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So sieht ein Seriensieger aus: Reinhold Humbold hat in diesem Jahr seinen sechsten Ironman-Titel auf Hawaii eingeschwommen, -gefahren und -gelaufen.

68-Jähriger gewinnt Iron Man

Humbold trotzt dem Mumuku-Fallwind

Unterhaching - Triathlet Reinhold Humbold (68) aus Unterhaching fährt bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften auf Hawaii seinen sechsten „Iron-Man-Titel“ ein.

Der insgesamt elfte Auftritt des drahtigen Top-Athleten war dabei ein ganz besonderer. Denn die Witterungsunbilden entlang der größtenteils von Lava-Landschaften geprägten Inseloptik setzten in diesem Jahr allen Sportlern gewaltig zu. Am Ende meisterte Humbold in der Alterklasse der 65- bis 69-Jährigen all die Launen der Natur einmal mehr am besten und machte das halbe Dutzend an Siegen in einer Gesamtrennzeit von 11 Stunden, 53 Minuten und 39 Sekunden klar. Seine beiden ärgsten Rivalen, den Schweizer Hermann Hefti (12:01:08) sowie den US-Amerikaner Donn Ritchie (12:24:32), verwies der Landkreis-Mehrkämpfer am Ende doch relativ deutlich auf die weiteren Plätze. 

Humbolds Trainingsschwerpunkte während des Jahres hatten sich mit Blick auf den Ironman im Mekka der Triathleten als richtig erwiesen. „Ich hatte heuer einen Trainingsschwerpunkt auf das Schwimmen gelegt, um von Anfang an vorne im Spitzenfeld dabei zu sein.“ 

Die Ausrichtung passte – Auch weil Humbold in einer leistungsmäßig passenden die 3,5 Kilometer durch den Ozean in seinem relativ gleichmäßigen Tempo durchpflügen konnte. Als der Sportler des Polizeisportvereins München nach gut 1:19 Stunden den Fluten entstieg, war nur Top-Schwimmer Ritchie (1:12) in seiner Altersklasse noch schneller. Doch auf der folgenden, 180 Kilometer langen Radstrecke sollten nicht das Beäugen der Gegner, sondern schwierige Thermikbedingungen prägend sein.

 „Die ersten 50 Kilometer war alles noch okay“, erzählt Humbold aus seinem „Fahrtenbuch“. Doch danach hätten die Wetterkapriolen voll zugeschlagen. „Vor allem der Wechsel zwischen Nieselregen und dem extrem tückischen Mumuku-Fallwind hat allen zu schaffen gemacht“, erklärt der erfahrene Sport-Kämpe. „Der Wind drückt dich quasi in den Asphalt. Du hast das Gefühl, überhaupt nicht mehr voranzukommen und praktisch zum Stehen zu kommen – einfach brutal“, fand der Seriensieger die richtigen Worte für die noch weit von der befreienden Ziellinie entfernten Quälereien. 

Offenbar ist Humbold mit diesem Härtetest aber einmal mehr erstaunlich gut zurecht gekommen. Denn auf die finale Marathon-Laufstrecke wechselte der rastlose Senior als Erster seiner Klasse. Statt Regen und Wind mutierte nun die schwül-warme Hitze auf flirrendem Asphalt zum Dauerbegleiter der Athleten. „Auch hier waren es dieses Mal besonders schwierige Bedingungen, denen meine schwache Laufleistung geschuldet war“, befand der treffliche Allrounder gewohnt selbstkritisch. 

Doch die Zeit von knapp über viereinhalb Stunden sollte am Ende reichen. Auch wenn der im Finale drängende Schweizer Hefti rund um die zentrale Laufpassage – entlang des Forschungszentrums „Energy Lab“ inmitten einer für die Sportler wohl eher traumatisch anmutenden Mondlandschaft – noch einmal kräftig Boden gut machte und seinen zeitweise rund 20-minütigen Rückstand noch einmal mehr als halbierte. Doch Humbold biss auf die Zähne und eilte am Ende in Kailua Koona dem Siegerkranz relativ unbedrängt entgegen. 

Nach Wochen der Rennvorbereitung auf Hawaii und dem fordernden Wettkampf ist der Athlet froh, zuhause zu sein. „Jetzt ist erst einmal Aktivpause angesagt“, verrät Humbold von der Couch aus. Allzu lange wird er dort nicht ruhen, vermutet, wer ihn kennt. Bei den Winterlaufserien im Landkreis wird der Mehrkampfrecke demnächst ebenso wieder zu sehen sein wie bei „kürzeren Triathlonrennen“ als Vorbereitung auf Hawaii 2016. Denn als Titelverteidiger wird er viele Flugstunden entfernt vom beschaulichen Unterhaching auch nächstes Jahr wieder dabei sein. Als Champion muss er die anstrengenden Qualifikationswettkämpfe nicht bestreiten. Humbold wäre aber nicht Humbold, wenn er sich nicht große Ziele auch außerhalb Kalua Koonas setzen würde. „Vielleicht starte ich 2016 auch in Roth“, blickt er dem nationalen Triathlon-Highlight einigermaßen erwartungsfroh entgegen. Wie gesagt: Er wird nicht lange auf der Couch sitzen.

Harald Hettich

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