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Es wird einsam um Bundestrainer Jogi Löw.

„Löw ist nicht mehr der richtige Mann“

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  • Umberto Savignano
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Das sagt die Basis zur Lage der Fußball-Nationalmannschaft: „Löw ist nicht mehr der richtige Mann.“

LandkreisDie deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat die höchste Niederlage seit über 89 Jahren kassiert und damit das Finalturnier der Nations League klar verpasst. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw verlor am Dienstag gegen Spanien in Sevilla 0:6 (0:3). Nach dem blamablen Ausscheiden in der Vorrunde der Weltmeisterschaft 2018 in Russland, dem sportlich seh schwachen Abschneiden in der vergangenen Nations-League-Saison ist die Blamage gegen Spanien der nächste Tiefschlag für Löw. Wir hörten uns an der Basis, ob der Weltmeister-Coach von 2014 noch der richtige Mann auf dem Bundestrainer-Posten sei.

Für Ludwig Trifellner, den sportlichen Leiter des VfR Garching, ist klar, dass nun gehandelt werden muss, „denn es ist nicht nur dieses 0:6 in Spanien, sondern eine Entwicklung seit 2014“. Auch der 3:1-Sieg gegen die Ukraine sei spielerisch eine Katastrophe gewesen und dazu müsse man bedenken, dass der Kontrahent durch vier wegen Corona ausgefallene e Stammspieler enorm geschwächt war. „Die können doch alle Fußball spielen“, sagt er über die deutschen Spieler. „Nur sollen die sich jetzt auch für ihr Land den Hintern aufreißen.“ Trifellner sieht in den Länderspielen seit geraumer Zeit „immer nur Alibifußball, für den man sich als Deutscher schämen muss“. Dem Bundestrainer Jogi Löw wirft er vor, keinen Draht mehr zu der Mannschaft zu haben. Dies zeige sich seit Jahren und der Funktionär des Regionalligisten würde sich wünschen, dass der Bundestrainer der Wahrheit ins Auge blickt: „Wenn er Charakter hat, dann tritt er zurück und gibt zu, keinen Draht zur Mannschaft zu finden.“ Ohne die Selbsterkenntnis müsse der DFB handeln: „Ich will nicht in die Winterpause gehen und alles totschweigen.“

„Mit der Nationalmannschaft habe ich schon seit längerer Zeit ein Problem“, sagt der Unterföhringer Kapitän Andreas Faber. Die junge Welle geht ihm gegen den Strich: „Da werden elf 20-Jährige in ein Haifischbecken geworfen und das ganze Land schaut zu.“ Die Ausbootung von Müller, Hummels und Boateng ist „eine fatale Fehlentscheidung, denn in der Nationalmannschaft sollen die Besten spielen. Und wenn das elf 45-Jährige sind, dann eben die.“ Der 6:0-Sieger Spanien hat auch das beste Argument: „Dort ist der Abwehrchef Ramos 35 Jahre und die bauen dem einen Thron.“ Andreas Faber sieht eine fatale Fehlentwicklung und würde die Rückkehr des Trios Müller, Hummels und Boateng befürworten: „Damit würde man Rückgrat ohne Ende zeigen.“ Zudem müsse man auch Spielern wie dem 32-jährigen Max Kruse (Union Berlin) eine Chance geben, wenn die Leistung stimmt. Auch dieser nicht als leicht geltende Profi sei geschasst worden.

Weitere Meinungen zu Löw:

Franz Perneker, Manager des Bayernligisten FC Deisenhofen: „Das ist schwer aus der Ferne zu beurteilen. Wir haben ja sowieso 80 Millionen Nationaltrainer. Ich habe das Spiel nur phasenweise gesehen, aber es war ein katastrophaler Auftritt, und das ist an einem gewissen Punkt natürlich auch eine Trainergeschichte. Du darfst gegen Spanien verlieren, aber als deutsche Nationalmannschaft darfst du nicht 0:6 verlieren. Das gibt es im Amateurfußball, dass man sich nach drei, vier Toren hängen lässt, doch das sind Profis, die für Deutschland spielen, da darf das nicht passieren. Das Spiel zeigt irgendwo auch den Wert der Nationalmannschaft: Es spielen eben nicht zwangsläufig die Besten. Man kann sicher darüber diskutieren, ob ein Boateng noch zu den Besten zählt, aber ein Hummels wahrscheinlich schon und ein Müller sicher. Und das ist dann natürlich schon Trainersache, auf diese Leute zu verzichten. Deshalb ist es jetzt berechtigt, das Konzept zu hinterfragen. Andererseits haben wir kurzfristig nicht so viele Alternativen, ich habe heute schon mit meinen beiden Buben darüber geredet: Wer soll es machen? Sammer? Rangnick? Der ist ein Konzepttrainer, aber als Nationaltrainer hat man nicht so viele Möglichkeiten, Automatismen einzuüben. Und die EM soll im Juni beginnen, das nächste Länderspiel ist erst im März. Das ist nicht so einfach. Ein Duo Schweinsteiger und Lahm wäre vielleicht eine kurzfristige Möglichkeit Das waren selbst Typen auf dem Platz, so wie damals Franz Beckenbauer.“

Michael Hutterer, Kapitän des SV Pullach: „Ich habe nur die erste Halbzeit angeschaut, habe mir aber schon gedacht, dass sie bestimmt noch zwei Tore fangen. Man hat schon in den Spielen davor gesehen, dass Joachim Löw nicht mehr der richtige Mann ist. Dieses Spiel hat das nur offengelegt. Wenn man einen Thomas Müller zuhause lässt, der bei Bayern einer der stärksten Spieler ist... Was der alles reißt, seine Kommunikation: Das braucht die Nationalmannschaft. Ich sage auch: Löw erreicht die Spieler nicht mehr. Mir fällt allerdings gerade niemand ein, der seine Nachfolge übernehmen könnte. Das ist ganz schwer. Die Aufgabe ist ja auch undankbar, wenn der Welttorhüter gerade sechs Stück gefangen hat.“

Herbert Mühr, Trainer der Sportfreunde Egling-Straßlach, glaubt nicht, dass Jogi Löw „in der derzeitigen Phase“ zurücktreten sollte. „Eine solche Veränderung“ hätte für ihn nach der letzten WM Sinn gemacht, aber da hatte sich „der Verband dagegen entschieden“. Klar findet auch der Kreisliga-Trainer ein Ergebnis wie am Dienstag bitter, „das ist man in Deutschland nicht gewohnt“. Knackpunkt, für Mühr sind die Personalentscheidungen: „Man sollte immer die besten Leute spielen lassen“ findet er, und das ist in der Nationalmannschaft „derzeit nicht der Fall, mit Spielern, die in ihren Vereinen gerade mal auf der Ersatzbank sitzen“.

Kreisligatrainer Benjamin Vilus von der U 23 des FC Deisenhofen sieht die Sache etwas zwiespältig. Für ihn ist der Bundestrainer nicht der einzig Schuldige an dem blamablen 1:6, „auf dem Platz sind ja die Spieler, und da waren auch erfahrene dabei“. Andererseits hat der Löw seiner Meinung nach 2014 „den Abgang verpasst, da hätte er als Weltmeister abtreten können“. Dann wurde von ihm ein Umbruch erwartet, „der braucht Zeit, und die hatte er nicht“. Jedoch mit den Personalentscheidungen, „nicht die beste Elf aufzustellen, macht er sich angreifbar“.

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