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Die Fußballplätze im Landkreis sind verwaist. Gerade für die jungen Sportler ist der erneute Teil-Lockdown ein Problem.

„Die Gesundheit der Mitglieder ist oberstes Gebot“

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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LandkreisIn einem Appell an die Politik setzt sich der DFB dafür ein, den Trainingsbetrieb im Amateursport wieder zuzulassen, zumindest unter freiem Himmel im organisierten Kinder- und Jugendbereich. Der Münchner Merkur hat sich bei einigen Vereinen umgehört, wie die Verantwortlichen zu dieser Frage stehen.

Matthias Schmidt, Fußball-Abteilungsleiter TSV Ottobrunn: „In meinen Augen wäre es für die Kinder und Jugendlichen jetzt optimal, in kleinen Gruppen zu trainieren, wie nach dem ersten Lockdown. Da können sie sich nicht verstecken, man kann sehen, wer mit wem trainiert, alle werden erfasst. Warum sollte das jetzt nicht gehen? Sie sitzen acht, neun Stunden in der Schule zusammen und dann zuhause an der Konsole, statt ihrem Hobby nachzugehen, bei dem nachweislich nichts passiert. Wir versuchen sie über Aufgaben und kleine Wettkämpfe bei der Stange zu halten, zum Beispiel über eine Laufgruppe bei WhatsApp. Da pushen sie sich gegenseitig. Aber wir wären eben auch dafür, wieder auf den Platz zu dürfen. Denn wir verlieren Zeit in der Ausbildung. Selbst mit kleinen Gruppen von vier Kindern wäre viel gewonnen. Auch die Gemeinschaft ist wichtig. Der Mensch ist ein Gemeinschaftstier, auch da bringen selbst kleine Gruppen was. Die Jungs brauchen das in dem Alter.“

Klaus Heydenreich, Sprecher HT München: „Wir vertreten für den Handball-Jugendbereich in Unterhaching und Taufkirchen eine einheitliche Sichtweise. Die Gesundheit der Mitglieder ist dabei oberstes Gebot. Es wird zwar angenommen, dass für Kinder die Gefahr geringer ist, und wir hatten im ersten Lockdown ein sehr aufwändiges Hygienekonzept, in dem beispielsweise die Kleingruppen bei den Kleinsten noch einmal geteilt wurden. Aber wir halten uns einfach an die Regeln, da wir als großer Verein eine Vorbildfunktion haben, auch wenn es natürlich immer Diskussionen gibt. Training im Freien wäre im Handball im Moment ja auch schwierig. Im Sommer haben wir das gemacht, da gab es die Möglichkeit und es wurde auch super angenommen. Nun aber läuft diese Form ins Leere. Letztlich ginge es ums Joggen, das können die Kinder auch alleine. Wir hoffen, dass man im Dezember wieder trainieren kann, der Spielbetrieb im Handball ist ohnehin schon bis Ende des Jahres ausgesetzt. Alternativen gibt es, so werden Trainingspläne per WhatsApp verschickt. Bei meiner Tochter, die in der D-Jugend spielt, habe ich mitbekommen, dass sie Video-Schnipsel von ihrem Workout an die Gruppe verschickt, das beschert den Mädchen dann auch ein gewisses Gemeinschaftserlebnis, wenn sie sehen: Eine macht gerade auch Seilspringen, eine andere Situps. Das macht ihnen Spaß. So ähnlich wird das in allen Mannschaften praktiziert.“

Dennis Petersen, Jugendleiter des FC Deisenhofen: Ich bin hin- und hergerissen. Ich habe am Anfang der Beschlüsse von Berlin den Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann gefragt, ob sich der Verband für den Trainingsbetrieb stark machen könnte. Aber er meinte, da so viele Spiele abgesagt werden, sei dies keine Option. Nun ist Training meiner Meinung nach etwas anderes als ein Spiel, weil es überschaubar ist, die meisten Vereine haben außerdem sehr gute Hygienekonzepte. Und ich habe selber Kinder: Sie brauchen die Bewegung. Wenn die Eltern die Kinder nicht an die frische Luft bekommen, haben wir langfristig ein Problem. Bei uns draußen in Deisenhofen geht es vielleicht, aber in München stelle ich es mir schwierig vor. Da ist der organisierte Sport zwingend notwendig, aus drei Gründen: Zum einen wegen der sonst entstehenden gesundheitlichen Nachteile, zum zweiten, weil wir einen großen Teil der Entwicklung verlieren und zum dritten, weil die Gefahr besteht, dass die Vereine Mitglieder verlieren. Auf der anderen Seite können wir 75 Prozent der Infektionen nicht zuordnen. Ich glaube zwar nicht, dass der Fußball dafür verantwortlich ist, aber ich bin der Meinung, dass die Regierung versucht, so gut wie möglich für unsere Gesundheit zu sorgen. Man sollte also mitziehen, wenn sie sagt, man muss die Kontakte reduzieren. Deshalb sehe ich es zwiespältig. Das ist übrigens auch die Tendenz bei den Eltern. Manche sagen: Was kann man tun, um das Training zu ermöglichen. Andere sind vorsichtiger, würden ihre Kinder zum Beispiel in der Halle gar nicht trainieren lassen. Aber ich habe das Gefühl, generell wollen die Eltern schon, dass ihre Kinder in der Freizeit Sport treiben. Diskutieren könnte man über die Altersgrenzen. Mit 15 oder 16 können die Jugendlichen alleine joggen, das geht bei einem Siebenjährigen nicht. Als Alternative haben wir beim FCD auch eine Video-Plattform, die wir beim ersten Shutdown entwickelt haben. Die Erfahrung zeigt aber: Das war am Anfang ein Hype, dann schläft es irgendwann ein.“

