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„Eine Medaille ist in Tokio möglich“

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Von: Patrik Stäbler

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WM-Bronze: Anna Schell jubelt bei den Titelkämpfen im September 2019; dort löst sie ihr Ticket für die Olympischen Spiele. © Kadir Caliskan/dpa

Mit dem Olympia-Ticket in der Tasche startete die Unterföhringer Ringerin Anna Schell voller Vorfreude ins Jahr 2020. Doch dann warf die Corona-Pandemie all ihre Pläne über den Haufen. Und als wäre das nicht genug, verletzte sich die 27-Jährige auch noch am Fuß, sodass sie im Herbst operiert werden musste. Dennoch blickt Anna Schell zuversichtlich aufs Jahr. Dann will sie in Tokio „nicht nur dabei sein“, wie sie im Interview sagt – sondern auch eine Olympia-Medaille ins Visier nehmen.

Frau Schell, Sie sind Ende Oktober am Fuß operiert worden. Wie geht es Ihnen heute?

Wirklich super. Ich bin bereits wieder im Krafttraining. Und wenn es weiter so gut läuft, dann kann ich im Januar langsam auf die Matte zurückkehren.

Direkt nach der OP hatten Sie sicher Zeit, um dieses ungewöhnliche Jahr 2020 Revue passieren zu lassen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Es war auf jeden Fall ein Jahr, mit dem niemand gerechnet hätte. Ich war im Februar ja noch bei der Europameisterschaft in Rom…

… bei der Sie Fünfte in der Gewichtsklasse bis 68 Kilo wurden.

Und kurz danach hat das Coronavirus die halbe Welt lahmgelegt. Im März konnten nicht mal mehr wir Spitzensportler trainieren, weil alle Einrichtungen geschlossen waren. Erst im Sommer durfte ich zurück in den Kraftraum und später auch wieder auf die Matte – anfangs mit Abstand und ohne Kontakt.

Dazu kam in Ihrem Fall das Zittern um die Olympischen Spiele in Tokio, für die Sie sich ja qualifiziert haben. Ende März fiel die Entscheidung, dass die Veranstaltung um ein Jahr verschoben wird. Wie war Ihre Reaktion?

Einerseits war ich enttäuscht, denn Olympia ist mein großes Ziel – und das hätte ich gerne erreicht. Andererseits war ich erleichtert, denn mit der Entscheidung hatten wir Klarheit. Und wenn man sieht, wie sich die Corona-Pandemie danach entwickelt hat, dann wären Olympische Spiele unmöglich gewesen. Ich persönlich sehe die Verschiebung relativ positiv. Jetzt habe ich ein Jahr mehr Zeit, um mich auf Tokio vorzubereiten.

Wann beginnt für Sie die heiße Phase der Olympia-Vorbereitung?

Etwa ab Februar. Ende Januar habe ich noch meine praktische Abschlussprüfung bei der Polizei, wo ich zurzeit im Rahmen der Spitzensportförderung eine Ausbildung mache. Danach kann ich mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren – und auf Olympia.

Und mit welchen Zielen werden Sie nach Tokio reisen?

Zunächst mal freue ich mich riesig darauf, bei so einer Großveranstaltung dabei zu sein – auch wenn ja noch nicht klar ist, wie Olympia genau ablaufen wird. Finden die Wettkämpfe mit oder ohne Zuschauer statt? Sind vielleicht nur inländische Zuschauer erlaubt? Doch unabhängig davon habe ich schon den Anspruch, in Tokio nicht nur dabei zu sein. Ich will versuchen, das Bestmögliche rauszuholen...

Heißt konkret?

Wenn es gut für mich läuft, denke ich, dass eine Medaille möglich ist.

Wie wird die Olympia-Vorbereitung konkret bei Ihnen aussehen?

Ich werde weiter in Unterföhring und in Nürnberg trainieren. Dazu kommen verschiedene Trainingslager und Lehrgänge mit der Nationalmannschaft. Und dann werde ich vor Tokio hoffentlich auch noch ein paar Turniere bestreiten.

Um Wettkampfpraxis zu sammeln?

Ja, das wäre auf jeden Fall notwendig. Es ist ja jetzt schon fast ein ganzes Jahr her, dass ich meinen letzten Wettkampf bestritten habe. Das wird sicher erst mal ein ungewohntes Gefühl, wenn ich wieder bei einem Turnier auf der Matte stehe.

Das Gespräch führte Patrik Stäbler.

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