Der Deutsche Meister beim Training: Klaus Brendel vom Bogensportclub Hofolding. Foto: Harald Hettich

Der Robin Hood vom Hofoldinger Forst

Hofolding - Klaus Brendel gewinnt in Biberach den Deutschen Meistertitel bei den Senioren

Von Harald Hettich

Hofolding - Klaus Brendel steht aufrecht und gerade - fast eingemeißelt in die Umgebung wie eine mythische Sagengestalt. Seine Augen fixieren mit seitwärts gerichtetem Kopf und über die Zielvorrichtung ein fernes Ziel. Eine Hand spannt auf Höhe der Schulter die Sehne, die andere Hand hält ausgestreckt den Bogen in Richtung der Zielscheibe. Sanft entlässt Brendel den ultraleichten Alu-Karbon-Pfeil aus seiner Justierung. Die Sehne schnellt wie ein Katapult nach vorne und schickt den Pfeil auf die Reise. Ein leises Zischen begleitet die Aktion, während der Schütze seinen Bogen über die Stabilisatoren gefühlvoll nachschwingen lässt und sich der Pfeil seinen Weg am Hofoldinger Forstsaum entlang auf einer Strecke von 70 Metern bahnt und direkt im Herzen der Zielscheibe einsticht. Eine „Zehn“. Ein Meisterschuss.

Für Klaus Brendel keine besondere Tat. Der 56-jährige Münchner aus den Reihen des BC Hofolding ist in diesem Jahr zunächst Bayerischer Meister geworden. Dann schaffte er einen echten Karrierehöhepunkt. Brendel wurde Deutscher Meister der Senioren und brachte von den Titelkämpfen im schwäbischen Biberach an der Riss eine Goldmedaille mit nach Hause.

Wie im Winter üblich wurde bei den Titelkämpfen allerdings in der Halle auf 18 Meter entfernte Scheiben geschossen. Mit 563 Ringen war Brendel der Titel nicht zu nehmen. Heute steht der Meisterschütze wieder im Freien. Auf der herrlich gelegenen Anlage seines Heimatclubs im Süden von Hofolding trainiert Brendel fast täglich zwei bis drei Stunden. „Ich bin gerne an der frischen Luft und kann das hier optimal mit meinem geliebten Bogenschießen verbinden“, erzählt der 56-Jährige. Serien von 60 Schüssen absolvieren Leistungsschützen bei den Titelkämpfen. Wer möglichst oft in die Mitte der standartisierten Scheiben und den in weiter Entfernung befindlichen, gelben Farb-Kegel der Zehn trifft, hat gute Aussichten auf Erfolg und Schützenlorbeer.

„Die lockere Hand ist bei vielen Schützen meist das größte Problem - manche verkrampfen bei der Schussvorbereitung einfach zu sehr und verziehen so“, weiß der Fachmann. Denn Brendel ist nicht nur selbst Meisterschütze, er gibt im über 40 Jahre alten Traditionsverein am Forstrand sein immenses Fachwissen auch an den Nachwuchs weiter.

Der Robin Hood vom Hofoldinger Forst sieht durchaus Talente. „Zwar schießen derzeit nur eine Handvoll Athleten bei Wettkämpfen, aber da streben wir mit intensiver Nachwuchsarbeit eine Leistungsverdichtung an.“ Diese Intensivierung hat bei ihm selbst längst stattgefunden. Brendel weist für einen Schützen seiner Klasse beachtenswerte Einschnitte auf. Nicht nur, dass der im Hauptberuf als Profi-Gitarrist nach deutschen Meistererfolgen im Jugend und Juniorenbereich und Länderkämpfen den Bogen wegen großer beruflicher Beanspruchungen rund zwei Jahrzehnte an den Nagel hängte und erst vor drei Jahren wieder seine Sportgerätschaft entstaubte. Der Harlachinger ist zudem kurzsichtig. „Ich sehe das Ziel eigentlich nicht, fixiere nur die farblichen Schattierungen und Umrisse an und taste mich so beim Anvisieren des Ziels an die Scheibe heran“, lautet seine bemerkenswerte Expertise. „Ohne das Bogenschießen hatte mir etwas gefehlt“, blickt er durchaus melancholisch auf seine Langzeit-Pause zurück. „Umso dankbarer war ich, als mich die alten Weggefährten vom BC Hofolding 2012 zum 40. Vereinsjubiläum einluden und mir einfach einen Bogen in die Hand drückten. Da habe ich sofort wieder Feuer gefangen“, gesteht er mit blitzenden Augen. Seither geht es wieder rund 20 Stunden pro Woche an die Scheiben. Bei Jogging und langen Waldspaziergängen sowie der Musik findet er den konzentrativen Ausgleich. „Oder im Biergarten“, sagt Brendel und lacht. Jetzt ist aber wieder Ruhe angesagt. Der Filigran-Athlet greift zum Köcher und zu seinem Bogen, einer hochwertigen Mixtur aus Karbon, Holz, Kunststoff und Metall. Noch kurz den Armschutz gegen Verletzungen der schnellenden Sehne übergestreift - dann nimmt Klaus Brendel wieder Haltung an. Die nächste Serie von sechs Schüssen wartet. Die Pfeile werden sich kurz darauf wieder im Herzen der Scheibe einbohren.

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