Lars Frederick, Volleyball-Leiter weibliche Jugend beim TSV Unterhaching: „Ich wäre, im Sinne der Kinder, grundsätzlich für eine Fortsetzung des Spiel- und Trainingsbetriebes. Mannschafts-Volleyball lässt sich leider nur begrenzt im Freien ausüben, insbesondere im Winterhalbjahr. Gerade bei den jüngeren Altersklassen U12 bis U14 stehen aber nur zwei, drei oder vier Spieler gleichzeitig in einer Mannschaft auf dem Spielfeld. Zudem ist Volleyball auch kein direkter Kontaktsport, da die Mannschaften durch ein Netz getrennt sind. Auch stehen die Spieler meist nicht direkt nebeneinander und halten vielfach automatisch einen gewissen Abstand. Bei einer Begrenzung von zum Beispiel zehn Teilnehmern je Hallendrittel wären rein rechnerisch gut 20 Quadratmeter je Teilnehmer vorhanden. Das ist wesentlich mehr als die Schüler normalerweise in einer Schulklasse haben. Auch eine Lüftungspause wäre kein Problem. Bei uns gab es keinerlei Infektionen innerhalb des Trainings, alle Infektionen kamen von außerhalb. Von daher sehe ich kein wesentlich erhöhtes Infektionsrisiko im Jugendtraining. Mit entsprechenden Hygienekonzepten lässt sich ein Training durchaus durchführen. Gerade aus den gemeinsamen Aktivitäten ziehen unsere Spieler ihre Motivation. Wer zu uns kommt, sucht explizit die Gemeinschaft einer Teamsportart und will diese auch erleben. Die Kinder lernen so viel bei uns, was die Begriffe Rücksicht, Team, Starke unterstützen Schwache, Verantwortung übernehmen, Selbstsorganisation, betrifft. Das sind wichtige Kernelemente und Auftrag des Breitensports - gerade im Jugendtraining! Den meisten Eltern wäre eine Fortsetzung des Trainingsbetriebes unter entsprechenden Hygienekonzepten lieber als ein kompletter Lockdown, so wie wir ihn jetzt haben. Natürlich steht es jedem frei, sich unter den gegebenen Umständen für oder gegen eine Trainingsteilnahme zu entscheiden, die allermeisten Kinder sind aber weiter gerne zu unseren Trainings gekommen. Die Eltern haben uns hier vertraut.“

Enrico Tzschoppe, stellvertretender Leichtathletik-Abteilungsleiter und Trainer der U14 und U12 beim TSV Unterhaching: „Wir finden diese Initiative sehr gut und hoffen, dass sie erfolgreich ist. Grundsätzlich sprechen auch wir uns für eine Wiederaufnahme des Vereinstrainings aus. Natürlich ist es aufgrund der aktuellen Lage nur unter Einschränkungen möglich. Dass es funktioniert, haben der Mai und der Juni gezeigt, als wir mit Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln in Kleingruppen trainiert haben. Das hat hervorragend funktioniert und wurde von den Eltern, vor allem aber von den Kindern, dankend angenommen. Für die Kinder ist das Vereinstraining sehr wichtig. Nicht nur, um sich zu bewegen sondern auch, um ihre sozialen Kontakte im Verein aufrecht zu erhalten. Als wir im Mai wieder begonnen haben, waren die Kinder so glücklich. Sie sind mit riesiger Begeisterung wieder ins Training gekommen und sie sind selbst dann gekommen, als es in Strömen geregnet hat. Hauptsache wieder Training. Training ist auf dem Sportplatz auf jeden Fall möglich, in Kleingruppen und mit verkürzter Zeit. Training in den Hallen ist schwierig, aber ebenfalls möglich. Man könnte von den 90 Minuten Trainingszeit 20 Minuten für Lüftungszeiten nehmen, zum Beispiel: Beginn um 16.40 Uhr statt um 16.30 Uhr und Ende um 17.50 Uhr statt um 18 Uhr, anschließend Lüftung der Hallen und Beginn der nächsten Gruppe um 18.10 Uhr statt um 18 Uhr und Ende um 19.20 Uhr statt um 19.30 Uhr und so weiter. Wir sind also grundsätzlich der Meinung, dass Vereinssport unter Auflagen wieder stattfinden sollte und würden dies auch unterstützen.“

Zusammengefasst von
Umberto Savignano.

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