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„Die Mannschaft hat Zukunft“: Trainer Florian Bamberger schaut derzeit nicht aktiv nach Zugängen.

Handball – Bayernliga 

„So was habe ich in 15 Jahren noch nicht erlebt“

Die Handballerinnen des TSV Ismaning blicken auf eine nervenaufreibende Bayernliga-Saison mit vielen Höhen und Tiefen zurück, den Klassenerhalt sicherten sich die Isis erst auf der Zielgeraden. Im Interview mit dem Münchner Merkur zieht Trainer Florian Bamberger (29) Bilanz.

Die Handballerinnen des TSV Ismaning blicken auf eine nervenaufreibende Bayernliga-Saison mit vielen Höhen und Tiefen zurück, den Klassenerhalt sicherten sich die Isis erst auf der Zielgeraden. Im Interview mit dem Münchner Merkur zieht Trainer Florian Bamberger (29) Bilanz.

War es eine erfolgreiche Spielzeit für Ihr junges Team mit einem Durchschnittsalter von knapp 20 Jahren?

Da bin ich zwiegespalten. Einerseits wäre in dieser Saison so viel mehr möglich gewesen, wenn wir in vielen Spielen konstanter aufgetreten wären und unsere Leistung abgerufen hätten. Andererseits haben wir die Abgänge dominanter Individualisten wie Helena Lettl oder Kornelija Klinac als Team kompensieren müssen. Das fällt im ersten Moment natürlich nicht leicht. Bei uns sind dann aber immer wieder andere Spielerinnen in die Bresche gesprungen und haben Verantwortung übernommen. Das war beeindruckend, zeugt von der Entwicklung und macht mich stolz.

Die Verletztenmisere haben Sie jetzt gar nicht angesprochen…

Stimmt. Dass wir unter diesen Umständen die Liga gehalten haben, ist eigentlich der Wahnsinn. Ein solches Verletzungspech habe ich in meinen knapp 15 Trainerjahren tatsächlich noch nicht erlebt. Bis auf Lotta Rohmert, Julia Brandstädter, Sabrina Eglseder und Ella Kohde ist jede Feldspielerin für einen gewissen Zeitraum mal ausgefallen.

Es ging ja schon früh los in der Saison mit dem Kahnbeinbruch bei Patrizia Filz, die sich später dann auch noch einen Bänderriss im Fuß zuzog. Dann der – bereits zweite – Kreuzbandriss bei Alicia Nagel. Beide sind noch nicht wieder ins Training eingestiegen…

Zusammen mit den Akteurinnen, die uns auf anderem Wege verlassen haben, fehlte uns bereits eine ganze Mannschaft. Lisa Frank fiel unerwartet wegen ihrer Schulterprobleme komplett aus, Kathleen Braun ging aus beruflichen Gründen. Lara Wittmann weilte bis vor Kurzem im Ausland, Lina Horstmann zog es in ihre Heimat Bielefeld zurück, Jana Schöffmann war nie richtig fit – und so waren gleich mal drei Linkshänderinnen weg.

Wie haben Sie das kompensieren können?

Moment, ich bin noch nicht fertig. Wenn dir Stützen wie Kathrin Tischler, Rosmarie Hascher oder andere über Wochen hinweg ausfallen, dann kriegst du einfach keine Konstanz rein. Es gab eine ganz kurze Phase, da haben wir ein paar Mal hintereinander mit dem gleichen Team spielen können – das hat man dann gleich gemerkt. Zu der Frage: Das Trainerteam und die Mannschaft sind sehr dankbar für die Unterstützung aus der Zweiten und von den „Oldies“ Isabel Dulias, Sophie Pramberger und Stephanie Oberhuber – das war großartig.

Bei all dem Drama hatten Sie doch sicher auch persönliche Tiefpunkte…

Als wir Mitte März in Ingolstadt verloren haben, da war die Mannschaft am Boden. Und das Trainerteam auch. Da ging’s mir tatsächlich nicht so gut. In dieser Phase hat es mich sehr viel Kraft gekostet, mich zu motivieren.

Wie sind Sie aus diesem Loch herausgekommen?

Irgendwie hatten zu diesem Zeitpunkt alle Spielerin das Gefühl, den Karren ganz allein aus dem Dreck ziehen zu müssen – das geht aber nur gemeinsam. Wir haben es dann im Training mal so richtig übertrieben mit dem Sich-gegenseitig-anfeuern, haben uns gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Das war genial, eine Offenbarung! Und vor der Halle musste jede Spielerin einen „Hass-Spruch“ aufschreiben, den sie in der Halle mal gehört hat – wie „Schon wieder nicht gewonnen?“ oder „Wieder kein Tor?“. Die Zettel haben wir gemeinsam verbrannt.

Trotz der schwierigen Saison machen Sie als Trainer weiter…

Das stand von Anfang an für mich fest. Das Ganze ist für mich eine Art Projekt, längerfristig angelegt. Die Mannschaft hat Zukunft – und erfolgreiche Teams wie Würm-Mitte oder Gröbenzell funktionieren mit einem über die Jahre gewachsenen Kern.

Das heißt, Ihre Mannschaft bleibt zusammen?

Mit wenigen Ausnahmen. Alicia Nagel konzentriert sich auf ihr Sportstudium, Sara Broß auf ihre „erste Sportart“ Judo. Patrizia Filz wird am Knie operiert. Dafür ist Lara Wittmann wieder da, und Melanie Leitl kehrt zurück. Wir schauen derzeit nicht aktiv nach Neuzugängen – der Kader hat Potenzial und ist relativ groß. Wenn wir nicht wieder so ein Seuchenjahr erleben, geht da noch was. Viele Spielerinnen sind erst im zweiten Damen-Jahr, da kann es schnell gehen mit den Entwicklungsschritten.

Was haben Sie sich für die kommende Spielzeit vorgenommen?

So schnell wie möglich 20 Punkte holen und dann mal weiterschauen, was noch so geht.

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