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„Bei Kindern liegt die Vermutung nahe,dass Kopfbälle eine Gefahr darstellen.“: Joachim Hermsdörfer ist Leiter des Lehrstuhls für Bewegungswissenschaft an der TU München.

Joachim Hermsdörfer arbeitet an einem Projekt zur Gesundheitsgefahr durch Kopfbälle

„Das Gehirn wird angestoßen und erschüttert“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Welchen Einfluss haben Kopfbälle auf die Funktion und Struktur des Gehirns? Diese Frage untersucht seit 2017 ein groß angelegtes Projekt des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, an der sich auch die Technische Universität München beteiligt. Verantwortlich dort ist Joachim Hermsdörfer, Leiter des Lehrstuhls für Bewegungswissenschaft. Er betont im Interview, dass es bislang keinen gesicherten wissenschaftlichen Nachweis für eine Gesundheitsgefahr durch Kopfbälle gibt.

Herr Hermsdörfer, was genau geschieht im Schädel eines Fußballers, wenn er einen Kopfball macht?

Im Grunde ist das nichts anderes als ein Stoß von außen gegen den Kopf, wodurch der Schädelknochen teilweise massiv beschleunigt wird. In der Folge wird auch das Gehirn angestoßen, erschüttert und im Extremfall gegen den Schädelknochen gedrückt. Und durch diesen mechanischen Einfluss können sich die Prozesse innerhalb des Gehirns verändern.

Und es beschädigen?

Bei starken Stößen kann das geschehen, zum Beispiel wenn Nervenfasern im Gehirn reißen. Bei Kopfbällen jedoch sind die Veränderungen gering. Bisher wurden Auffälligkeit in Laborexperimenten festgestellt und auch da gibt es widersprüchlich Befunde.

Also gibt es aktuell keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Fußballer durch eine Vielzahl von Kopfbällen Gehirnschäden davontragen können?

Nein, allerdings erstzunehmende Anzeichen. Die Forschung in dem Bereich hat auch mit mehreren Problemen zu kämpfen. Zum einen muss die chronische Wirkung über etliche Jahre erfasst werden. Zum anderen ist die Dosis oft nicht klar, weil die Zahl und Intensität der Kopfbälle auf Selbstangaben oder Beobachtungen beruhen.

Aus diesem Grund tragen die Fußballerinnen in Ihrer Studie spezielle Kopfsensoren, die aufzeichnen, wie oft und wie stark der Ball gegen den Kopf fliegt. Gibt es hier erste Erkenntnisse?

Wir sind gerade dabei, die Daten auszuwerten. Die vorläufigen Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Folgen zumindest nicht gravierend sind. Wir hatten in der Studie auch Fußballerinnen, die sehr viele Kopfbälle gemacht haben – und bei denen dennoch keine erheblichen negativen Auswirkungen erkennbar waren.

Und wie sieht es bei Kindern aus?

Da liegt die Vermutung nahe, dass Kopfbälle eine Gefahr darstellen – auch weil Kinder weniger Muskeln haben und oft die richtige Technik nicht beherrschen. Andererseits spielen Kinder meist mit leichteren Bällen und köpfen nicht nach Pässen oder Abschlägen über sechzig Meter, sodass die Wucht des Balls meist geringer ist. Die wissenschaftliche Befundlage ist hier nicht eindeutig. Auch deshalb wollen wir in einer weiteren Studie mit unseren Sensoren in den Kinderbereich gehen.

Was würden Sie einem Freund raten, wenn er Sie fragt, ob er sein Kind bedenkenlos zum Fußball schicken kann?

Als Wissenschaftler kann ich nur sagen, dass es derzeit keine fundierten Erkenntnisse gibt, wonach Kopfbälle eine Gesundheitsgefahr für Kinder darstellen. Dennoch müssen die einzelnen Befunde ernst genommen und weiterverfolgt werden. Die Entscheidung, ob das Kind zum Fußball geht, müssen aber natürlich die Eltern treffen.

Und wie haben Sie sich persönlich entschieden?

Meine Tochter hat Fußball gespielt, und ich hatte deswegen nie schlechte Gefühle – weder früher noch heute. Allerdings ging meine Tochter den Kopfbällen eher aus dem Weg.

In England ist Kopfballtraining für Kinder seit Kurzem verboten – aus Sorgen um die Gesundheit der Kleinen. Der DFB lehnt ein Verbot dagegen ab und verweist auf widersprüchliche Studienergebnisse.

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