deutschen Meisterschaft war eine wichtige Voraussetzung, um im Ranking weiter nach vorne zu springen“, sagt Potye. Zudem erhoffe er sich infolge des Titelgewinns Einladungen zu hochkarätigen Wettkämpfen, wo wiederum viele Punkte für die Weltrangliste vergeben werden. Schon an diesem Wochenende geht der Aschheimer bei einem Meeting in Genf an den Start; eine Woche später reist er dann in die Slowakei. „Wenn ich ein bisschen Glück habe, und einige gute Platzierungen und anständige Höhen zusammenkriege, dann könnte es am Ende reichen“, sagt der 26-Jährige über seinen Traum von Tokio.

Dabei schien dieser noch vor einigen Wochen so gut wie ausgeträumt. Denn nach einem starken vierten Platz bei der Hallen-EM in der Türkei musste Potye vier Wochen lang pausieren. Der Grund: Als einer von Dutzenden Athleten hatte sich der Hochspringer bei der Europameisterschaft mit dem Coronavirus infiziert. Und kaum war er davon genesen, machte ihn eine Knieverletzung zu schaffen – nicht zum ersten Mal in seiner Karriere. „Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt“, erzählt Potye, der in der Folge auch im Training kürzertreten musste. Entsprechend mau verlief sein Start in die Freiluftsaison: In den ersten zwei Wettkämpfen kam er bloß auf magere 2,05 und 2,10 Meter.

In Braunschweig jedoch konnte Potye nun erstmals wieder weitgehend beschwerdefrei springen – und sogleich zeigen, was er drauf hat. Seinem Knie gehe es mittlerweile besser, sagt Potye, der dennoch betont: „Nach der Saison will ich dieses Thema noch mal gezielt angehen.“ Schließlich stünden nächstes Jahr die Europameisterschaften in München an – „das ist ein großes Ziel für mich“, betont Potye. Zugleich hat der Titelgewinn in Braunschweig aber auch seinem Traum von Tokio wieder neues Leben eingehaucht. Und so sagt der Aschheimer mit Blick auf die anstehenden Wettkämpfe im Juni: „Für mich werden das jetzt drei heiße Wochen.“

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